34 · Immobilienwirtschaft · 04 / 2025 Schwerpunkt Expo Real 2025 – KI & Nachverdichtung den; schon heute ist die Analyse der Umgebungsbebauung nach §34 BauGB möglich. Anfang 2024 meldete auch das Landesamt für Geoinformation und Landvermessung Niedersachsen, dass es den gesamten Gebäudebestand Niedersachsens dank einer KI per Luftbildanalyse und Oberflächenmodell erfasst hat. Dadurch können Abrisse und Baulücken tagesaktuell aufgenommen werden. Geht es dann um die Nachverdichtung, bringt gerade die Aufstockung Planer häufig ins Schwitzen. Denn die Statik in Bestandsgebäuden ist anspruchsvoll und Traglastberechnungen mitunter eine langwierige Angelegenheit. Eine KI-Lösung kann verschiedene Bebauungsoptionen durchrechnen. Ein Anbieter ist Allplan mit seiner Anwendung SCIA Engineer, die Traglasten im BIM-Verfahren, Windlasten, Lastfälle usw. simulieren und Tragwerke modellieren kann, sowohl für einzelne Geschosse als auch für komplette Gebäude. SANIERUNG PER KI Auch bei der Sanierung ist KI im Einsatz. Das Unternehmen Caala ermöglicht es, verschiedene Sanierungsszenarien zu prüfen sowie CO2-Reduktion und Kosten zu kalkulieren. Dafür werden Gebäudedaten, Budgets und Energieverbrauch in Echtzeit analysiert und in Handlungsoptionen überführt – von der Materialwahl bis zur Finanzierungsplanung. Um Datenlücken zu schließen, setzt Caala auf maschinelles Lernen. KI-gestütztes Mapping vereinfacht die Materialzuordnung in IFC-BIM-Modellen, indem Materialinformationen automatisch Umweltproduktdeklarationen zugeordnet werden. Ähnlich arbeitet IntelMOD, ein Projekt der Uni Bielefeld und des Bundeswirtschaftsministeriums. Beide wollen Transparenz schaffen, um sinnvolle Sanierungsstrategien zu entwickeln. Welche Baustoffe dabei zum Einsatz kommen, entscheiden oft Vorgaben von DGNB, LEED und Co. Die Auswahl und Prüfung der zertifizierten Baustoffe erfolgt bislang oft händisch und mit Hunderten Produktdatenblättern. Franziska und Cecilia Wörthmüller von Chagos haben dafür eine KI-Datenbank entwickelt, die tagesaktuell Schadstoff- und Emissionsdaten zu Baustoffen sowie deren Kompatibilität mit Nachhaltigkeitszertifizierungen bereitstellt. So lassen sich die oft fünfstelligen Kosten und über 30 Tage Bearbeitungszeit um 90 Prozent senken. Partner wie das Bauunternehmen Tholl und Eike Becker Architekten sind an Bord. Wenn es mit dem Bau losgeht, kann KI Prozesse auf der Baustelle oder bei der Planung effizienter gestalten. So optimiert Bluebeam Revu Bauzeichnungen und Buildots möchte mit seiner Softwarelösung Fortschritte auf der Baustelle mittels eines laufenden Echtzeitvergleichs zwischen Plan und Realität automatisch überwachen. Auch der Blick von oben kann helfen. AI Clearing analysiert von Drohnen gesammelte Daten und stattet Arbeiter mit einer App aus, die auf Grundlage der Daten und der Bau- und Zeitpläne automatisch tägliche Fortschrittsberichte erstellt und dabei auf Engpässe oder Verzögerungen hinweist. KI kann auch Zeitpläne für Baustellen optimieren. NPlan oder SmartPM füllen mit großen Datensätzen vergleichbarer Projekte Erfahrungs- und Datenlücken und liefern realistische Zeit- und Ablaufpläne. Ohne das Building Information Modeling (BIM) sind die meisten KI-Anwendungen im Bauprozess aber Makulatur. Anbieter wie Revit und Archicad versprechen automatisierte BIMModellierung unter anderem aus 2D-CAD-Grundrissen. BIM liefert die Grundlage, den wirklichen Mehrwert der ConTech-KIs zu entfalten. Denn erst wenn die einzelnen Anwendungen ineinandergreifen, sich im Gebäudemodell abbilden, dann potenziert sich die Ressourcen- und Zeitersparnis. Gerade wenn KI und Robotik verbunden werden, händische Arbeit maschinell erledigt sowie Planungsprozesse weitgehend automatisiert werden, sinken Bau- und Regulierungskosten deutlich. Dennoch bleibt das Potenzial begrenzt – Grundstücke lassen sich auch mit KI nicht vermehren, dieser Kostenblock bleibt bestehen. Die Branche steckt jedoch noch in der Phase von Pilotprojekten. Bis zum vernetzten Einsatz verschiedener KI-Lösungen wird es dauern. KI breitet sich aber rasant aus. Laut einer IFO-Umfrage nutzen inzwischen 25 Prozent der Bauunternehmen KI – ein Sprung von 7,1 Prozent im Jahr 2023. KEIN VORTEIL OHNE RISIKEN Die Risiken der KI-Nutzung werden aber oft ausgeblendet. „Viele bezahlen nicht für Datensicherheit und zahlen danach den Preis“, kommentiert Jan Hoffmeister, Gründer von Drooms. „Wir hatten einmal den Fall, wo ein Unternehmen seine Daten über Server außerhalb der EU und der USA laufen lassen wollte, ohne DSGVO, ohne Datensicherheit, und das Ganze über ein Unternehmen mit fragwürdiger Eigentümerstruktur. Da ist man schon sprachlos.“ Neben Geldstrafen birgt ein sorgloser Umgang mit Gebäudedaten auch Sicherheitsrisiken. Digitale Zwillinge werden häufig in Asien händisch nachgebaut – problematisch, wenn militärische oder kritische Infrastruktur oder sensible Gebäudedaten erfasst und außerhalb der EU verarbeitet werden. Immobilienunternehmen müssen sich wappnen, gerade wenn KI die Branche grundlegend verändert. 25 KI breitet sich aus. Laut einer IFO-Umfrage nutzen inzwischen 25 % der Bauunternehmen KI – ein Sprung von 7,1 % im Jahr 2023. ConTechs in diesem Artikel Name Leistung Syte Potenzialanalyse Grundstücke Chagos Automatisierte Materialprüfung SCIA Engineer Automatisierte Traglastberechnung Caala Sanierungsplanung IntelMOD Sanierungsplanung Buildots Baufortschrittsüberwachung SmartPM Baustellencontrolling NPlan Baustellencontrolling AI Clearing Baustellencontrolling und Drohnenüberwachung Bluebeam Revu Bauzeichnung Open Space AI Automatischer Abgleich mit BIM-Modellen Revit Automatisiertes BIM Archicad Automatisiertes BIM
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