Immobilienwirtschaft 3/2026

58 · Immobilienwirtschaft · 03 / 2026 genz. Immerhin hat sie seinerzeit das beste Bankenexamen gemacht. Sind die Menschen, mit denen sie zusammenarbeitet, klug, ist dies nicht von Makel. Ein kenntnisreicher Aufsichtsrat so wie jetzt, bei der Bayern LB, sei das Höchste. Wenn auch keinesfalls selbstverständlich. Christine Bernhofer wirkt pragmatisch. Eröffnet schon mal selbst Konten, besorgt dann „diese Nummern“, wenn Corona-bedingt sonst niemand da ist. Sie ist kommunikativ. Wenn sie sagt, zur Bafin habe sie das beste Verhältnis, liegt es daran, dass sie mit dieser immer offen kommuniziert habe. Gerade in den 2008er Monaten hätte jene Bafin von der Schließung von Fonds, die die Rücknahme aussetzen mussten, oft aus der Presse erfahren. „Das kannst du nicht machen. Es geht um simpelste Höflichkeit und Anstandsregeln“, sagt sie, „und so habe ich sie halt informiert, habe jeden Tag angerufen, den Wasserstand angezeigt.“ Auch deshalb vertraut man einander jetzt. ALS FRAU NIE BENACHTEILIGT. ECHT JETZT? Sie hat eine fast schelmische Art, etwas zu erzählen. Wenn sie sagt, sie sei als Frau eigentlich nie benachteiligt worden – Männlein und Weiblein hätten im Grunde die gleichen Chancen gehabt auf einen Job –, schiebt sie drei Minuten später nach, dass die Bezahlung natürlich eine andere gewesen sei. Und dann fällt ihr auch noch ein, ihr Geschäftsführer-Kollege, ähnlich qualifiziert wie sie, aber männlich, sei seinerzeit bei der Bafin nicht gegrillt worden. Klugheit kann einsam machen. Aber das kann ich mir bei Christine Bernhofer nicht vorstellen. Ihr Mann hat mal gesagt, es gebe immer einen Grund, alle einzuladen. Diese Einstellung findet sie gut, das merke ich. Sie hat erlebt, wie wichtig andere Menschen sind. Ohne ihre Kolleginnen und Kollegen wäre sie damals bei der Meag untergegangen. Als der, der sie holte, gehen musste, hatten die Kollegen Sorge, sie müsse auch gehen. Zauberten dann ganz schnell ein Programm für sie, das sie vorzeigen sollte, wenn jemand sie frage, was sie denn so mache. Zwei Tage später sei dann ihr Chef ins Zimmer gekommen und habe sie gefragt, was sie denn so mache. Sie durfte bleiben. Ihr Netzwerk bezeichnet sie als nicht Der Aufsichtsrat wollte damals die Innenrevision von den USA aus machen. Sie solle doch mal bei der Bafin anrufen und das vorschlagen. Sie wusste, dass das nicht geht, rief aber trotzdem an und blamierte sich ein bisschen. Denn eine Ausnahme vom Gesetz gibt es ja nicht. Ja mei, sie sei damals aber auch noch ziemlich jung gewesen. GRILLEN IST SCHÖN. GEGRILLT WERDEN WENIGER Ihrer Jugend wegen hatte der Herr von der Bafin sie bei ihrer ersten Begegnung denn auch misstrauisch betrachtet. Man wollte rausfinden, ob sie tauglich sei, Geschäftsführerin bei TMW Pramerica zu werden. Details in Rechnungslegung, Risikomanagement, Rückstellungen – stundenlang sei sie damals gegrillt worden, letztlich ging es aber gut aus. Bernhofer ist nahbar. In ihrem Leben verlief nicht alles nach Plan. Eigentlich so wie bei mir, kann sich jeder sagen, der mit ihr spricht. Und schon ist die Ebene ähnlich. Wenn sie von Bachblüten spricht, wenn sie sagt: „Ich komme vom Land“, gleicht sie meiner Nachbarin. Aber sie ist Vorsitzende des Vorstands der Real I.S. Group, des Fondsdienstleisters der BayernLB. Keine Bauernschläue, nicht nur lebenserfahren, sondern auch eine beurkundete akademische Intelli1 BLICK NACH OBEN „Geschäftsführerin wäre schon mal schön“, hat sie schon in jungen Jahren ihrem Mentor gesagt 2 KREIS SCHLIESST SICH Die CEO- Position bei der Real I.S. bezeichnet sie heute als ihre letzte berufliche Station 1 IHR POKER-TALENT HAT IHR GEHOLFEN. IM EXAMEN BEREITETE SIE SICH NUR AUF DIE WAHLFRAGEN VOR, DIE KAMEN DRAN. PASST NICHT – SONST KÖNNTE MAN GLATT „BINGO“ SAGEN.

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