Immobilien Wirtschaft Digital Guide Real Estate 2026

41 · Digital Guide · Real Estate 2026 einzelnen Anwendungen wirklich intelligente und wirtschaftlich tragfähige Lösungen für den Gebäudebetrieb.“ KÜNSTLICHE INTELLIGENZ Auf das Problem heterogener Systeme und mangelnder Interoperabilität weist Fabian Naethbohm, Leiter des Smart-Building-Reallabors an der Hochschule Mainz und Mitglied der Leitung des Arbeitskreises Gebäudebetrieb 4.0 des gefma, Deutscher Verband für Facility Management, hin: „Die Transformation unserer Gebäude entscheidet sich immer stärker im Betrieb und damit auch im Facility Management. Noch verhindert vor allem die Fragmentierung der Gebäudetechnik, dass vorhandene Potenziale vollständig genutzt werden. Systeme, Gewerke und Gebäudeautomationslösungen arbeiten häufig isoliert voneinander, wodurch Daten zwar in großer Menge entstehen, aber nur selten durchgängig über Planung, Bau und Betrieb hinweg genutzt werden. Dabei sind die technischen Voraussetzungen längst vorhanden. Entscheidend ist nun, diese Möglichkeiten systematisch in die Praxis zu überführen. Dafür braucht es offene Standards, interoperable Systeme und vor allem einen Wandel vom System- zum Prozessdenken.“ Es ist nicht das erste Mal, dass nützliche Technologien einen erschwerten Einstieg in den Markt haben, weil sich in der Nutzungspraxis Hindernisse und Herausforderungen ergeben, die nichts mit der eigentlichen technologischen Idee zu tun haben. In der Regel kann man aus der bisherigen Erfahrung schließen: Entweder der Nutzen der in Frage stehenden Lösungen ist groß genug, sodass eine Sogwirkung entsteht, die die Anstrengung zur Beseitigung der Hindernisse und Widerstände gerechtfertigt erscheinen lässt, oder die Lösungen fassen nur in Marktnischen Fuß. Die technologische Entwicklung der Datenplattformen verläuft rasant. Und wie nicht anders zu erwarten, steht auch in diesem Sektor die Künstliche Intelligenz im Fokus der Technologieunternehmen. Das Stichwort sind hier Lösungen mit KI-Agenten, also Software, die lernfähig und dazu trainierbar ist, neue Inhalte (von Texten bis zu Software-Code) zu generieren. Experten bewerten diese Technologie als äußerst vielversprechend. So sagt etwa Dr. Christian Schlicht, Professor für Nachhaltige Immobilienwirtschaft an der Hochschule Fresenius: „Erst durch die koordinierte Nutzung von agentischen Werkzeugen in Unternehmensprozessen, die wie Instrumente in einem Orchester aufeinander abgestimmt werden, entstehen verlässliche, belastbare Entscheidungen.“ Um diese Technologie innerhalb der Immobilienwirtschaft voranzubringen, hat Christian Schlicht gemeinsam mit Dr. Marc Gille, Dozent für KI in der Immobilienwirtschaft an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg Stuttgart sowie an der Hochschule Luzern, die Initiative REAL GAIN für KI-Agenten im Immobiliensektor ins Leben gerufen. Lösungsanbieter können ihre KI-Agenten auf einer Plattform präsentieren. Immobilienunternehmen testen diese Agenten und integrieren sie gegebenenfalls etwa in ihre eigenen Chatbots. So wurde ein Marktplatz agentischer Werkzeuge für die Immobilienwirtschaft eingerichtet – eine Art Amazon für Immobiliensoftware auf Basis agentischer KI. „Die Immobilienbranche braucht vernetzte Intelligenz“, so Prof. Christian Schlicht. Möglicherweise braucht es aber auch noch weitere Technologiedurchbrüche, um den Plattformgedanken in der Immobilienwirtschaft wirklich voranzutreiben. formen unbestreitbar ein mächtiges Instrument für Produktivität, Effizienz und Transparenz der Prozesse in der Immobilienbranche zu sein. Dennoch kann man nicht gerade von einem Run auf diese Systeme sprechen. Es zeigt sich, dass Technologie allein noch lange nicht ausreicht, um einen Selbstläufer zu produzieren. Letztlich sind es die Stolpersteine in der Praxis, die einen breiteren Einsatz der Plattformtechnologie ausbremsen. Der Branchenverband GdW erklärt, aus seiner Sicht seien zentralisierte Datenplattformen auf Gebäudeebene derzeit noch wenig verbreitet. Zwar schreite die Digitalisierung einzelner Anwendungen, etwa beim digitalen Türzugang, bei der smarten Heizungssteuerung oder bei anderen Formen der Gebäudeautomatisierung, spürbar voran. Der Markt, so der Verband, sei aktuell jedoch noch stark durch Insellösungen geprägt, deren Daten in der Praxis nur selten miteinander vernetzt sind. Dies erschwert klarerweise die notwendige Verknüpfung und Integration von unterschiedlichen Lösungen. Ingeborg Esser, Hauptgeschäftsführerin des GdW, macht diesen Punkt deutlich: „Für einen ressourcenschonenden Betrieb sowie eine effiziente Steuerung der Gebäude müssen Wohnungsunternehmen über die in ihren Beständen generierten Daten – inklusive anonymisierter Nutzungsdaten der Mieter – verfügen können. Entscheidend sind hierfür vor allem offener Datenzugang und interoperable Standards. Nur wenn Systeme miteinander kommunizieren können, entstehen aus vielen „DERZEIT VOLLZIEHT SICH EIN WANDEL HIN ZU STÄRKER INTEGRIERTEN ÖKOSYSTEMEN, IN DENEN DATEN NAHTLOS FUNKTIONSÜBERGREIFEND FLIESSEN – VOM INVESTMENT- UND ASSET MANAGEMENT BIS HIN ZUM OPERATIVEN GESCHÄFT UND DER MIETERBETREUUNG.“ Jan-Willem Jeucken, Associate Director bei Yardi

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