Immobilienwirtschaft 1/2026

Wie es weitergeht? „Wichtig ist mir, den GdW weiterzuentwickeln, die Mitgliedsunternehmen für neue Themen zu öffnen im technischen und vor allem im KI-Bereich“, meint sie. Und was ist mit ihrem Ausstieg? GESTAFFELTER AUSSTIEG Der Vorstand habe sich darauf geeinigt, dass es gut sei, wenn der gestaffelt geschehe. „Axel Gedaschko dürfte Ende 2027 gehen, ich habe einen Vertrag bis Mitte 2029.“ Gibt es schon Gedanken daran, was sie dann tun wird? Das Thema Alter verdränge sie noch. Dass Golfspielen jetzt schon ihre große Leidenschaft ist und sie sich freut, dass ihr Sohn das auch tut, weiß jeder, der sie ein bisschen kennt. Auch dass sie Reisen mag, besonders in ferne, warme Länder. Und dass sie ihren Garten liebt, gerne grillt, mit Nachbarn feiert. Aber nur golfen, reisen, feiern? Sie kann sich vorstellen, als Rentnerin noch einmal zu studieren, vielleicht Geschichte oder Künstliche Intelligenz. Schon jetzt mache es ihr großen Spaß, es aktiv zu begleiten, wenn die Wohnungswirtschaft auf innovative Themen trifft. Das öffne ihr Denken. Es könnte sein, dass sie nach ihrer aktiven beruflichen Laufbahn das Schreiben beginnt. So viel habe sie etwa über den Niedergang der Neuen Heimat gelernt, darüber, wie dieser gewerkschaftseigene Konzern über den Größenwahn der Oberen gestürzt sei, dass sie locker darüber ein Kriminalstück verfassen könne. Ich weiß, das würden sicher viele gerne lesen, und somit möchte ich Sie, Frau Esser, mit Veröffentlichung dieser Zeilen unter einen gewissen Zugzwang setzen! Eine Eigenschaft, die sie immer wieder betont, ist ihre Lust, Neuland zu entdecken. Das passt ja: Gerade hat sie den Bootsführerschein gemacht. Sie spricht über ihre Arbeit, die sie liebt. Wenngleich sie das der Wohnungswirtschaft zugrunde liegende Geschäftsmodell nicht als superspannend empfindet. Langfristig, extrem valide, nicht krisengetrieben, wenig sexy. Hatte sie nie den Wunsch nach einem Berufswechsel? Sie verneint. Es sei nicht einen Tag langweilig gewesen. Und sie erzählt von ihren großen beruflichen Herausforderungen, der Abschaffung der Wohngemeinnützigkeit etwa. Über nächtliche Gespräche mit einem Vertreter aus dem Bundesfinanzausschuss. Sie erzählt von der Überführung der ostdeutschen Wohnungswirtschaft in den westdeutschen Rechtsrahmen. Sie habe dabei extrem viel mitarbeiten können, etwa beim Altschuldenhilfegesetz. Es sei auch um Prüfungsthemen rund um die Bewertung in der Eröffnungsbilanz gegangen. Es habe intensive Verhandlungen mit der Treuhandanstalt gegeben. „Dann kam die erste Leerstandswelle in Ostdeutschland, die Abrissförderung.“ Und später das Eigenheimzulagengesetz, das endverhandelt wurde. Mit dabei: der damalige Bundesbauminister Töpfer, Jürgen Steinert, Staatssekretärin Thoben. Ingeborg Esser sollte auch dazukommen. Aber sie war im Mutterschutz. Doch der galt zu dieser Zeit wohl nicht viel. „Wird schon gehen“, soll Jürgen Steinert gesagt haben. „Und dann saß ich da und hatte Angst, dass ich gleich ein Kind kriege.“ Aber das Kind kam später. Es wurde im Kölner Dom getauft. „Kann also noch Prinz Karneval werden“, sagt sie im zarten österreichischen Dialekt. Ihre fachliche Expertise wird groß sein. Trotzdem: Ingeborg ist nun mal nicht Immanuel, und so ist ihr Erfolg immer auch der Erfolg einer Frau. Der steht in einem gewissen Gegensatz zur Frauenförderung in Mitgliedsunternehmen, stellt Esser bedauernd fest. Gerade die Unternehmen in Ostdeutschland seien vormals gut dabei gewesen. Das habe sich jedoch wieder gedreht. „BEI DER FRAGE, OB FRAUEN BESONDERS GEFÖRDERT WERDEN MÜSSEN, WAR ICH BISHER EHER ABLEHNEND. MIT BLICK AUF DIE ENTWICKLUNG IN VIELEN MITGLIEDSUNTERNEHMEN MUSS ICH DIESE HALTUNG JEDOCH ETWAS REVIDIEREN.“ 1 ZUKUNFT? So könnte eine neue Autorin von Kriminalstücken aussehen 2 WELTOFFEN Als weltoffener Mensch scheint sie die Rückkehr zu Nationalismen besonders stark zu bedauern 2

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