Immobilienwirtschaft 3/2026

19 · Immobilienwirtschaft · 03 / 2026 unter anderem die Möglichkeit beinhalten, Fördermittel bereits vor dem Sanierungsbeschluss zu beantragen und den Beschluss der WEG nachzureichen. Wie schwierig die Finanzierung von größeren Sanierungsvorhaben ist, zeigt auch der VerwalterMonitor des Verbands der Immobilienverwalter Deutschland e.V. (VDIV). Demnach schätzen 89 Prozent der befragten Immobilienverwaltungen die Rücklagen ihrer WEG als nicht ausreichend ein, um eine umfassende energetische Sanierung aus Eigenmitteln zu finanzieren. Sogar für Einzelmaßnahmen wie den Heizungstausch verfügen demnach nur 31 Prozent der WEG über ausreichende Mittel. „Wenn die Politik Eigentümergemeinschaften durch das Gebäudemodernisierungsgesetz in die Pflicht nimmt, muss sie ihnen auch die finanziellen Mittel geben, diese Pflichten zu erfüllen“, sagt VDIVGeschäftsführer Martin Kaßler. Nach Angaben des VDIV kann sich rund jeder fünfte Eigentümerhaushalt keine Sonderumlage leisten, sodass er gegen die Sanierung stimmt. Welche Hindernisse der energetischen Sanierung im Wege stehen und wie diese behoben werden können, hat der VDIV zusammen mit Partnern im Rahmen des europäischen Projekts Green Home untersucht. Entstanden ist eine Liste mit sieben „Pain Points“, also Punkten, die verhindern, dass eine WEG eine energetische Sanierung in Angriff nimmt. Einer dieser „Schmerzpunkte“ ist das fehlende Wissen, das Entscheidungen verhindert. Der VDIV fordert deshalb, einen digitalen individuellen Sanierungsfahrplan (iSFP) einzuführen, der mit zwei Boni verknüpft wird: Zusätzliche Mittel soll es geben, wenn der Sanierungsfahrplan digital erstellt wird; außerdem soll der Zuschuss der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) auf zehn Prozent verdoppelt werden, wenn der iSFP tatsächlich in eine Sanierung mündet. Zudem, so eine weitere Forderung des VDIV, sollten Immobilienverwaltungen eine Förderung erhalten, um den mit einer energetischen Sanierung verbundenen Mehraufwand abzudecken. Auch Martin Kaßler ist überzeugt, dass die Bereitschaft der Eigentümer zur Sanierung vorhanden ist. Doch sie scheitere letztlich an fehlenden Rücklagen, unzureichenden Förderinstrumenten und komplexen Entscheidungsprozessen. fähigkeit“, stellt auch Ulrich Höller fest, geschäftsführender Gesellschafter der ABG Real Estate Group. „Der erforderliche Investitionsaufwand steht häufig in keinem Verhältnis zum erzielbaren Ertrag.“ Höller zufolge ist deshalb für viele dieser Objekte ein Abriss realistischer als eine wirtschaftliche Sanierung. JLL-Fachmann Dr. Sören Gröbel weist aber darauf hin, dass in solchen Fällen auch kostengünstigere Maßnahmen wie die Dekarbonisierung der Energieversorgung durch erneuerbare Energieträger oder die Optimierung der Anlagentechnik denkbar sind. Doch auch er stellt fest: „Wo Nachfrage herrscht, wird investiert. Wo keine Nachfrage besteht, fehlt der wirtschaftliche Anreiz – und dort droht Immobilien das Schicksal von Stranded Assets.“ WOHNUNGSEIGENTÜMER BRAUCHEN MEHR UNTERSTÜTZUNG Bei der energetischen Sanierung des Gebäudebestands tut sich eine Gruppe besonders schwer: die privaten Wohnungseigentümer. Verwalterverbände fordern deshalb Förderprogramme, die auf die spezifischen Anforderungen von Wohnungseigentümergemeinschaften (WEG) zugeschnitten sind. Mit einer jährlichen Sanierungsrate von 0,3 Prozent geht es bei Mehrfamilienhäusern, die einer WEG gehören, noch langsamer voran als bei Gebäuden, die im Eigentum großer Gesellschaften sind. Dabei hätten eigentlich die meisten Wohnungseigentümer erkannt, dass sie von einer umfangreichen Gebäudemodernisierung profitieren, sagt Thomas Meier, Präsident des Bundesfachverbands der Immobilienverwalter e.V. (BVI). „Die energetische Sanierung von Gebäuden“, begründet er dies, „ist nicht nur für die Energiewende und damit die Erfüllung der Klimaziele unerlässlich, sie bedeutet auch eine Wertsteigerung und damit eine Investition in die Zukunft.“ Warum tut sich dann trotzdem so wenig? „Die Eigentümer brauchen finanzielle Unterstützung für die Umsetzung, denn die Rücklagen reichen bei umfangreichen Vorhaben in der Regel nicht aus“, nennt Meier einen Grund. Er fordert deshalb ein langfristig orientiertes Förderprogramm, das die Belange der WEG berücksichtigt und mindestens bis zum Ende der jeweiligen Legislaturperiode läuft. Dieses sollte 1 NOKERA Vonovia will zusammen mit Nokera die serielle Gebäudemodernisierung voranbringen. In dieser Fabrik bei Magdeburg werden die dafür erforderlichen Elemente gefertigt 1

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