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Bei Fragen wenden Sie sich bit te an
personalmagazin:
Sie haben kürzlich
Bewerber aus China und Spanien, aus
Portugal und Tschechien eingestellt. Wie
prüfen Sie deren Unterlagen?
Peter Fenkl:
Die Personalfachleute und
Fachvorgesetzten schauen sich die Do-
kumente daraufhin an, ob das Profil
der Kandidaten zu den Vakanzen passt.
Dann führen sie zwei bis drei Gespräche.
Manchmal kommt jemand aus dem Team
hinzu, in dem der Neue einsteigen soll.
Das ist bei ausländischen Bewerbern
nicht anders als bei deutschen. Denn bei
der Zusammenarbeit kommt es auf ei-
nen guten Abschluss, aber eben auch auf
andere Dinge an als darauf, in welchem
Land ein Bewerber seinen Hochschulab-
schluss gemacht hat.
personalmagazin:
Ihre offenen Stellen auf
der Website fordern Spaß an der Arbeit,
aber keine Spitzennoten. Wollen Sie nicht
die besten Absolventen?
Fenkl:
Natürlich sind wir an Spitzennoten
interessiert. Es nutzt einem mittelstän-
dischen Unternehmen wie dem unseren
aber nichts, wenn es den besten Inge-
nieur einstellt, der dann das Team zer-
schießt, weil er nicht kooperativ arbeiten
kann. An der fachspezifischen Qualifi-
kation muss man in unserem speziali-
sierten Bereich ohnehin feilen, aber die
Chemie muss gleich stimmen. Unsere
Mitarbeiter müssen offen sein – auch
für andere Kulturen. Immerhin arbeiten
bei uns jetzt Menschen aus 29 Nationen.
personalmagazin:
Ist die Fluktuation bei
ausländischen Mitarbeitern höher?
Fenkl:
Wir haben insgesamt nur eine
Fluktuation von zwei Prozent. Und wenn
ein junger Ingenieur nach ein paar Jah-
ren das beschauliche Künzelsau wieder
verlassen möchte, bemühen wir uns, in
einem unserer Standorte irgendwo auf
der Welt das Passende für ihn zu finden.
personalmagazin:
Welche Sprachen müssen
Mitarbeiter beim Start können?
Fenkl:
Die Konzernsprache ist Englisch.
„Die Persönlichkeit entscheidet“
Interview
Peter Fenkl, Vorstandsvorsitzender der Ziehl-Abegg AG, achtet auch bei ausländischen
Bewerbern vor allem erst einmal darauf, dass die Chemie stimmt.
Das Interview führte
Ruth Lemmer.
In einem sechs- bis achtwöchigen indi-
viduellen Ausbildungsprogramm lernen
die Neuen auf Englisch oder Deutsch, wie
die Firma funktioniert und die Spieler im
Netzwerk agieren.
personalmagazin:
Es klingt, als sei die
Nationalität unwichtig.
Fenkl:
Das ist so. Neben der beruflichen
Qualifikation entscheidet auch die Per-
sönlichkeit des Bewerbers oder der Be-
werberin über die Einstellung. Wer sich
nicht einbringt und engagiert, wird trotz
guter Abschlüsse selten erfolgreich sein.
personalmagazin:
Nutzen Sie die Anerken-
nungsbescheinigung für ausländische
Berufsabschlüsse?
Fenkl:
Bisher nicht, aber auf lange Sicht
wird man sich dessen bedienen, weil sie
das Verständnis der formalen Abschlüs-
se erleichtert.
Peter Fenkl
ist Vorstands-
vorsitzender des
Motoren- und Venti-
latorenproduzenten
Ziehl-Abegg AG.
die Bundesprojekte wissenschaftlich
begleitet. Werbeaktionen für die schöne
deutsche Arbeitswelt sollen die Willkom-
menskultur fördern. Die 36 IQ-Anerken-
nungsstellen in den Regionen stehen für
konkrete Anfragen bereit.
Eine Werbeaktion, die in Portugal et-
was zu erfolgreich war, unternahm die
Kommune Schwäbisch Hall, in deren
Region es so gut wie keine Arbeitslosig-
keit gibt. Journalisten aus Griechenland,
Italien, Spanien und Portugal wurden
eingeladen. Die portugiesische Journa-
listin scheint sich in die Region verliebt
zu haben, jedenfalls schrieb sie so über-
schäumend davon, dass knapp 15.000
Bewerbungen ankamen. Die örtliche Ar-
beitsagentur sortierte – und gab 2.000
Bewerbungen an die bundesweit arbei-
tende Zentrale Auslands- und Fachver-
mittlung der Bundesagentur für Arbeit
(ZAV) weiter. In der Region blieben bis-
her weniger als zehn.
Zu den Unternehmen, die sich Bewer-
bungen aus dem Nachbarort kommen
ließen, gehört der Motoren- und Ven-
tilatorenproduzent Ziehl-Abegg AG in
Künzelsau. 1.700 Bewerbungen schau-
ten sich dort die Personalfachleute an.
Zwei portugiesische Bewerber mit einem
Technikschwerpunkt wurden eingestellt,
zwei weitere sind im Gespräch. Das Re-
cruiting bleibt aufwendig – aber lohnens-
wert mit und ohne Anerkennungsgesetz.
„Das Gesetz
zur Aner-
kennung
ausländischer
Berufsab-
schlüsse war längst
überfällig.“
Sehnaz Oezden, Leiterin für Rekrutierung
und Personalmarketing, Continental