Personalmagazin bAV Spezial 12/2026

Betriebliche Altersversorgung 40 personalmagazin bAV Lange Zeit lief die bAV im Hintergrund – arbeitgeberfinanziert, administrativ überschaubar, für Beschäftigte ein selbstverständlicher Leistungsbaustein, der kaum erklärt werden musste. Die Prozesse, die viele Unternehmen damals aufgesetzt haben, passten zur damaligen Welt: ruhig, stabil, weitgehend wartungsarm. Diese Logik prägt viele Systeme bis heute – obwohl sich die Realität grundlegend verändert hat. Mehrere Entwicklungen überlagern sich. In wirtschaftlich und geopolitisch unsicheren Zeiten wächst auf Mitarbeiterseite das Bedürfnis nach Stabilität und langfristiger Orientierung. Gleichzeitig stehen Unternehmen unter Effizienzdruck und der Aufgabe, administrative Komplexität zu reduzieren. Die neue Realität der bAV Dass dieser Aufwand nicht nur subjektiv wahrgenommen wird, ist empirisch gut belegt. Studien von WTW und PwC zeigen seit Jahren, dass Unternehmen die operative Umsetzung der bAV insbesondere aufgrund administrativer, rechtlicher und regulatorischer Anforderungen als große Herausforderung bewerten und dabei häufig hinter den eigenen Ansprüchen zurückbleiben. Zwischen Effizienzdruck und Vertrauensfrage Von Guido Großjean Digitale bAV-Systeme scheitern oft nicht an der Technik, sondern an ungeklärter Governance und fehlendem Zielbild. HR muss Prozesse und Verantwortlichkeiten definieren, bevor Systeme ausgewählt werden – nur dann kann Digitalisierung ihren Nutzen entfalten. Ein Leitfaden. Hinzu kommt ein struktureller Wandel innerhalb der bAV selbst. Während frühere Modelle häufig überwiegend arbeitgeberfinanziert waren, haben sich heute in vielen Unternehmen mischfinanzierte Systeme aus Entgeltumwandlung und Arbeitgeberzuschuss etabliert. Die bAV ist damit zunehmend ein gemeinsames Projekt von Arbeitgeber und Beschäftigten. Diese Veränderung ist entscheidend. Wer selbst Beiträge leistet, erwartet Transparenz, Verständlichkeit und Klarheit über den konkreten Mehrwert der Arbeitgeberleistung. Für Unternehmen entsteht damit die Notwendigkeit, ihre bAV aktiv zu erklären und einzuordnen. Gleichzeitig bleibt die Nutzung häufig hinter den Möglichkeiten zurück. Die jährlich neu evaluierte bAV-Studie von Deloitte zeigt deutlich, dass ein erheblicher Teil der Beschäftigten die eigene Vorsorgesituation nur eingeschränkt einschätzen kann und die Beteiligung an der Entgeltumwandlung in vielen Unternehmen deutlich unter 50 Prozent liegt. Damit verändert sich die Rolle der bAV grundlegend: Sie wird vom administrativen Prozess zu einem Vertrauens-, Kommunikations- und Governance-Thema. Dennoch setzen viele Digitalisierungsinitiativen genau hier an der falschen Stelle an

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