Immobilienwirtschaft 3/2026

49 · Immobilienwirtschaft · 03 / 2026 Paula S. (40)*, Gewoba-Mitarbeiterin aus Bremen, wollte schon lange zur Hautkrebsvorsorge. Für gesetzlich Versicherte zahlen das die Krankenkassen alle zwei Jahre. Ihr Problem: Sie bekommt keinen Termin, höchstens als Selbstzahlerin. Ein Beispiel, das zeigt, wie schwierig Prävention im Alltag ist. Genau hier setzt die Gewoba seit 2014 mit einem strategischen Ansatz an. Sie bietet jährlich wechselnde Gesundheitsprogramme an, die sich niedrigschwellig an den Bedarfen der Mitarbeitenden orientieren. „Die Basis dafür bildet eine regelmäßige unternehmensweite Gesundheitsbefragung, ein wesentlicher Erfolgsfaktor für das BGM“, betont Andrea Wiskandt, Referentin für das BGM und Leiterin des Arbeitskreises Gesundheit bei der Gewoba. Besonders gefragt seien Angebote zur Stressbewältigung, Teamgesundheit, Immunsystem, Ernährung und Schlaf. 2025 lag der Schwerpunkt zudem auf Untersuchungen und Screenings zur Früherkennung gesundheitlicher Risiken, ergänzt durch Bewegungs-, Informations- und Ernährungsangebote. Der Erfolg kann sich sehen lassen: Insgesamt wurden vergangenes Jahr 137 Maßnahmen mit insgesamt 2.168 Teilnehmenden durchgeführt. Fast alle Maßnahmen waren ausgebucht, oftmals mussten Zusatztermine organisiert werden. „Das war eine deutliche Steigerung gegenüber 2024“, so Wiskandt. Und auch das Ergebnis gibt ihr Recht. In mehreren Fällen hätten Verdachtsdiagnosen zu weiterführenden medizinischen Abklärungen geführt. Bislang hätten aber alle glücklicherweise durch frühzeitiges Erkennen einen guten Ausgang gefunden. WARUM BGM IMMER WICHTIGER WIRD Dass dieser ganzheitliche BGMAnsatz der Gewoba kein Luxus ist, zeigt der Arbeitsalltag in der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft: Heben, Tragen und Montieren gehören für Mitarbeitende im technischen Service, in der Instandhaltung oder bei Modernisierungen zum Tagesgeschäft und bedeuten hohe körperliche Außendienst oder in der Verwaltung – profitieren von jährlichen Vorsorgeuntersuchungen, ergonomischen Arbeitsplätzen sowie umfangreichen Fitness-, Online- und Achtsamkeitsangeboten. Besonderheit ist der Blick über den Arbeitsplatz hinaus: Familienservice, Employee Assistance Program, Gesundheitskommunikation und gesunde Kantinenangebote begleiten Mitarbeitende durch alle Lebensphasen. Die Nassauische Heimstätte/ Wohnstadt verankert Gesundheit seit 2011 verbindlich in einer Gesamtbetriebsvereinbarung. Das BGM ist ganzheitlich organisiert, wird über feste Gremien gesteuert und reicht von Bewegungs- und Entspannungspausen über Gesundheitskurse bis zu regelmäßigen Gesundheitstagen. Gesundheitsbeauftragte Ricarda Schwingen bringt den Anspruch auf den Punkt: „Prävention soll sich nahtlos in den Arbeitsalltag integrieren lassen – getragen von Geschäftsführung und Betriebspartnern.“ Die SAGA geht noch einen Schritt weiter in Richtung Absicherung. Eine betriebliche Krankenzusatzversicherung, eine Unfallversicherung auch für Belastungen. Gleichzeitig steigen auch in Verwaltung, Bestandsmanagement und Kundenservice die Anforderungen. Arbeitsverdichtung, komplexe rechtliche Rahmenbedingungen und eine zunehmend konfliktreiche Mieterkommunikation führen vermehrt zu psychischen Belastungen. Hinzu kommen neue Faktoren wie mobile Arbeit, digitale Dauererreichbarkeit und hybride Arbeitsmodelle. Der demografische Wandel verschärft diese Entwicklung zusätzlich: Viele Wohnungsunternehmen etwa verfügen über eine alternde Belegschaft, während qualifizierter Nachwuchs immer schwerer zu gewinnen ist. Die Folgen sind steigende Krankenstände, längere Ausfallzeiten (siehe Kasten S. 50) und ein wachsender Druck auf Führungskräfte und Personalverantwortliche. WO BGM IN DER PRAXIS WIRKLICH PUNKTET BGM hat bei vielen Immobilienunternehmen schon eine große Bedeutung. Zu Recht, denn optimal eingesetzt, bringt es operativ und strategisch zahlreiche Vorteile mit sich. Unabhängig davon, ob es digital oder analog umgesetzt wird. Die Angebote sind in der Praxis oft sehr unterschiedlich, werden aber alle konsequent gelebt. Bei der Aroundtown ist betriebliches Gesundheitsmanagement fest in der HR verankert und wird kontinuierlich weiterentwickelt. Gesundheit wird ganzheitlich und standortübergreifend gedacht. Kostenfreie Impfungen, ein hauseigenes Fitnessstudio am Berliner Hauptsitz sowie eine Corporate-Wellbeing-Plattform für alle weiteren Standorte machen Gesundheitsangebote niedrigschwellig zugänglich. Darüber hinaus unterstützt Aroundtown die Teilnahme an Firmenläufen, Mitarbeitende werden hierfür von der Arbeit freigestellt. Ein Schwerpunkt liegt zudem auf mentaler Gesundheit und WorkLife-Balance. Führungskräfte sind ausdrücklich dazu angehalten, die Work-Life-Balance ihrer Mitarbeitenden aktiv zu berücksichtigen. Bei Vonovia wird BGM konsequent inklusiv gedacht. Alle Mitarbeitenden – im Handwerk, 1 PRÄVEN- TION Mittlerweile besonders gefragt sind Untersuchungen und Screenings zur Früherkennung gesundheitlicher Risiken RABIH KANAAN Vorstandsvorsitzender der B&O Service SE „Neben geförderten Sport- und Bewegungsangeboten setzen wir einen besonderen Schwerpunkt auf ältere Mitarbeitende. Statt sie aus dem System zu verlieren, werden Tätigkeiten gezielt an körperliche Verfassung und Lebensphase angepasst. Erfahrung und Wissen bleiben so erhalten. Mit diesem Ansatz verbinden wir Gesundheit, Unternehmensbindung und Fachkräftesicherung.“ * Name der Redaktion bekannt

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