Immobilienwirtschaft 4/2025

42 · Immobilienwirtschaft · 04 / 2025 Schwerpunkt Expo Real 2025 – Energetische Sanierung Tatsächlich gibt es schon eine Anzahl von Sanierungen GEWERBLICHER IMMOBILIEN, die vielen ESG-Kriterien entsprechen – ob nun zertifiziert oder auch nicht. B E S T P R A C T I C E ENERGETISCHE SANIERUNG HAUS DES TOURISMUS Stuttgart K118 Winterthur Ein Beispiel ist das ehemalige Modehaus Breitling in Stuttgart, das bald als „Haus des Tourismus“ dient. Anstatt auf ressourcenintensiven Neubau zu setzen, wurde die vorhandene Struktur weitgehend erhalten und behutsam erweitert. Nötige Erweiterungen bestehen zu 93 % aus ressourcenschonendem Beton. Die Aufstockung und neue Geschosse wurden in Holzbauweise realisiert. Insgesamt wurden rund 500 m³ Holz verbaut und damit etwa 500 Tonnen CO2 gebunden. Die energetische Sanierung hebt das Gebäude auf Effizienzhaus-40-Niveau. Eine fassadenintegrierte Photovoltaikanlage sowie Dach-PV sorgen für Eigenstrom, extensive und intensive Gründächer verbessern Mikroklima und Biodiversität, speichern Regenwasser und tragen zur Gebäudekühlung bei. Durch diese konsequente Bestandserhaltung und Kreislauffähigkeit werden 25 bis 30 % CO2 im Vergleich zur Erstellung eines Neubaus eingespart – bei gleichzeitiger Nachverdichtung und Nutzungsintensivierung, da zusätzliche Flächen ohne neue Versiegelung geschaffen wurden. Trennbare Konstruktionen, etwa hinterlüftete Fassaden statt Wärmedämmverbundsystem, ermöglichen einen späteren Rückbau und zahlen auf die Kreislaufwirtschaft ein. Auch städtebaulich fügt sich das Projekt sensibel in den Kontext des Marktplatzes ein. Die kleinteilige Fassadenstruktur und Staffelgeschosse nehmen die Architektur der 1950er-Jahre auf, während großzügige Glasflächen Offenheit und Transparenz vermitteln. Ein neuer Haupteingang und eine einladende Erdgeschosszone orientieren sich zum Marktplatz, stärken die öffentliche Wahrnehmung und schaffen ein lebendiges Stadtelement. Das multifunktionale Nutzungskonzept reicht von Gastronomie und Ausstellungsflächen im Erdgeschoss über flexible Arbeitswelten für Stuttgart Marketing und die Tourismus-Marketing GmbH in den Obergeschossen bis hin zu einer öffentlichen Dachterrasse mit Rooftopbar und Dachgarten. Auf dem Lagerplatz in Winterthur wurde der Kopfbau einer bestehenden Lagerhalle (Eigentümerin Stiftung Abendrot) saniert und aufgestockt – das K.118. Dabei kamen über 70 % wiederverwendete Bauteile zum Einsatz – von Fenstern über Bodenbeläge bis hin zur Fassade. Mit dem K.118 gelang es, den Fußabdruck in der Erstellung um 60 % gegenüber einem vergleichbaren konventionellen Neubau zu verringern. Diese Einsparung entspricht in etwa dem CO2-Ausstoß, den das Gebäude mit Fernwärmeanschluss in 60 Jahren Betrieb emittiert. Möglich ist das dank der konsequenten Einbindung zirkulärer Prozesse – geplant und begleitet durch die Fachplaner von Zirkular in Zusammenarbeit mit baubüro in situ (siehe auch unser Interview „Wiederverwendete Materialien punkten in allen Bereichen“).

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