31 · Immobilienwirtschaft · 01 / 2026 mand macht BIM, nur weil es gut aussieht“, ergänzt Schunter. Dazu kommt, dass die BIM-Einführung aus unternehmerischer Sicht einen großen Aufwand darstellt und oft vor allem als Kostenfaktor wahrgenommen wird, weil sich der Nutzen erst langfristig einstellt. ES GEHT AUCH OHNE GRAFIK Vielleicht liegt die BIM-Zurückhaltung aber auch an einem grundlegenden Missverständnis. BIM wird nach wie vor meist mit möglichst beeindruckenden 3D-Modellen illustriert, obwohl die Methode in erster Linie weder eine Zeichnung noch ein Gebäudemodell ist. BIM kumuliert Bau- und Planungsdaten, stellt allen Beteiligten den jeweils aktuellen Planungsstand zur Verfügung und kann gänzlich ohne Grafik auskommen. Außerdem kann es sinnvoll sein, auch den Bestand mit BIM zu erfassen, denn BIM liefert neben einer Informationsbasis für Sanierungsprojekte auch ein Materialkataster für den Rückbau und die Wiederverwertung. Das ist im Kontext von ESG relevant und wäre eine mögliche Motivation, BIM doch mal genauer anzuschauen. „Aus unserer Sicht rechnet sich BIM überall dort, wo es als Open-BIM-Datenstrategie über den gesamten Lebenszyklus genutzt wird“, sagt Sam Rafati, Geschäftsführer der FSP Consulting, an seinem Messestand. Denn die Wirtschaftlichkeit von BIM bestehe nicht im Modell allein, sondern in reduzierten Betriebs-, Instandhaltungs- und Steuerungskosten auf Basis der Daten, die das Modell vorhält. Der größte Mehrwert von BIM liegt also im Betrieb. „Die Daten ermöglichen der Wohnungswirtschaft effiziente Wartungsprozesse, Transparenz in der Be1 BIM-LIVE Ein großes Schweizer Klinikum ließ sein gesamtes Areal einschließlich aller Gebäude in Punktwolken aufnehmen und zu BIM-Modellen verrechnen, um diese mit GIS-Karten und Geländeschnitten integriert darzustellen treiberverantwortung, und sie bilden die Grundlage für Digitalisierung von CAFM über ESG-Reporting bis zu strategischen Investitionsentscheidungen“, umreißt Rafati das mögliche Nutzungsspektrum. KOLLISIONSPRÜFUNG FÜR ALLE MODELLE Ein Problem gibt es allerdings noch, um ein aussagefähiges BIM-Modell zu bekommen: Ein Bauprojekt umfasst in der Regel mehrere BIM-Teilmodelle. Das für die Datenspende in der Betriebsphase relevante BIM-Modell ist aber das Federation-Modell. Es führt die Teilmodelle von Architekten und unterschiedlichen Gewerken zu einem integrativen Gesamtmodell zusammen. Damit das funktioniert, müssen alle Teilmodelle in der gleichen Weise attribuiert, frei von Informationslücken und frei von Kollisionen sein. Auch die Raumbezüge von Objekten sind im BIM-Modell sicherzustellen, damit nicht später Bauteile frei im Off herumschweben. Hierfür ist eine eindeutige Vorgabe der erwarteten Dateninhalte und -strukturen bereits in den AIA erforderlich. All diese Aspekte sind von einem BIM-Manager während der Bauarbeiten konstant zu überwachen und im Bedarfsfall nachdrücklich einzufordern. Helfen kann hierbei seit Kurzem die DIN SPEC 91555 (s. Kasten „Ein Excel-Sheet als BIM-Helfer“), die unter anderem solche Fragen adressiert und deren Vorstellung einer der interessantesten Vorträge auf der BIM World Munich war. Womit die Messe zeigte: Es ist wirklich längst schon da, was man rund um BIM braucht. Jetzt wäre es an der Zeit, produktiv damit zu arbeiten, auch wenn sich der logistische Benefit und die finanziellen Einsparungen erst über die Zeit einstellen. 1
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