Stadthalle Korntal Martin-Luther-Straße 32 | 70825 Korntal-Münchingen 0711 8367-2500 info(at)stadthalle-korntal.de | www.stadthalle-korntal.de _1EL6L_Stadthalle Korntal_85x123_v3a.pdf; s1; (85.00 x 123.00 mm); 09.Sep 2026 14:33:26;PDF_CMYK_Profilanwendung_ab150dpi; L. N. Schaffrath DruckMedien _148MK_Anzeige Schmerlenbach v2.pdf; s1; (84.92 x 123.02 mm); 30.Jan 2026 09:19:00;PDF_CMYK_Profilanwendung_ab150dpi; L. N. Schaffrath DruckMedien Coaching-Methode Paraphrasieren, Wiederholen und Zusammenfassen – nicht zur Kontrolle, sondern um zu zeigen: »Ich habe dich gehört, und so ist es bei mir angekommen.« So wird Zuhören zu einer gemeinsamen Erfahrung, die Vertrauen schafft. Das sogenannte aktive Zuhören, wie es aus der personenzentrierten Gesprächsführung von Carl Rogers hervorgegangen ist, bildet eine wichtige Wurzel dieser Kunst. Spiegeln geht noch eine Ebene tiefer. Es meint nicht das bloße Wiederholen von Worten, sondern das Zurückgeben wahrgenommener Gestik, Mimik, Haltung, Stimmung, Atemrhythmus, Tempo oder Sprachmelodie. Spiegeln kann bedeuten, eine Körperhaltung aufzugreifen, ein Gefühl in Worte zu fassen oder einen energetischen Ausdruck auch recht deutlich sichtbar zu machen. Neurowissenschaftlich lässt sich diese Wirkung unter anderem mit dem Konzept der Spiegelneuronen erklären. Unser Gehirn reagiert automatisch auf Bewegungen, Gefühle und Haltungen anderer Menschen. Wir fühlen mit, noch bevor wir dies bewusst reflektieren. Für Wegbegleiter bedeutet dieses Wissen: Schon ihre bloße Präsenz wirkt auf den Prozess ein. Spiegeln ist deshalb weniger Technik als das bewusste, achtsame Zurückgeben dessen, was ohnehin geschieht. Spiegeln heißt Wahrnehmen, nicht Interpretieren. Dazu gehört, Begriffe der Klienten exakt zu übernehmen und sie nicht in die eigene Sprache zu übersetzen. Praxisbeispiel: Eine Klientin erzählt, dass sie zwischen zwei beruflichen Entscheidungen hin- und hergerissen ist. Während sie spricht, fasse ich nach einigen Minuten zusammen: »Du sagst, du wünschst dir Sicherheit, aber gleichzeitig scheint der Drang nach Freiheit unbändig. Habe ich das richtig verstanden?« Sie nickt und fügt hinzu: »Ja, und wenn ich es so höre, merke ich, dass Freiheit im Moment für mich mehr Bedeutung hat.« Dann darf ich ihr meine Wahrnehmung spiegeln: »Während du von der sicheren Option gesprochen hast, ist deine Sitzhaltung immer wieder in sich zusammengesunken. Als du von der Freiheit erzählt hast, hast du dich aufgerichtet, deinen Kopf gehoben, deine Mimik wurde entspannter und deine Stimme lebendiger. Auch deine Augen haben gestrahlt.« Sie hält inne, lächelt und sagt: »Das ist spannend, mein Körper zeigt mir wohl den Weg.« Ihre Klarheit entstand nicht, weil ich eine Lösung angeboten, sondern Resonanz gegeben habe. 3. Die Fertigkeit der Irritation und Provokation Irritation und Provokation sind Formen des Anstoßes, doch sie wirken auf unterschiedliche Weise. Die Irritation ist eine kurze Musterunterbrechung: ein ungewohnter Kommentar, eine überraschende Frage, ein Perspektivwechsel. Sie verschiebt den Blick und macht bewusst, dass Gewohntes nicht selbstverständlich ist. Wenn ein System kurz aus dem Takt gerät, kann Raum für neue Ordnung entstehen. Irritation wirkt wie ein Katalysator für Veränderung. Sie ist der plötzliche Windstoß, der durch den Wald fegt, Samen weiterträgt und Neues ermöglicht. Die heilsame Provokation geht einen Schritt weiter. Sie ist ein bewusstes Herausfordern, spielerisch über Humor, pointiert durch Übertreibung oder ernsthaft durch Konfrontation. Sie will nicht verletzen, sondern 55
RkJQdWJsaXNoZXIy Mjc4MQ==