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Titel
_
randbelegschaft
Bei Fragen wenden Sie sich bit te an
D
ie Aufregung war groß, als im
Frühjahr dieses Jahres das
Handelsblatt davon berichtete,
dass IBM alleine in Deutsch-
land 8.000 Stellen abbauen möchte. Die
schiere Zahl sorgte für Empörung. Über-
raschend für viele war jedoch, dass IBM
dieseKräfte–zumindest zueinemgroßen
Teil – weiterbeschäftigen würde, aller-
dings unter anderen Bedingungen: als
freiberufliche Spezialisten. Das Konzept
von IBM sehe vor, so die Informationen
von Spiegel-Online, dass die reduzierte
Stammbelegschaft ein Heer an Subun-
ternehmern je nach Bedarf und Projekt
über technische Plattformen beauftragt
und organisiert. Das Ergebnis wäre ein
grundlegend verändertes Arbeitsmodell
mit schlanker Kern- und weit gefächer-
ter Randbelegschaft, mit offenen und
hyperflexiblen Strukturen.
IBM: „Crowdsourcing“ als Modell
Tatsächlich verfolgt IBM diesen Gedan-
ken schon länger. Bereits im April 2010
dachte der damalige IBM-Manager Tim
Ringo über sogenanntes „Crowdsour-
cing“, also das Auslagern bestimmter
Aufgaben und Prozesse an eine unbe-
stimmte Personengruppe, als neue und
innovative Arbeitsform nach (lesen Sie
mehr zu diesem Konzept auf Seite 24).
Im Interview mit Personnel Today hielt
er es für möglich, bis 2017 die damals
rund 400.000 fest angestellten Mitarbei-
ter weltweit auf lediglich 100.000 zu re-
duzieren. Der weit überwiegende Teil der
freigesetzten rund 300.000 würde dann
Von
Michael Miller
(Red.)
als Subunternehmer oder Freiberufler
bedarfsorientiert für IBM arbeiten.
Die konkreten Überlegungen von IBM
im Jahr 2012 sind ein Zeichen, dass Rand-
belegschaften längst als strategischer
Hebel gesehen werden und Unterneh-
men sich von einem verkleinerten Kern
Vorteile versprechen. Selbstständige
sind in Unternehmen lange bekannt,
auch die Zeitarbeit ist zwischenzeitlich
weit verbreitet. Zuletzt nutzten Unter-
nehmen vermehrt Subunternehmer via
Dienst- und Werkverträge, die mit ihren
Mitarbeitern selbstständig Aufgaben
im Betrieb übernehmen, die vorher von
Festangestellten erfüllt wurden.
Auch das Beispiel Flughafen Berlin-
Brandenburg verdeutlicht die Tendenz,
dass sich externe Mitarbeiter etablieren
und ein kleiner werdender Mitarbeiter-
stamm sich größeren Randbelegschaf-
ten gegenübersieht. Künftig arbeiten in
der Wirtschaftseinheit „Flughafen“ cirka
18.000 Menschen. Gerade mal acht Pro-
zent hiervon werden bei der Betreiberge-
sellschaft Flughafen Berlin Brandenburg
GmbH fest angestellt sein. Dagegen wer-
den weite Teile der Beschäftigten am
Flughafen Leiharbeiter sein oder beauf-
tragte Subunternehmer, deren Mitarbei-
ter auf dem Rollfeld flexibel – je nach
Verkehrsaufkommen – eingesetzt wer-
den. Dazu kommen noch auf dem Areal
ansässige Kleinunternehmen.
Nicht nur Kosten sind entscheidend
Ein Vorteil des IBM-Systems liegt auf
der Hand. „Es gäbe keine Kosten für
Gebäude, Renten oder Gesundheit, was
enormes Einsparpotenzial bietet“, sagte
Geregelte Bahnen
trend.
Zeitarbeiter oder Subunternehmer einzusetzen, ist mittlerweile etabliert.
Oft ist der Grat zwischen rechtlichem Risiko und sinnvollem Nutzen aber schmal.
Der Einsatz externer
Kräfte ist mit öko-
nomisch und rechtlich
kniffligen Fragen
verbunden. Hier sind
Personaler gefordert.