Immobilien Wirtschaft Digital Guide Real Estate 2026

36 · Digital Guide · Real Estate 2026 Künstliche Intelligenz Nachverdichtung KI gleichzeitig Neubau-, Nachverdichtungs- und Sanierungsoptionen bewerten und dabei bereits wirtschaftliche Machbarkeit, Fördermöglichkeiten und infrastrukturelle Auswirkungen mitberechnen. Damit würden Acht-Stunden-Begehungen für eine erste Potenzialbestimmung überflüssig werden. Momentan arbeitet Syte noch daran, die unterschiedlichen baurechtlichen Anforderungen der Landesbauordnungen einzubinden; schon heute ist die Analyse der Umgebungsbebauung nach §34 BauGB möglich. Anfang 2024 meldete auch das Landesamt für Geoinformation und Landvermessung Niedersachsen, dass es den gesamten Gebäudebestand Niedersachsens dank einer KI per Luftbildanalyse und Oberflächenmodell erfasst hat. Dadurch können Abrisse und Baulücken tagesaktuell aufgenommen werden. Geht es dann um die Nachverdichtung, bringt gerade die Aufstockung Planer häufig ins Schwitzen. Denn die Statik in Bestandsgebäuden ist anspruchsvoll und Traglastberechnungen mitunter eine langwierige Angelegenheit. Eine KI-Lösung kann verschiedene Bebauungsoptionen durchrechnen. Ein Anbieter ist Allplan mit seiner Anwendung SCIA Engineer, die Traglasten im BIM-Verfahren, Windlasten, Lastfälle usw. simulieren und Tragwerke modellieren kann, sowohl für einzelne Geschosse als auch für komplette Gebäude. KÖNIGSDISZIPLIN SANIERUNG Auch bei der Sanierung ist KI bereits federführend im Einsatz. Caala etwa ermöglicht es, verschiedene Sanierungsszenarien zu prüfen sowie CO2-Reduktion und Kosten zu kalkulieren. Dafür werden Gebäudedaten, Budgets und Energieverbrauch in Echtzeit analysiert und in Handlungsoptionen überführt – von der Materialwahl bis zur Finanzierungsplanung. Um Datenlücken zu schließen, setzt Caala auf maschinelles Lernen. KI-gestütztes Mapping vereinfacht die Materialzuordnung in IFC-BIM-Modellen, indem Materialinformationen automatisch Umweltproduktdeklarationen zugeordnet werden. Ähnlich arbeitet IntelMOD, ein Projekt der Uni Bielefeld und des Bundeswirtschaftsministeriums. Beide wollen Transparenz schaffen, um sinnvolle Sanierungsstrategien zu entwickeln. Welche Baustoffe dabei zum Einsatz kommen, entscheiden oft Vorgaben von DGNB, LEED und Co. Die Auswahl und Prüfung der zertifizierten Baustoffe erfolgt bislang oft händisch und mit Hunderten Produktdatenblättern. Franziska und Cecilia Wörthmüller von Chagos haben dafür eine KI-Datenbank entwickelt, die tagesaktuell Schadstoff- und Emissionsdaten zu Baustoffen sowie deren Kompatibilität mit Nachhaltigkeitszertifizierungen bereitstellt. So lassen sich die oft fünfstelligen Kosten und über 30 Tage Bearbeitungszeit um 90 Prozent senken. Partner wie das Bauunternehmen Tholl und Eike Becker Architekten sind an Bord. Wenn es mit dem Bau losgeht, kann KI Prozesse auf der Baustelle oder bei der Planung effizienter gestalten. So optimiert Bluebeam Revu Bauzeichnungen und Buildots möchte mit seiner Softwarelösung vere Weg ist“, erklärt Paul. Die Einsatzgebiete der KI auf der Baustelle reichen von Entwurf und Planung bis zur schlüsselfertigen Übergabe. KI kann große Datenmengen verarbeiten und auf Basis „erlernter“ Muster Probleme erkennen, bevor sie akut werden. Dies könnte die Tradition von Großbaustellen, die regelmäßig Zeit- und Kostenpläne sprengen, durchbrechen. Marktgrößen wie Nemetschek wollen den KI-Markt erobern, die Münchner haben ihre Aktivitäten in einem AI Innovation Hub gebündelt. Besonders in der Nachverdichtung schlummert Potenzial. „Nachverdichtung im urbanen Raum ist die Königsdisziplin. Die Grundstücke und der Bestand sind sehr individuell geschnitten, bieten wenig Platz, und bei einer Aufstockung muss man mit Bestand umgehen, der oft kaum oder schlecht dokumentiert ist“, sagt Stefan Anderl, Geschäftsführer der Elk Kampa Group. „Gerade wenn man seriell nachverdichten oder sanieren will, muss man das strukturiert erfassen und nach eigenen Anforderungen ordnen. Manuell ist das ein Riesenaufwand, KI-Tools können bei der ersten Potenzialanalyse helfen.“ ENTSCHEIDENDE BESCHLEUNIGUNG Das tut etwa das Construction Technology Unternehmen (ConTech) Syte. Es verknüpft LiDAR-Daten, Satelliten- und Luftbilder, Energieverbrauchswerte, Marktdaten und sozioökonomische Informationen, um digitale Zwillinge von Grundstücken und Gebäuden zu erstellen. Der entscheidende Beschleunigungseffekt entstehe durch die simultane Bewertung verschiedener Entwicklungsszenarien. Während klassische Analysen nacheinander verschiedene Optionen prüfen, könne ConTechs in diesem Artikel Name Leistung Syte Potenzialanalyse Grundstücke Chagos Automatisierte Materialprüfung SCIA Engineer Automatisierte Traglastberechnung Caala Sanierungsplanung IntelMOD Sanierungsplanung Buildots Baufortschrittsüberwachung SmartPM Baustellencontrolling NPlan Baustellencontrolling AI Clearing Baustellencontrolling und Drohnenüberwachung Bluebeam Revu Bauzeichnung Open Space AI Automatischer Abgleich mit BIM-Modellen Revit Automatisiertes BIM Archicad Automatisiertes BIM 25 KI breitet sich aus. Laut einer ifo-Umfrage nutzen inzwischen 25 % der Bauunternehmen KI – ein Sprung von 7,1 % im Jahr 2023.

RkJQdWJsaXNoZXIy Mjc4MQ==