40 · Digital Guide · Real Estate 2026 Digital Real Estate Datenplattformen zusammenzuführen und in konsistente, nutzbare Informationen zu überführen. Erst dann lassen sich Kennzahlen zu Energieverbrauch, Flächennutzung, Wartungsbedarf oder Betriebskosten zuverlässig auswerten und strategisch nutzen.“ Plattformen lohnen sich daher nicht automatisch durch ihre bloße Existenz. Dies hebt auch Jonas Hahn, Professor für Immobilienmanagement an der Frankfurt University of Applied Sciences, hervor: „Für viele Akteure im Markt sind Plattformen zunächst nur ein weiteres teures Dashboard. Dabei haben Unternehmen oft große Datenmengen, nutzen sie aber kaum. Wenn es an einer sinnvollen Datenstrategie mangelt, werden auch Plattformen nicht zur Lösung, sondern bleiben ein weiteres Werkzeug mit beschränktem Nutzen.“ Vor der Plattform stehen also die grundlegenden Hausaufgaben bezüglich einer durchgängig konsistenten Datenstrategie. HOCHINTEGRIERTE LÖSUNGEN Inzwischen hat sich ein breites Spektrum an spezialisierten Datenplattformen für die Immobilienwirtschaft etabliert, dessen Bandbreite sich von Markt- und Angebotsdaten über Geo- und soziodemografische Daten bis hin zu Investmentsystemen sowie Bewertungs- und Analyselösungen erstreckt. Ausgestaltung und Konfiguration der Plattformen sind sehr unterschiedlich. Große Player mit umfassenden Lösungen stehen zahlreichen kleineren Plattformen gegenüber. Einige bieten eine hochintegrierte Lösungsvielfalt auf einer mächtigen Plattform, während andere Systeme zur Verfügung stellen, deren Merkmal die Integration von spezialisierter Software verschiedener Hersteller auf einer Plattform ist. Ein breiter Überblick über das Marktangebot an Plattformen würde den Umfang eines Buches ergeben. Eine Grobunterscheidung liegt in Plattformen mit Schwerpunkt auf Gebäudespezifika bzw. Gebäudetechnik und solchen mit Fokus auf Businessfunktionen wie ERP etc. Zur ersteren Kategorie gehören prominent Bosch, Schneider Electric und Siemens, die primär Plattformen für Gebäudetechnik/IoT-Anwendungen und Energiemanagement zur Verfügung stellen. Verschiedene Anbieter mit Kernkompetenzen im ERPUmfeld (typische Vertreter: Yardi, Aareon) offerieren Plattformen vor allem mit betriebs- und wohnungswirtschaftlichen (Business- und ERP-)Funktionen. Zudem gibt es Spezialisten für Planungs- und Betriebssoftware für Immobilien- und Gebäudemanagement (CAFM/ IWMS) samt Asset- und Instandhaltung (typisches Beispiel: Planon). Siemens, Schneider Electric und Bosch adressieren eher große und komplexe Anlagen im Corporate-Real-Estate-Bereich. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Optimierung der technischen Gebäudeperformance und Energieeffizienz sowie der Integration von Smart-Building-Funktionen. Die Planon-Lösung unterstützt vorwiegend bei der Optimierung und Konsolidierung von Prozessen wie der digitalen Verwaltung, operativen Instandhaltung oder dem Flächenmanagement. Yardi bietet eine ganzheitliche Immobilienverwaltungsplattform mit besonderem Fokus auf Leasing- und Asset-Management-Funktionen an, während Aareon und weitere Anbieter aus dem ERP-Umfeld vor allem Mieter- und Finanzinformationen für Immobilienverwaltungen mit starker ERP-Zentrierung in den Mittelpunkt stellen. MÄCHTIGES INSTRUMENT Die Parallelität von Plattformen mit Schwerpunkt Gebäudetechnik und solchen mit Fokus Businessanwendungen ist kein trivialer Faktor. Dazu Prof. Jonas Hahn: „Der Wettbewerb der Plattformen entscheidet sich mittelfristig durch Synergien zwischen Gebäudetechnik und ERP-System. ERP-Anbieter der Immobilienwirtschaft bilden heute betriebswirtschaftliche Daten und Verwaltungsprozesse ab, Gebäudebetriebsdaten hingegen kommen aus Zählern, Sensorik und IoT-Anwendungen. Am Ende wird entscheidend sein, ob jemand diese beiden Welten gut und sinnvoll integriert bekommt.“ Aus technologischer Sicht und was das Potenzial für die Unternehmen angeht, scheinen Platt- „FÜR IMMOBILI ENEIGENTÜMER UND BETREIBER BESTEHT JETZT DIE AUFGABE, FRAGMENTIERTE DATEN SYSTEMATISCH ZU KONSOLIDIEREN UND IN NUTZBARE INFORMATIONEN ZU ÜBERFÜHREN. ERST DANN LASSEN SICH KENNZAHLEN ZUVERLÄSSIG AUSWERTEN UND STRATEGISCH EINSETZEN.“ Dr.-Ing. Liss Christine Werner, Business Consultant bei Planon
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