Immobilienwirtschaft 3/2026

73 · Immobilienwirtschaft · 03 / 2026 entsprechenden Boni, argumentiert Wölfle. Gegenüber den vielen kleinteiligeren Wohnungseigentümergemeinschaften gelte es, so Wölfle, die Kommunikation zu intensivieren und die zu erbringenden Leistungen – inklusive des hohen Guts Rechtssicherheit – in den Beschlüssen offensiver zu vermitteln. Jede dieser WEG habe spezielle Fragen, daher müssen sie laut Wölfle auch individuell abgeholt werden. Was das an Zeit, Expertise und Kosten verursacht, müsse dann transparent an die Eigentümer weitergegeben werden. Wölfle: „Drei Stunden im Rahmen von Sonderleistungen über eine neue Form des Angebots reden bringt am Ende für Verwalter und WEG den besten Ertrag.“ Der IVD Nord warnt in seiner jüngsten Pressemitteilung davor, die Problematik der strukturellen Herausforderungen für Hausverwaltungen als reines Branchenthema zu betrachten. Die zunehmende Überlastung der Verwaltungen führe bereits heute dazu, dass Bestände selektiv abgebaut oder Mandate nicht mehr übernommen werden. Diese Entwicklung werde laut IVD Nord für Eigentümer erhebliche Folgen haben und sich spürbar auf den Immobilienmarkt insgesamt auswirken – angefangen bei wachsenden Sanierungsstaus über steigende Kosten bis hin zu einer sinkenden Investitionsbereitschaft privater Eigentümer. Auch Mieter seien von dieser Entwicklung betroffen, da neue Objekte ebenso auf leistungsfähige Verwaltungen angewiesen seien. Vorerst wird die klassische Vergütungspraxis mit Grundhonorar plus Sondervergütungen noch bei ca. 95 Prozent aller Verwaltungen angeboten, maximal fünf Prozent der VDIV-Mitglieder wenden das Preismodell mit Pauschalangeboten aktuell an, sagt Kaßler. Die Umsetzung der Vergütungsregeln im Paketpreis, ob Basis-, Medium- oder Premiumtarif, bleibt zunächst komplex und ist ein möglicher Weg für Neukunden. „Es entsteht ein konsistentes System, wozu maßgeblich die Vergütung gehört, die über Priorisierung von Ressourcen, Investitionsfähigkeit in Digitalisierung, Qualität der Betreuung, Personalstruktur sowie Skalierbarkeit der Organisation entscheidet“, sagen die Befürworter dieser Lösung. Marco Wölfle betrachtet dieses System lediglich als weitere Marketingoffensive, um Mehrerlöse zu generieren. VDIV-Verbandschef Martin Kaßler erwartet zumal bei Neukunden einen klaren Schub hinsichtlich Zufriedenheit und Umsatzsteigerungen. Beide Seiten, Wohnungseigentümer wie Immobilienverwalter, könnten profitieren. Das in den Anfängen stehende Preissystem bräuchte allerdings noch notwendige Entwicklungsschritte, räumt Kaßler ein. Grundvoraussetzungen sollten die flexible Anpassung und größtmögliche Transparenz sein. rung von 14 Prozent 2025. Die Kundenakzeptanz sei aufgrund der Bedürfnisorientierung hoch, er vergleicht das psychologisch auch mit der Bedürfnispyramide von Menschen (nach Maslow). ES GIBT ALLERDINGS AUCH SKEPTIKER Prof. Marco Wölfle, akademischer Leiter des Center for Real Estate Studies (CRES), sieht die Honorierung durch Paketlösungen eher skeptisch. Sie sei bestenfalls geeignet für große WEG mit 500 Wohneinheiten aufwärts, verwaltet von Unternehmen, die selbst inhouse Verwalterkompetenz hätten und sich so sehr gezielt einzelne Lösungen externer Dienstleister dazukaufen könnten – noch dazu aufgrund der schieren Größe mit Paketmodell: Beispiel für die diversen Leistungsstufen Ein Beispiel: Paketbezogener Leistungsumfang (S / M / L) Quelle: vdiv Leistung Basis (S) Komfort (M) Premium (L) Abrechnungserstellung Wirtschaftsplanerstellung Laufende Pflege der ET-Daten Vorbereitung Beschlüsse für ETV Protokollerstellung nach ETV Rechnungsbezahlung Aufnahme Rahmenvertrag Strom/Gas Einladung zur ETV Schadenmeldung Versicherung – Schadenbearbeitung / Abstimmung Versicherung – Begleitung größerer Versicherungsschäden – – Angebotseinholung – Auftragsvergabe Angebot – Durchführung ETV online – Durchführung ETV (Präsenz/Hybrid) – – 1 Ortstermin p.a. – 1 Belegprüfung p.a. – Laufende Instandhaltung durchführen – Unterstützung des Verwaltungsbeirats – 1 Beiratstermin p.a. – Überwachung Einhaltung Hausordnung – –

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