Seite 54 - DIE_WOHNUNGSWIRTSCHAFT_2014_12

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Technologie. Dabei spielt die Mitversorgung des
Quartiers aus dem Energieüberschuss eine zent-
rale Rolle – Elektromobilität ist zwar ein Thema,
steht aber nicht im Mittelpunkt.
Bisher wurden unterschiedlichste Lösungen und
deren Hindernisse im Gebäudebestand weder
untersucht noch praxisnah realisiert – so die
Ausgangslage des Planungswettbewerbs. Das Pi-
lotvorhaben sollte dies nun ändern. Aus diesem
Grund wurden folgende Bewertungskriterien für
das Projektkonzept festgelegt:
• Entwicklung effizienter Lösungen auf Basis vie-
ler Einzelkomponenten und deren integrierter
Umsetzung im Modellvorhaben,
• Darstellung des Stands der Technik für die
Fachöffentlichkeit und die Bevölkerung,
• Untersuchung der Leistungsfähigkeit der ein-
gesetzten Komponenten imDauerbetrieb durch
ein Monitoring,
• Erfahrungen für die Breitenanwendung,
• Interdisziplinäre Zusammenarbeit vonArchitek-
tur, Energieversorgung und Gebäudetechnik.
Aufgrund der Empfehlungen der Jury hat die NU-
WOG das Büro Werner Sobek mit der Planung der
Gebäudezeile Pfuhler Straße 4, 6, 8 und das Büro
o5 Architektenmit der Planung der Gebäudezeile
Pfuhler Straße 10, 12, 14 beauftragt (siehe Kas-
ten auf der vorherigen Seite). Die (Eck)Häuser
Pfuhler Straße 8 und 10 liegen in der gleichen
Häuserreihe wie die Anwesen Pfuhler Straße 4/6
und 12/14. Sie sind jedoch nicht Teil des BMUB-
Modellvorhabens, da sie aufgrund abweichender
Grundrisse und Kubatur dafür nicht geeignet sin.
Da die Bausubstanz aber ebenfalls eine Moderni-
sierung erfordert, führt die NUWOG im gleichen
Zeitraum auch in diesen Gebäuden eine General-
modernisierung durch. NachModernisierungwer-
den beide Häuser den Energieeffizienzstandard
KfW-Effizienzhaus 55 nach EnEV 2009 erreichen.
Umgang mit dem baulichen Erbe
Bei dem zu modernisierenden Bestand handelt es
sich um eine Zeilenbebauung aus dem Jahr 1938,
wie sie in vielen Städten und Gemeinden für die-
se Zeit typisch ist. In vielen Fällen liegen diese
in attraktiven Wohnanlagen und bilden insofern
einen wichtigen Bestandteil der kostengünsti-
gen Wohnungsversorgung breiter Schichten der
Bevölkerung. Zudem prägen sie große Teile der
Randgebiete der Städte und sind insofern wich-
tig für die Identifikation der Bewohner mit ihrem
Zuhause. Die Bewohner begreifen diese gebaute
Umwelt als ihre Heimat; die ihnen soziale Sicher-
heit und Stabilität vermittelt. Insofern ist es eine
wichtige gesellschaftspolitische Aufgabe, diese
Wohnungsbestände – mit angemessenen Kosten
– so zu ertüchtigen, dass sie den wohnungswirt-
schaftlichen und energetischen Anforderungen
der Zukunft genügen.
Innovation in der Stromversorgung
ImZuge des Modellvorhabens werden die 1930er-
Jahre-Bauten als sog. Plusenergie-Gebäude imBe-
stand grundlegendmodernisiert, so dass mit ihnen
künftigmehr Energie erzeugt wird, als die Bewoh-
ner im Rahmen der Wohnnutzung verbrauchen
werden. Eines der Ziele ist auch die Erhöhung des
Eigennutzungsgrades des über die PV-Anlage pro-
duzierten Stroms. Bei demLeuchtturmprojekt für
innovative Entwicklungen bei Bestandsgebäuden
geht es nicht nur darum, einen relevanten Beitrag
zu einer nachhaltigen, klima- und umweltfreund-
lichen Energieversorgung zu leisten – es geht um
mehr. Gezeigt werden soll auch, dass moderni-
sierte Gebäude im Bestand auf dem Niveau von
Plusenergiehäusern möglich sind und dass sie als
Energielieferanten in Netzwerke der Quartiersver-
sorgung eingebunden werden können.
Die Photovoltaikanlagen der Gebäude haben eine
Leistung von ca. 80 kWp. Die erzeugten Strom-
überschüsse wird die NUWOG den künftigen Be-
wohnern in Kooperation mit der SWU Stadtwerke
Ulm/Neu-UlmGmbH zu günstigeren Konditionen
als der Strommarkt anbieten. Der Energieüber-
schuss wird so durch die Bewohner im Gebäude
verbraucht und minimiert den Strombezug aus
dem allgemeinen Netz. Mittels Gebäudetechnik
gelingt es, den Primärenergiebedarf der sanie-
rungsbedürftigen Mehrfamilienhäuser von der-
zeit geschätzt über 500 kWh/(m2a) auf unter 55
kWh/(m2a) zu reduzieren (siehe Tabele auf der
vorherigen Seite). Die künftigen Bewohner bei-
der Teilprojekte (Modellvorhaben inklusive der
Eckhäuser) profitieren von reduzierten Kosten
für Strom, Heizung und Warmwasserversorgung.
Kostengrenzwerte
Die NUWOG war sich von Beginn an bewusst,
dass ein derartiges Modellvorhaben auch
Aus Altbauten der 1930er Jahre werden schon bald Effizienzhäuser, die mehr Energie
erzeugen, als die Bewohner verbrauchen
Quelle: NUWOG
Die NUWOG – Wohnungsgesellschaft der
Stadt Neu-Ulm GmbH bewirtschaftet als
100%ige Tochter der Stadt Neu-Ulm der-
zeit einen Wohnungsbestand von ca. 2.600
eigenen und fremden Wohneinheiten.
Darüber hinaus ist sie wegen der hohen
Nachfrage nach bezahlbarem Wohnraum
in der Wachstumsregion Ulm/Neu-Ulm im
Neubau sowie der energetischen und bar-
rierearmen Modernisierung ihrer Bestände
sehr engagiert. Die NUWOG ist das größte
kommunale Wohnungsunternehmen zwi-
schen Ulm und Augsburg.
Zur NUWOG Unternehmensgruppe gehören
die NUWOG Wohnungsgesellschaft der
Stadt Neu-Ulm GmbH, die NUWOG Dienst-
leistungs- und Betreuungs-GmbH, die GSI
GebäudeService- und Immobilienverwal-
tung Neu-Ulm GmbH sowie das Wohnstift
Neu-Ulm.
NUWOG
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12|2014
ENERGIE UND TECHNIK