personalmagazin 10 / 12
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Management
_Recruiting
Schlüssel für den Vergleich
tipp.
Die Politik will mit einem Gesetz helfen, ausländische Fachkräfte zu rekrutieren.
Nun lässt sich bei 450 Berufen die Gleichwertigkeit der Qualifikation prüfen.
für die Rekrutierung und Personalent-
wicklung der Software-Mitarbeiter ver-
antwortlich ist, schaut bei Bewerbungen
aus dem Ausland aufs Notensystem, um
einen Vergleich zu deutschen Hochschul-
abschlüssen zu schaffen.
Die Persönlichkeit zählt
Im ersten zumeist englischsprachigen
Telefoninterview fragt sie die Studien-
schwerpunkte, die beruflichen Erfah-
rungen und den Lebenslauf ab, aber
auch, welchen Traumjob die Kandidaten
haben. „Die Uni muss nicht hochgerankt
sein und fachlich kann man vieles ler-
nen“, erklärt sie. „Aber auch wenn die
Unterlagen stimmen, muss vor allem die
Persönlichkeit zu uns passen, denn die
kann man schwer ändern.“ Deshalb sind
Dokumente nur ein Kriterium bei den
zwei bis drei Gesprächen mit Persona-
lern und Führungskräften.
Das wird auch so bleiben, denn Schul-
und Hochschulabschlüsse, die nicht
unmittelbar zu reglementierten Beru-
fen wie Arzt oder Rechtsanwalt führen,
werden nicht durch das Anerkennungs-
gesetz für ausländische Berufsqualifi-
kationen erfasst, das am 1. April dieses
Jahres in Kraft trat. Hochschulabgänger
aus dem Ausland können ihr Zeugnis
schon seit 2007 bei der Zentralstelle für
ausländisches Bildungswesen (ZAB) in
der Kultusministerkonferenz bewerten
lassen. Doch bei Physikern, Mathema-
tikern und Ingenieuren bleiben in den
Unternehmen die Schwerpunkte der je-
weiligen Hochschule zur Einschätzung
der Absolventen relevant – ganz wie bei
deutschen Universitäten auch.
Ganz anders sieht es bei rund 450 Be-
rufen aus, die im Anerkennungsgesetz
erfasst werden. Darunter sind Berufe,
bei denen das Tragen der Berufsbezeich-
nung traditionell an Berufsqualifika-
tionen gebunden war wie Altenpfleger
oder Steuerberater. Die Ausbildungsbe-
rufe im dualen System vom Elektriker
bis zum Kaufmann im Einzelhandel fal-
len jetzt unter das Gesetz. Und eben auch
Ärzte und Rechtsanwälte. Auf Antrag der
Interessenten werden die Zeugnisse und
ergänzenden Dokumente mit den aktuell
in Deutschland für diesen Beruf gefor-
derten Qualifikationen und Abschlüssen
verglichen. Die Antragsteller erhalten
darüber eine Bescheinigung.
Die verantwortlichen Stellen für die
Anerkennung bleiben die Kammern und
Behörden, die auch bisher das Sagen hat-
ten. Aber der Arbeitsuchende soll einen
leichteren und schnelleren Durchblick
haben, weil er sich beim Anerkennungs-
portal informieren kann – und durch den
deutschen Fach- und Zuständigkeits-
dschungel begleitet wird.
Rund 1.000 Anträge sind seit April
bereits bei der IHK Fosa in Nürnberg
gestellt worden. Diese zentrale Stelle
übernimmt für 77 der 80 Industrie- und
Handelskammern (IHK) in Deutsch-
land die Prüfung und Bewertung aus-
ländischer Berufsqualifikationen. Drei
Kammern setzen das Gesetz unabhän-
gig um. Die IHK Fosa arbeitet eng mit
dem Netzwerk Integration durch Quali-
fizierung (IQ) zusammen, das sich auf
politischer wie praktischer Ebene mit
der Verbesserung von Arbeitsmarkt-
chancen von Migranten beschäftigt und
Von
Ruth Lemmer
B
ei Adrian Juan passte alles.
Der Spanier studierte in Val-
ladolid und über ein Erasmus-
Stipendium im belgischen Gent
Informatik. Anschließend arbeitete Juan
zwei Jahre in Belgien und recherchierte
immer wieder, was sich in seinem Fach
europaweit tat. So entdeckte er im Web
das Marie-Curie-Programm für Promo-
tionen, das ihn zu CAS Software nach
Karlsruhe brachte. Dort forscht der
28-Jährige nun in der Software-Entwick-
lung, gehört zum Airbus-Team – und pri-
vat zum Karlsruher Sport Club.
Sein Arbeitgeber hatte sich selbst ein
Bild von Qualifikation und Lebensweg ge-
macht. Hilfreich sind das Internet – und
Erfahrung. Denn der Mittelständler in
Karlsruhe hat bereits Informatiker und
Webdesigner aus Ungarn und Iran, aus
Mauritius und eben Spanien eingestellt.
Eva Neuberger, die bei CAS Software
„Auch wenn die
Unterlagen stim-
men, muss vor
allem die Persön-
lichkeit zu uns
passen, denn die kann man
schwer ändern.“
Eva Neuberger, Rekrutierung und Personalentwick-
lung der Software-Mitarbeiter, CAS Software