Seite 20 - CONTROLLER_Magazin_Software_Kompendium_2013_2014

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Interview mit Edward Haase
Software-Kompendium 2013
te ist eine wesentliche Voraussetzung für erfolgreiche
Webanalyse der Wille dazu, die eigenen Lösungswege
für Fragestellungen auch wieder kritisch zu hinter­
fragen.
BI-Kompendium:
Wo liegen dagegen die Fallstricke
der Webanalyse?
Haase:
Es gibt zwei große Fallstricke. Der einfachere ist
der datenschutzrechtliche. Im Rechtsgebiet der EU liegt
den Bürgern der Schutz persönlicher Daten besonders
am Herzen, und die rechtlichen Anforderungen der EU
sind in jedem Fall einzuhalten. Das beginnt mit ent-
sprechenden Hinweisen über den Einsatz von Web
Analytics und der Erläuterung, zu welchen Zwecken
Daten erhoben werden. Ganz wichtig ist dabei, dass
es nicht möglich sein darf, bestimmte Daten einer Per-
son zuzuordnen. Darüber hinaus muss dem Nutzer die
Möglichkeit gegeben werden, die Erhebung von Daten
zu unterbinden. Hier sollte man frühzeitig prüfen ob die
gewählte Web Analytics-Lösung diese Voraussetzungen
erfüllt. Manche Softwareprodukte bieten diese Option
nicht an, da sie mit dem Fokus auf den amerikanischen
Markt entwickelt sind.
Der andere Fallstrick ist das erforderliche Know-how,
um Webanalyse betreiben zu können. Abgesehen von
Firmen, die fokussiert im Internet agieren, haben die
wenigsten Unternehmen einen entsprechend qualifi-
zierten Webanalysten. Es gibt sicher Personen, die diese
Aufgabe übernehmen können, gerade in der Anfangs-
phase ist eine kompetente und professionelle Hilfe
„auf‘s Pferd“ sehr empfehlenswert.
BI-Kompendium:
Braucht man eine bestimmte IT-
Infrastruktur dafür?
Haase:
Der für die Auswertung notwendige Server kann
durch die eigene IT-Abteilung betrieben werden. Es ist
aber auch problemlos möglich, externe Leistungen in
Anspruch zu nehmen. Bekanntestes Beispiel externer
Nutzung ist „Google Analytics“. Bei externer Nutzung
muss man sich vor Augen halten, dass zum Teil wichtige
Daten in fremde Hände gelangen können, zum Bei-
spiel die Einzelpositionen oder der Gesamtwert eines
Warenkorbs in einem Onlineshop. Da man längerfristig
wahrscheinlich mehr als die Standardauswertungen
nutzen wollen wird, sind zudem kleinere Änderungen
an der eigenen Webseite erforderlich, um die dafür not-
wendigen Informationen an die Web Analytics-Software
zu übergeben.
BI-Kompendium:
Was kostet die Webanalyse?
Haase:
Je nach Umfang der Unternehmens-Webseite
gibt es monatliche Servicepakete schon zu einem
geringen Betrag. Das ist abhängig von der Nutzungsin-
tensität des Internetangebots. Nach oben gibt es kaum
Grenzen, und wie viele Services im Internet beginnt
Web Analytics „kostenlos“ – dafür muss man aber
bereit sein, die eigenen Daten mit Google zu teilen.
Der Einbindung von Google Analytics in die eigene
Webseite ist auf Basis von Vortagsdaten kostenfrei
möglich. Will man die Daten „realtime“ auswerten,
verlangt Google hierfür jährlich 150.000 US-$. Die
Nutzung von Google Analytics ist datenschutzrechtlich
zumindest für Finanzdienstleister in Europa nicht mög-
lich, da erhobene Daten in Rechenzentren außerhalb
Europas gespeichert werden.
Wer Web Analytics in das eigene Rechenzentrum
einbinden will, der findet hervorragende Analy-
tics-Software sowohl als kostenfrei nutzbare Open
Source oder professionelle Lizenzsoftware. Diese
kann durchaus jährlich sechsstellige Lizenzkos­ten
verursachen, wobei die Kosten stark abhängig von
den eigenen Wünschen und Vorkenntnissen sind.
Laufende Betriebskosten sind aber nur der eine Teil.
Web Analytics ist, wie schon gesagt, ein fortlaufender
Prozess. Er beginnt mit der initialen Einbindung, die
sowohl sehr rudimentär und preisgünstig, aber auch
detailliert und umfangreich erfolgen kann. Der Auf-
wand richtet sich nach den zu beantwortenden Fra-
gestellungen, er beginnt und verändert sich mit den
eigenen Wünschen.