personalmagazin 10 / 12
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spezial
_Zeit, Zutritt, PEP
Akzeptanz fürs neue Zeitmodell
Praxis.
Heraeus hat ein neues Arbeitszeitmodell für tariflich gebundene Mitarbeiter
eingeführt. Eine kommunikative Herausforderung für das Personalmanagement.
Familienunternehmens Heraeus hat be-
reits Erfahrung mit Arbeitszeitmodellen
zur Flexibilisierung. Nun wurde für au-
ßertarifliche Mitarbeiter der Wechsel zur
Zeitsouveränität vollzogen sowie für den
Tarifbereich ein aus drei Zeitwertkonten
bestehendes neues Arbeitszeitmodell
entwickelt und imGemeinschaftsbetrieb
Rhein-Main eingeführt. Es ermöglicht
eine verbesserte nachfrageorientierte
Steuerung der Arbeitskapazität und
sichert den Mitarbeitern auch in kon-
junkturell schwierigen Zeiten ein ste-
tiges Einkommen. Auch wenn das alles
zunächst gut klingt: Eine Veränderung
des Arbeitszeitmodells stößt auf Miss-
trauen in der Belegschaft – zumal die
Einführung drei verschiedener Konten
die Komplexität erhöht. Dieser Heraus-
forderung begegnete das Unternehmen
mit professioneller Unterstützung durch
die Kommunikationsagentur BCC.
Gewohnheiten verändern
Zunächst galt es, eine Reihe operativer
Schwierigkeiten zu überwinden: In den
einzelnen Gesellschaften des Gemein-
schaftsbetriebs existierten unterschied-
liche Regelungen zur Arbeitszeit. Diese
galt es zu vereinheitlichen, und das heißt
Gewohnheiten verändern. Dafür muss-
ten in erster Linie Verständnis und Ak-
zeptanz geschaffen werden. Zudem stellt
das neue Konzept deutlich höhere Anfor-
derungen an die Handlungskompetenz
der Führungskräfte.
Das vom Personalmanagement entwi-
ckelte und mit dem Betriebsrat in einer
Betriebsvereinbarung festgeschriebene
Modell musste nun Schritt für Schritt im
Unternehmen verankert werden. Denn
nur wenn das Modell von den Mitarbei-
tern akzeptiert und von den Führungs-
kräften aktiv angewendet wird, kann es
auch seinen Nutzen entfalten. Eine enge
Abstimmung der Kommunikationsmaß-
nahmen mit dem Betriebsrat hilft bei der
Zusammenarbeit und erhöht die Akzep-
tanz bei den Mitarbeitern. Je intensiver
die Beteiligten in den Veränderungspro-
zess eingebunden sind, desto niedriger
ist das Misstrauen und desto höher die
Motivation, das Neue mitzutragen.
Von
Alexander Zang
und
Stefan Schlapp
I
n der Industrie sind Auftrags-
schwankungen ein bekanntes Pro-
blem: Die Nachfrage ändert sich
mitunter stark und damit der Be-
darf an Arbeitskräften. Das Personalma-
nagement muss Lösungen entwickeln,
die auf der einen Seite die finanziellen
Risiken des Unternehmens begrenzen
und auf der anderen Seite die Arbeits-
platzsicherheit der Mitarbeiter erhöhen.
Das Personalwesen des weltweit tätigen
Auch die Edel- und Sondermetall
verarbeitung bei Heraeus (im Bild
eine Messung) lässt sich über Zeit-
wertkontenmodelle an den Bedarf
anpassen.
© heraeus