Personalmagazin HR-Software 10/2026

HR-Software personalmagazin HR-Software 2026 6 Auf den großen HR-Messen präsentieren die Softwarehersteller im Jahr 2026 eine wunderbare Vision: Autonome KI-Agenten erledigen das Onboarding geräuschlos im Hintergrund, tippen Verträge und matchen Skills in Echtzeit. Doch der Alltag im Personalbereich bietet noch oft das genaue Gegenteil: Zähe Systemwechsel, Excel-Listen und ein Budget, das immer knapper wird. Die HR-Bereiche stehen vor der Aufgabe, unter internem Effizienzdruck ihre Software-Infrastruktur kostensparend zu modernisieren. Das Marktwachstum für HR-Software hat sich im Dach-Markt nach den turbulenten Post-Corona-Jahren umsatzseitig im niedrigen einstelligen Prozentbereich eingependelt. Wo früher viel Risikokapital in jedes einigermaßen erfolgversprechende HRTech-Startup floss, herrscht heute mehr Zurückhaltung und manchen Spezialanbietern fehlt es an Kapital. Suiten schlucken Spezialisten Fusionen und Übernahmen gehören auch weiterhin zur Tagesordnung. Die großen HCM-Suiten vervollständigen damit ihre KI-Ökosysteme. Die Marktführer SAP und Workday setzen den Trend. So übernahm SAP den Recruiting-Spezialisten Smartrecruiters, um im Themenfeld Talent Acquisition tiefgehende KI-Modernisierungen zu ermöglichen. Gleichzeitig investierte der Konzern in seine übergreifende Datenstruktur, um die AIReadiness zu verbessern. Ebenfalls übernommen wurden deshalb Reltio, ein Spezialist für Master Data Management, und Dremio, ein Anbieter einer cloudbasierten Data-Lake-Engine. Aktuell kam noch Prior Labs hinzu, ein Startup aus Freiburg, das spezialisierte KI-Modelle entwickelt, um komplexe Tabellen- und Unternehmensdaten vollautomatisch zu analysieren und präzise Geschäftsprognosen zu erstellen. Workday war ebenfalls sehr aktiv. Hier kam es zur Übernahme von Paradox, einem Spezialisten für KI-gestützte, dialogorientierte Rekrutierungsprozesse. Es folgte die Akquisition von Flowise, einem Open-Source-Infrastrukturanbieter für das Erstellen von KI-Agenten, sowie von Sana, dessen Technologie als KI-native Lern- und Wissensmanagement-Plattform dient. Zuletzt kam Pipedream hinzu, eine cloudbasierte API-Integrationsplattform, die Schnittstellen liefert, damit KI-Agenten Workflows und Aufgaben über verschiedene Geschäftsanwendungen hinweg direkt ausführen können. Die Botschaft des Marktes ist damit unmissverständlich. Anstatt fragmentierte Schnittstellen zu bauen, setzt man auf eine einzige, verlässliche Datenbasis und eine tief verankerte agentenbasierte KI (Agentic AI). Die Verschiebung der Machtverhältnisse Andere Themen, die in den vergangenen Jahren noch diskutiert wurden, sind heute zur Normalität geworden und werden von den Anbietern nicht mehr gesondert ausgeflaggt. Die Fosway Group, ein führendes Analyseunternehmen für den HR-Softwaremarkt konstatiert, dass cloudbasierte Lösungen heute zum Standard gehören. Unterschiede zwischen den Anbietern gibt es derzeit hauptsächlich beim Thema „Connected Data“, also bei der Frage, wie reibungslos die Daten aus dem Recruiting, der Personalentwicklung, dem Talentmanagement und dem Kern-HR-System ineinandergreifen. Priorität bei den Unternehmen haben heute Anwendungen, die datenbasierte, aussagekräftige Dashboards liefern und eine messbare administrative Entlastung erzielen. Dabei investieren die HR-Bereiche 2026 in bestehende Systeme, um bisher ungenutzte Module zu aktivieren und Workflows zu straffen. Die Revolution der Preismodelle Diese Entwicklungen bereiten den Boden für ein neues Spannungsfeld zwischen den HR-Tech-Anbietern und HR-SoftwareKäufern. Über fast zwei Jahrzehnte galt das Modell „Per User Per Month“ (PUPM), also eine feste Lizenzgebühr pro Mitarbeitenden und Monat, als der Standard im Bereich Software-as-a-Service (SaaS). Doch dieses Modell stößt an seine Grenzen. Verantwortlich dafür ist die sogenannte „KI-Steuer“. Die Integration umfangreicher generativer KI und autonomer Agenten verursacht bei den Herstellern hohe, variable Rechenkosten bei jedem einzelnen Systemaufruf. Das bisherige Flatrate-Modell deckt diese Kosten kaum noch ab und ist damit für die Hersteller keine geeignete Kalkulationsgrundlage mehr. Deshalb lässt sich ein Trend hin zu dynamischen und wertorientierten Preismodellen erkennen, die die folgenden Aspekte einbeziehen: 1. Die KI-Aufpreis-Logik (Hybrid-SaaS): Kernfunktionen bleiben im Basispreis enthalten, während hochentwickelte KI-Funktionen als Add-ons mit prozentualen Aufschlägen abgerechnet werden. 2. Verbrauchs- und Workflow-Preise: Die Abrechnung erfolgt nach tatsächlicher Nutzung, beispielsweise pro API- Nutzung, pro Prompt-Abfrage, pro KI-generierter Stellenbeschreibung oder pro erfolgreich abgeschlossenem, vollautomatischem Onboarding-Prozess. Das Abrechnungsmodell, das eine feste Lizenzgebühr pro User und Monat vorsieht, stößt an seine Grenzen. Bild Seite 4: Nina Lemm / @art_and_intelligence

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