Wie KI-Agenten virtuelle Lernwelten verändern Von Gudrun Porath Virtuelle Figuren sind nicht neu im digitalen Lernen. Avatare treten als Moderatoren in Lernprogrammen auf, als virtuelle Kunden in Rollenspielen oder als animierte Figuren in Erklärvideos. Mit dem Aufkommen generativer KI erweitern sich die Möglichkeiten. Neben Avataren entstehen zunehmend KIbasierte Agenten. KI hat das Lernen reformiert: Dank generativer KI lassen sich beispielsweise innerhalb weniger Minuten aus einem Skript professionelle Lernvideos erzeugen. Ein digitaler Moderator erklärt Prozesse, stellt Produkte vor oder führt durch Schulungen. Anbieter wie Synthesia oder Hey Gen machen es vor. Doch solche Avatare sind von dem, was man als KI-Agenten bezeichnen würde, noch relativ weit entfernt. Sie fungieren vor allem als Benutzeroberfläche für ein Sprachmodell. Sie sprechen, antworten und präsentieren, verfügen aber weder über ein eigenes Gedächtnis noch über ein Verständnis ihrer Umgebung oder längerfristige Ziele. Mehr als ein sprechender Avatar KI-Agenten gehen einen Schritt weiter: Sie verfügen über eine eigene Verhaltenslogik, speichern Erfahrungen, ziehen Schlussfolgerungen und passen ihr Verhalten an. In virtuellen Welten erhalten sie zusätzlich Zugang zum Kontext einer Situation. Sie wissen, welche Objekte vorhanden sind, welche Handlungen ausgeführt werden und welche Rolle sie selbst in einem Szenario übernehmen sollen. „Man kann sich das im Prinzip vorstellen, als wenn in einer physischen Präsenzsituation eine permanente hochqualifizierte Unterstützung gegeben ist“, sagt Markus Herkersdorf, Gründer und Geschäftsführer von Tricat, einem Anbieter virtueller Lernumgebungen. Die Agenten könnten Lernende beobachten, ihren Kenntnisstand einschätzen und die Lernmaßnahme daran anpassen. „Sie haben eine Vorstellung, wo schaust du gerade hin, was tust du gerade, führst du eine Handlung korrekt aus, zögerst du?“ Wie weit dieses Kontextverständnis inzwischen gehen kann, zeigt ein Beispiel, das Herkersdorf in einer Demonstration präsentiert: Darin begegnet ein Nutzer in einer virtuellen Umgebung der KI-Agentin Amanda. Während des Gesprächs blickt er wiederholt auf eine Uhr an der Wand. Amanda spricht ihn darauf an und fragt, ob er in Eile sei. Der Nutzer verneint und erklärt, 30 HR-Software personalmagazin HR-Software 2026
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