Immobilien Wirtschaft Digital Guide Real Estate 2026

38 · Digital Guide · Real Estate 2026 Digital Real Estate Datenplattformen Ein Immobilienunternehmer, der 2024 in den Ruhestand trat und seinen Betrieb an einen Wettbewerber verkaufte, charakterisierte die Veränderung des Geschäftsprozessfokus in der Branche treffend: „Als ich angefangen habe, dominierten Ziegel und Mörtel. Als ich aufgehört habe, dominierten Software und Daten.“ ZWECK: DATENBÜNDELUNG In dieser Situation befinden sich alle Akteure dieses Wirtschaftszweigs heute, und die Bedeutung von Software und Daten wird nur noch weiter steigen. Und hier kommt die Plattformtechnologie ins Spiel. Im Kern bündeln moderne Datenplattformen Markt-, Objekt- und Nutzungsdaten zentral aus vielfältigen Quellen, integrieren sie, bereinigen sie und stellen sie in standardisierter Form für Analyse, Reporting sowie automatisierte Prozesse und Aktionen bereit. Datenquellen sind Stammdaten zu Objekten, Einheiten, Verträgen und Mietern aus ERP- und Bestandsführungssystemen; technische Gebäudedaten aus CAFM-Systemen, Wartungs- und Instandhaltungssoftware; Sensor- und Messdaten aus Smart-Building- und Smart-Metering-Lösungen (etwa Energieverbrauch, Temperaturen, Flächennutzung) sowie aus Building-InformationModeling(BIM)- oder Interunterschiedlicher Hersteller und Anbieter werden auf der Plattform zusammengeführt. So entstehen Vermietungs- und Vermarktungsplattformen für alle Prozesse von der Interessentenanfrage bis zum Vertragsabschluss, Serviceplattformen für Wohnungsunternehmen zur Vernetzung von Eigentümern, Verwaltern, Dienstleistern und Mietern, aber auch Kooperationsplattformen zur Verknüpfung von spezialisierten PropTech-Anbietern. „Derzeit vollzieht sich ein Wandel hin zu stärker integrierten Ökosystemen, in denen Daten nahtlos funktionsübergreifend fließen – vom Investment- und Asset Management bis hin zum operativen Geschäft und der Mieterbetreuung“, beobachtet Jan-Willem Jeucken, Associate Director bei Yardi. Damit die Technologie Nutzen bringen kann, muss eine gewisse Kopfarbeit vorausgehen, erklärt Robert Betz, EMA Head of Digital Real Estate bei KPMG: „Die entscheidende Frage, die zu klären ist, lautet: Welche technologische Infrastruktur soll das Unternehmen langfristig tragen? Erst wenn Klarheit über die strategischen Geschäftsziele besteht, lassen sich daraus eine belastbare Digitalisierungsstrategie und eine klare Roadmap ableiten.“ SYSTEMATISCHE ERFASSUNG Auch Dr.-Ing. Liss Christine Werner, Business Consultant bei Planon, hebt die Bedeutung strategischer Weitsicht hervor: „Viele Unternehmen verfolgen ambitionierte Digitalisierungsprogramme, doch ohne eine tragfähige Datenstrategie bleiben deren Effekte begrenzt. Die wachsende Vielfalt an Gebäudetechnologien, IoT-Systemen und ERP-Strukturen führt in der Praxis zu heterogenen, schwer integrierbaren Datensilos, sodass Informationen häufig in unterschiedlichen Formaten, Qualitätsstufen und Aktualitätsgraden vorliegen. Für Immobilieneigentümer und Betreiber entsteht damit die grundlegende Aufgabe, diese fragmentierten Daten systematisch TEXT Dr. Hans-Dieter Radecke GEGEN DATENSILOS Es besteht konsolidierter Informationsbedarf von Verwaltung und Vermarktung, von Finanzen und Buchhaltung, Kundenmanagement und allen Facetten der Analytik. DATENPLATTFORMEN versprechen auch der Immobilienwirtschaft einen Effizienzschub. Besonders häufig werden sie allerdings noch nicht verwendet. net-of-Things (IoT)-Systemen; Markt- und Umfeldinformationen (Mietspiegel, Transaktionsdaten, sozioökonomische Kennzahlen) und nicht zuletzt Dokumente wie Verträge, Pläne und Gutachten. Der Trend geht hin zu CloudPlattformen mit skalierbaren Speicher- und Rechenressourcen, auf denen Data Lakes (für meist unstrukturierte Rohdaten) und Data Warehouses (für strukturierte und aufbereitete Daten) betrieben werden. Sie sind in der Lage, große Datenmengen zu speichern und mit einheitlichen Datenmodellen und Schnittstellen verfügbar zu machen. Damit lassen sich leistungsfähige Analyse- und Prognose-Technologien „füttern“: Big-Data-Software, Data-Analytics- und Data-Mining-Systeme sowie zunehmend KI- und Machine-Learning-Technologie. Der typische Output dieser Tools besteht aus Dashboards und Kennzahlensystemen für Portfoliosteuerung, Risiko- und Bestandsmanagement, Prognosen zu Mieten, Leerständen etc. oder Zielgruppen- und Standortanalysen für Vermietung und Projektentwicklung. Abgedeckt wird dabei der Informationsbedarf von Verwaltung, Vermarktung, Finanzen/ Buchhaltung, Kundenmanagement und allen Facetten der Analytik (Marktanalysen, Portfolio-Performance usw.). Softwarelösungen E

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