Branchenlösungen 49 Gerade bei langen Ansparzeiten eröffnet die Aktienanlage größere Chancen auf Wertsteigerungen als ein ausschließlich sicherheitsorientiertes Investment. Da keine garantierten Mindestleistungen einkalkuliert werden müssen, können die Startrenten höher ausfallen als bei klassischen Modellen – abhängig davon, wie sich die Kapitalmärkte entwickeln. Die Aktienanlage birgt allerdings auch Risiken: Die spätere Rentenhöhe steht nicht von vornherein fest; Schwankungen sind möglich und sollten gegenüber Beschäftigten offen kommuniziert werden. Im SPM Chemie wird das Risiko, das sich aus den Kapitalmarktschwankungen ergibt, durch Sicherungsmechanismen begrenzt. Arbeitgeber zahlen fünf Prozent der Beiträge in einen kollektiven Sicherungsbeitragspuffer. Dieser Puffer kommt dann zum Tragen, wenn das Rentenniveau einen vom Steuerungsausschuss, der aus Vertretern des BAVC, der IGBCE und der R+V besteht, festgelegten Schwellenwert unterschreitet. Dieser Schwellenwert kann durch einen Beschluss des Steuerungsausschusses bei Bedarf neu festgelegt werden. Weitergehende Absenkungen des Rentenniveaus sollen, soweit das im Sicherungsbeitragspuffer enthaltene Vermögen dies ermöglicht, ausgeglichen werden. Sinn und Zweck ist es, diesen Sicherungsbeitragspuffer generationsgerecht zu nutzen und ein vollständiges Aufbrauchen bei einer einzelnen Verwendung zu vermeiden. Wächst der Sicherungsbeitragspuffer über eine festgelegte Obergrenze hinaus an, wird der übersteigende Teil zugunsten des kollektiven Rentnervermögens verwendet. Über die Höhe der Obergrenze entscheidet der Steuerungsausschuss. Chancen und Risiken im Blick behalten Für Beschäftigte verbindet das Modell mehrere Vorteile: eine lebenslange Rentenzahlung, sofort unverfallbare Anwartschaften, professionelle Verwaltung und größere Renditechancen durch eine chancenreichere Kapitalanlage. Die fehlende Garantie und das verbleibende Risiko müssen verständlich erklärt werden, denn ein SPM ist kein Modell ohne jegliche Risiken. Die Rentenhöhe steht nicht von Beginn an fest und kann sich abhängig von der Kapitalmarktentwicklung verändern. Der Sicherungspuffer begrenzt Schwankungen, schließt sie aber nicht aus. Für HR entsteht dadurch ein Kommunikationsbedarf. Die fehlende Garantie sollte offen angesprochen und mit den – statistisch belegbaren – höheren Renditechancen erklärt werden. Eine realistische Information hilft, Erwartungen zu steuern und spätere Rückfragen zu vermeiden. Nach eigenen Angaben lag die R+V mit der Rendite bei ihrem SPM seit dem Start stets deutlich über den angepeilten 4 Prozent pro Jahr. Einführung Schritt für Schritt Die Einführung eines SPM sollte sorgfältig vorbereitet werden. HR prüft bestehende Versorgungsregelungen, klärt die Beteiligung des Betriebsrats und bindet die Entgeltabrechnung an. Wenn bereits eine Betriebsvereinbarung zu tariflichen Altersversorgungs- oder Arbeitgeberleistungen besteht, kann eine Anpassung erforderlich sein. Nach der Prüfung folgen die Einrichtung der Datenwege, die Schulung der zuständigen Mitarbeitenden und die Information der Belegschaft. Ist das Modell integriert, geht die Projektphase in den Regelbetrieb über. Der Vorteil eines bestehenden SPM: HR beginnt nicht bei null, sondern kann vorhandene Vertrags-, Versorgungs- und Steuerungsstrukturen nutzen. Die Rolle der Sozialpartner Beiträge, Teilnahme und Schutzmechanismen werden in einem gemeinsamen tariflichen Rahmen vereinbart. Im Steuerungsausschuss wirken je zwei Vertreterinnen und Vertreter der IGBCE, des BAVC und der R+V mit. Für HR erleichtert das die Kommunikation. Das Modell beruht nicht auf einer alleinigen Entscheidung des Arbeitgebers, sondern auf einer zwischen den Sozialpartnern vereinbarten Struktur. Die dauerhafte Beteiligung schafft außerdem einen Rahmen für die Weiterentwicklung. Fragen zu Risikoniveau, Schutzmechanismen und Leistungen müssen nicht allein im Unternehmen bearbeitet werden. Schritte für die Einführung eines Sozialpartnermodells im Unternehmen In einem ersten Schritt muss das Unternehmen darüber entscheiden, für welche Versorgungen und welchen Beschäftigtenkreis das SPM eingesetzt werden soll. Soll damit die tarifliche Altersvorsorge gemäß Tarifvertrag umgesetzt werden? Oder sollen weitere arbeitgeber- oder mischfinanzierte Versorgungszusagen etabliert oder im Rahmen eines De-Risking abgelöst werden? Für alle Möglichkeiten ist das SPM ein geeignetes Instrument. Von dieser Entscheidung hängt ab, welche bestehenden Rechtsgrundlagen (in der Regel Betriebsvereinbarungen) angepasst oder neu abgeschlossen werden müssen. Parallel beginnt die Beschäftigung mit den Details des SPM, um es in den Systemen, insbesondere im Entgeltabrechnungssystem, zu verankern. Eine Besonderheit hier ist der Sicherungsbeitrag, den der Arbeitgeber zusätzlich zum vereinbarten Beitrag einrichten und abführen muss. Versorgungsträger stellen in der Regel Hilfsmittel zum digitalen Meldewesen bereit und stellen persönliche Ansprechpartner vor. Darüber hinaus spielt die Kommunikation über das SPM an die Mitarbeitenden eine große Rolle. Der Startzeitpunkt sollte frühzeitig festgelegt und kommuniziert werden. Dabei werden auch die vereinbarten Informationsformate (wie etwa Veranstaltungen, digitale Medien, Einzelberatungen) mitgeteilt und terminiert. LARS GOLATKA ist Bereichsvorstand Firmenkunden bei der R+V Lebensversicherung AG.
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