personalmagazin 10 / 12
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Titel
_Randbelegschaft
Bereit zum Ausschwärmen
TREND.
Aufgaben einer beliebigen Gruppe von Menschen zu überlassen, nennt sich
„Crowdsourcing“. Bilden Externe die „Crowd“, kann das die Kernbelegschaft ersetzen.
• Microworking: Die Community er-
füllt kleinere (Teil-)Aufgaben, wie etwa
Adressrecherchen, die final wieder zu
einem Gesamtergebnis zusammenge-
setzt werden.
Ein Beispiel für „Crowdsourcing“ im
Personalbereich bietet die US-amerika-
nische Agentur R/GA. Sie „crowdsourc
te“ Vorstellungsgespräche, indem sie
auf den Facebook-Pinnwänden vorse-
lektierter Bewerber einige Fragen über
derenFähigkeitenpostete, umein authen-
tisches Feedback von deren Freunden
zusammenzutragen. Auch Plattformen
wie advisemejobs.com zeigen, wohin
die Reise gehen könnte: Nicht Einzel-
ne fahnden nach den klügsten Köpfen,
sondern ein ganzes Netzwerk vermittelt
passende Kontakte. Daher weist Claudia
Pelzer vom deutschen „Crowdsourcing“-
Verband auf ihrem Blog darauf hin, dass
in Zukunft die „Crowd“ den Job des Per-
sonalers übernehmen könnte.
„Crowdsourcing“ als Sparmaßnahme?
Teilweise begehen viele Unternehmen
aber den Fehler, „Crowdsourcing“ für
eine kostengünstige Methode zu halten.
Sie verkennen dabei den Organisati-
onsaufwand. So geriet IBM vor einigen
Monaten in die Schlagzeilen, als der
„Spiegel“ von einem internen Papier
berichtete, wonach das Unternehmen
die Beziehung zu seinen Arbeitskräften
radikal verändern wolle. Der Konzern
solle künftig nur noch von einer kleinen
Kernbelegschaft geführt werden und al-
lein in Deutschland bis zu 8.000 Stellen
streichen. Spezialisten und Fachkräfte
hingegen wolle IBM auf einer eigens ge-
gründeten Internet-Plattform anwerben.
Was auf den ersten Blick wirkt wie ef-
fiziente Kostenverschlankung, kann für
Unternehmen Nachteile haben. Der Ver-
such, sich die Rosinen aus dem Kuchen
zu picken, könnte schnell zum Abwan-
dern der Fachkräfte-Community führen
– und zwar dorthin, wo lukrativere An-
gebote winken. Doch „Crowdsourcing“
ohne Community funktioniert nicht. Bei
näherem Hinsehen zeigt sich zudem,
dass IBM hier versucht, alten Wein in
neue Schläuche zu gießen: Bereits 1991
wurde das Unternehmen für die Einfüh-
rung von Telearbeitsplätzen als Spar-
maßnahme kritisiert.
Deutsche Unternehmen trauen der
„Crowd“ noch nicht viel zu, abgesehen
von Wettbewerben oder Werbeideen. Im
Personalbereich findet „Crowdsourcing“
daher vor allem im Personalmarketing
statt – mit unterschiedlichem Erfolg. So
hatte das Online-Portal Immobilienscout
24etwadieKreationeinerKampagne zum
Personalimage ausgeschrieben. Dabei
ging es vor allem darum, auf einen Hype
aufzuspringen. Diesen Eindruck ver-
mittelt zumindest die Pressemitteilung,
wonach Lars Schmidt, Vice President
Human Resources von Immobilienscout
24, sagt, er hoffe darauf, dass sich auf
diese Weise nicht nur der Wettbewerb
selbst herumspricht, sondern bereits
die Kreation der Kampagne auf die Em-
ployer-Branding-Maßnahmen einzahle.
Ein weiteres Beispiel für „Crowdsour-
cing“ bietet der Versandhändler Otto.
Das Unternehmen suchte per Modelwett-
bewerb auf Facebook sein Facebook-Ge-
sicht und fand Brigitte, einen als Frau
Von
Simone Janson, Karsten Wenzlaff
und
Jörg Eisfeld-Reschke
S
pätestens seit der Plagiatsaffäre
um Karl-Theodor zu Guttenberg
ist eine Arbeitsform immer mehr
in die Öffentlichkeit gerückt, die
das Zusammentragen umfangreicher In-
formationen erst ermöglichte: Das soge-
nannte „Crowdsourcing“. Doch was ist
darunter zu verstehen, und wie können
es Personaler erfolgreich nutzen?
Der Begriff selbst wurde 2006 erst-
mals von Jeff Howe in einem Artikel
des Technikmagazins „Wired“ erwähnt.
Seitdem hat er sich mehr und mehr eta-
bliert und synonym verwendete Begriffe
wie Schwarmauslagerung verdrängt.
Die neue Wortschöpfung setzt sich aus
„Crowd“ und „Outsourcing“ zusammen.
Es beschreibt den Prozess der Auslage-
rung von Arbeits- und Kreativprozessen
sowie gleichermaßen die Einlagerung
von Wissen, Kapital und Zeit aus der
„Crowd“ in eine Organisation. Dabei un-
terscheidet man zusätzlich in
• Crowdfunding: Die Community finan-
ziert gemeinsam ein Projekt,
• Co-Creation: Die Community erschafft
gemeinsam ein kreatives Werk,
online
Wie sich Arbeits- und Organisations-
prozesse verändern, beschreibt der
„Crowdsourcing“-Report 2012. Er kann
gegen Entgelt bestellt werden unter
crowdsourcing-report-2012/
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