12 · Immobilienwirtschaft · 03 / 2026 Schwerpunkt Bestandssanierung Die Zahlen sprechen für sich: Rund 36 Prozent der energiebedingten CO2-Emissionen in der Europäischen Union gehen auf das Konto von Gebäuden. Genau hier setzt die novellierte EU-Gebäuderichtlinie EPBD 2024/1275 an, die bis spätestens Mai 2026 in nationales Recht überführt werden muss. Für die gewerbliche Immobilienwirtschaft markiert das keinen fernen Planungshorizont, sondern einen konkreten Handlungsauftrag mit harten Deadlines. VOM EFFIZIENZTHEMA ZUR WERTFRAGE Die EPBD adressiert konkret energetisch schwache Nichtwohngebäude: 16 Prozent des schlechtesten Bestands müssen bis 2030 verbessert werden, 26 Prozent bis 2033. Auch wenn es im Nichtwohnbereich (noch) keine klassischen Effizienzklassen A+ bis H gibt, treffen diese Quoten in der Praxis vor allem Gebäude mit hohem Energieverbrauch und veralteter technischer Gebäudeausrüstung – funktional vergleichbar mit den Klassen F bis H im Wohngebäudebereich. Für viele Eigentümer stellt sich damit nicht mehr die Frage, ob gehandelt werden muss, sondern wie. Diese Entscheidung beeinflusst zentrale Erfolgsfaktoren eines Investments: Wertentwicklung, Finanzierbarkeit, Vermietbarkeit und Exit-Fähigkeit. Wer zu spät oder zu kurz denkt, läuft Gefahr, Kapital zu binden, ohne das Objekt im Hinblick auf die mögliche Rendite zu optimieren. DREI OPTIONEN – ABER NICHT ALLE GLEICHWERTIG Die EPBD zwingt Eigentümer zu einer strategischen Grundsatzentscheidung, die sich auf drei Optionen verdichten lässt: • Sanieren – Maßnahmen umsetzen, um regulatorische Mindestanforderungen kurzfristig zu erfüllen. • Transformieren – das Gebäude so weiterentwickeln, dass es langfristig marktfähig, finanzierbar und nachhaltig positioniert ist. • Abriss und Neubau – wenn technische Grenzen, notwendige Nutzungskonzepte oder unwirtschaftlicher Betrieb eine Sanierung nicht mehr rechtfertigen. Diese Optionen klingen nach einfachen Alternativen, stehen aber für völlig unterschiedliche Zukunftsszenarien. Nicht jede Sanierung ist automatisch eine Transformation. Und nicht jede Transformation ist wirtschaftlich sinnvoll, wenn die Ausgangslage zu schlecht ist. DIE „SANIEREN“-REFLEXREAKTION UND IHRE FOLGEN In der Praxis ist derzeit häufig eine reflexartige Reaktion zu beobachten: „Wir müssen halt sanieren.“ Das ist verständlich, aber nicht zielführend. Sanierung ohne Strategie ist oft das teuerste Missverständnis, das man sich leisten kann. Wer nur Mindeststandards erfüllt, investiert unter Umständen erhebliches Kapital, ohne das Objekt wirklich zukunftsfähig zu machen. Das Ergebnis kann ein Gebäude sein, das zwar kurzfristig regulatorisch stabilisiert wird, aber in wenigen Jahren 1 D TEXT Jörg Brodeh, Bernhard Schochenmaier
RkJQdWJsaXNoZXIy Mjc4MQ==