Immobilienwirtschaft 1/2026

30 · Immobilienwirtschaft · 01 / 2026 Schwerpunkt Die Immobilie 4.0 flanierte. Das ist schade, denn so entging den meisten Messebesuchern, dass es mit speedikon VIP eine Anwendung gibt, die praktisch sämtliche grafischen Daten von GIS-Karten, Google Maps und OpenStreetMap über CAD-Zeichnungen und BIM-Modelle bis zu Fotos und Punktwolken in einem einzigen Modell integriert, dabei verzerrte Fotos automatisch ausrichtet, aus den Fotos auch Punktwolken generieren kann – interessant für die Darstellung von Dächern, die in der Regel nicht gescannt werden können – und alles auf den Millimeter genau gleich platziert, womit es sogar möglich wird, in einer fotografischen Darstellung präzise zu messen. BIM IN DER PRAXIS WEITERHIN RAR Damit ist BIM in Deutschland technisch angekommen. In der Anwendung hapert es aber nach wie vor. Und noch viel mehr in der Umsetzung – auch in der Wohnungswirtschaft. Von fünf für die Recherche befragten Unternehmen antworteten lediglich zwei, und eines davon sieht keinen Bedarf für BIM. Der Grund: „Da BIM aus unserer Sicht in erster Linie im Segment Neubau zum Einsatz kommt, gibt es vor diesem Hintergrund bei uns zurzeit keinen Bedarf, BIM zu nutzen, sodass es für uns nicht relevant ist“, sagt Mischa Lenz, Pressesprecher der LEG Immobilien Gruppe. Bei der Vonovia schaut es anders aus: „Ja, wir treiben das Thema BIM aktiv voran“, versichert deren Pressesprecher Marc Friedrich. Die Methode sei ein zentraler Bestandteil im Rahmen der Digitalisierung von Bau- und Immobilienprozessen und werde insbesondere bei der Planung und Umsetzung von Bauprojekten genutzt, um die Effizienz und Qualität der Prozesse zu steigern. BIM ermöglicht es, alle relevanten Daten eines Bauvorhabens in einem digitalen Modell zu bündeln und so die Zusammenarbeit zwischen den Projektbeteiligten zu verbessern. „Neben der Planung setzen wir BIM auch für die Kostenkalkulation und Bauüberwachung ein, da wir durch die digitale Modellierung jederzeit genaue Mengen- und Kosteninformationen zur Verfügung haben. Zudem schafft der Einsatz von BIM die Basis für eine moderne und nachhaltige Bewirtschaftung unserer Bestandsobjekte“, unterstreicht Friedrich den Wert von BIM. Dass die Adaptation von BIM hierzulande trotzdem hinkt, dürfte an einem systematischen Versäumnis liegen: „Es sind so viele Baustellen vorgelagert, die noch auf dem Zettel stehen, dass BIM bei vielen Stakeholdern aktuell keine wirkliche Rolle spielt“, erklärt Andreas Schunter, Geschäftsführer des Beratungshauses solreco. Allerdings gebe es einige Wohnungsbauunternehmen und Projektentwickler, die mit der Methode ihre Bauplanung begleiten, um Kosten einander gegenüberzustellen und ihre Kalkulation auf ein möglichst solides Fundament zu stellen. „Der Ansatz hier ist planungsgetrieben – nieEin Excel-Sheet als BIM-Helfer Auf der BIM World Munich 2025 wurde die fertige DIN SPEC 91555 vorgestellt. Die Spezifikation unterstützt die Datenaufnahme und -übergabe aus BIM-Modellen in CAFM-Systeme. Hierfür wurden von der Arbeitsgruppe acht Klassen definiert. Sie basieren auf IFC 4.0 und CAFM-Connect. Weitere Klassifizierungssysteme wie ECLASS, Omniclass, Uniclass, die DIN BIM Cloud, DBD BIM, die VDI 3805 oder Systeme, die in anderen Ländern als Standard eingesetzt werden, können ergänzt werden. Ziel ist, dass die Attribuierung jedes Bauteils und jedes Elements, das im BIM-Modell für Facility Management relevant ist, für den Betrieb eindeutig gekennzeichnet ist. Übernommen werden mittels DIN SPEC 91555 ausschließlich alphanumerische Daten. Grafiken sind nicht Inhalt der Spezifikation. Die DIN SPEC 91555 ist ab sofort beim DIN selbst kostenlos verfügbar. BIM als Prognose-Werkzeug Ein großes Schweizer Klinikum ließ sein gesamtes Areal einschließlich aller Gebäude in Punktwolken aufnehmen und zu BIM-Modellen verrechnen, um diese mit GIS-Karten und Geländeschnitten integriert darzustellen. Anschließend wurden alle Gebäude in ihrer Substanz und Nutzung bewertet und klassifiziert, um bestimmen zu können, welche Gebäude renoviert, welche saniert und welche abgerissen werden sollten. Einbezogen wurde auch der demografische Wandel, um Themen wie Umnutzung, optimierte Versorgungswege und Reduktion von Abteilungen vorhersagen zu können. Mit den Daten erhielten die Verantwortlichen ein umfassendes Bild möglicher Entwicklungen und konnten flexibel passende Antworten finden. Die Aufnahme der Punktwolken, ihre Aufbereitung zu BIM-Modellen und deren Integration in das Kartenmaterial erfolgten durch die Spezialisten von bim-plat aus Erding. Statistisch ist BIM schon aktiv Building Information Modeling ist im Vorwärtsgang, auch in Deutschland. Ein Rennwagen ist es aber nicht, wenn es nach der jüngsten Erhebung des Branchenverbands der deutschen Informations- und Telekommunikationsbranche geht – besser bekannt als Bitkom. Die im September 2025 veröffentlichten Zahlen zeigen, dass mit 56 Prozent mehr als die Hälfte der 504 Befragten aus Handwerksunternehmen Chancen für BIM in der Baubranche sieht. 15 Prozent planen die Einführung entsprechender Software für die Zukunft. 18 Prozent der Unternehmen im Bau- und Ausbaugewerbe nutzen entsprechende Anwendungen bereits. Auch Software-Anbieter Planradar (siehe Grafik Seite 28) hat Unternehmen aus dem Bausektor befragt, in diesem Fall Architekten, Planer, Bauunternehmen, Bauträger und Projektentwickler. Hier liegt Deutschland mit 70 Prozent Abdeckung auf Platz zwei, hinter Großbritannien mit 80 Prozent und vor Frankreich mit 60 Prozent.

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