10 / 12 personalmagazin
13
Bei Fragen wenden Sie sich bit te an
Und gleichzeitig die richtige fachliche
Ausbildung mitbringen. Zwar erhalten
alle Formel-1-Teams körbeweise Zu-
schriften von Motorsportbegeisterten,
aber die richtigen Leute mit der richtigen
Einstellung sind nur schwer zu finden.
Das gilt insbesondere für das jungeMa
russia-Team, das erst zwei Rennsaisons
bestritten hat und sich daher noch in der
Lernphase befindet. Formel-1-Punkte
sind bislang noch nicht abgefallen, aber
das sollte sich bald ändern, so die Hoff-
nung von Sportdirektor Graeme Lowdon.
Um diese Hoffnung Wirklichkeit werden
zu lassen, setzen er, CEO Andy Webb
und Teamchef John Booth auf eine Re
cruiting-Strategie, die auf einer Koope-
ration mit dem Stellenportal Monster
basiert. Das heißt, die Vakanzen werden
weltweit bei Monster ausgeschrieben,
und interessante Bewerber werden über
die Talent Management Suite des Karri-
ereportals ausgewählt (siehe Interview).
Denn das stark wachsende Team benö-
tigt Mitarbeiter in ganz verschiedenen
Bereichen, etwa im Marketing, der Ver-
waltung, im Business Development und
für Social Media. Selbst Toppositionen
wie Aerodynamiker, Senior-Design-Engi-
neer und Junior-Techniker wurden über
die Jobbörsen ausgeschrieben. Über
1.500 Bewerbungen sind mittlerweile
über diesen Weg eingegangen. Ein gutes
Dutzend Positionen konnte das Marus-
sia-Team inzwischen via E-Recruiting be-
setzen. Und nicht nur bei der Einstellung
von Matthew Dickensen hat es echte
Formel-1-Qualitäten bewiesen, was die
Time-to-Hire betraf.
personalmagazin:
Viele Leute wären
begeistert, bei der Formel 1 zu arbeiten.
Weshalb setzen Sie eine Jobbörse ein?
Graema Lowdon:
Viele Menschen denken,
sie würden gern für die Formel 1 arbei-
ten, aber sie sehen nur den Glamour. Die
Realität ist: Ein Formel-1-Team ist in ers
ter Linie ein Team. Wir sind ein recht
kleines mit knapp über 200 Mitarbei-
tern. Aber wir beschäftigen die gesamte
Bandbreite von Ingenieuren, Designern,
Marketingexperten et cetera. All diese
Menschen müssen im Team zusammen-
arbeiten. Deshalb ist es extrem wichtig,
sicherzustellen, dass wir zur richtigen
Zeit die richtigen Mitarbeiter finden.
personalmagazin:
Welche Bedeutung
kommt dem Zeitfaktor zu?
Lowdon:
Das ist die entscheidende Größe.
Wenn wir zu einem Renntermin nicht
die passende Zahl an Mechanikern oder
Ingenieuren haben, können wir nicht zu
den Organisatoren gehen und fragen, ob
das Rennen um eine Woche verschoben
werden kann. Das geht einfach nicht.
Deshalb darf es in unserem Recruitment
keinen Freiraum für Fehler geben. Zwar
gibt es viele Ingenieure, die in der For-
mel 1 arbeitenwollen. Aber wir brauchen
genau diejenigen, die alle erforderlichen
technischen Qualifikationen mitbringen,
die auf den besten Unis weltweit waren,
die sowohl akademische Fähigkeiten als
auch praktische Erfahrung mitbringen,
die aber auch in unsere Kultur und zu
unserer Einstellung passen. Dabei kann
uns Monster helfen, indem sie uns pas-
sende Bewerber zur Verfügung stellen.
Denn wir haben nur die eine Chance pro
Rennen. Da müssen alle Mitarbeiter von
vornherein genau die richtigen sein.
personalmagazin:
Wie viele Bewerbungen
erhalten Sie auf eine Stellenanzeige?
Lowdon:
Sehr viele. Das hängt von der
Stelle ab und reicht von hundert bis zu
Tausenden. Die Recruitment-Software
von Monster übernimmt das erste Aus-
filtern derjenigen Bewerber, die für die
jeweilige Position überhaupt nicht ge-
eignet sind. Der Vorteil dieser Zusam-
„Kein Freiraum für Fehler im Recruiting“
Interview
Bei einem Rennen müssen alle Mitarbeiter ihr Bestes geben. Wie wichtig es ist, dass
genau zu diesem Zeitpunkt die richtigen Leute an Bord sind, erläutert der Sportdirektor.
Das Interview führte
Daniela Furkel
.
menarbeit ist, dass wir keine eigenen
Software-Kenntnisse imHaus benötigen.
personalmagazin:
Wie wichtig sind Mitar-
beiterempfehlungen in der Formel 1?
Lowdon:
Die Formel 1 ist zwar global
aufgestellt, aber sie ist auch eine ge-
schlossene Gesellschaft. Alle, die wir
in Hockenheim sehen, sehen wir eine
Woche später in Ungarn wieder. Das
Netzwerk ist eng geknüpft, deshalb ist
es gut, eine Empfehlung von jemandem
zu bekommen, dem man vertraut. Aber
gleichzeitig muss man sich alle Optionen
offenhalten. Wir müssen alles tun, um
die besten Leute zu bekommen.
personalmagazin:
Aber Ihre Fahrer haben
Sie bislang noch nicht online rekrutiert?
Lowdon:
Nein, das ist der einzige Bereich,
der so spezialisiert ist, dass E-Recruiting
nicht möglich ist. Hier setzen wir auf
Nachwuchs aus unserem GP3-Team.
Graeme Lowdon
ist Präsident und
Sportdirektor des
Formel-1-Teams
Marussia, das 2009
gegründet wurde.