Personalmagazin - Neues Lernen 6/2025

17 Fokus bleibt der Wille zur Zukunftsgestaltung begrenzt. Trendmanagement oder Forecasting verstärken nur, was schon da ist. „Wer Trends folgt, hinkt immer hinterher. Zukunftsfähigkeit meint nicht nur Anpassungsfähigkeit, sondern mittels Innovation Resilienz bilden gegenüber Veränderungen.“ Beispiel Batteriekästen in Automotive: Viele tüfteln daran, diese stabiler, sicherer und leistungsfähiger zu machen. Doch vielleicht sind sie in dieser Qualität bald überflüssig – etwa, weil andere Energiemanagementkonzepte wie induktive Straßenladesysteme oder energieeffizientere Fahrzeugformen kommen. In Zukunft entstehen Möglichkeiten, die es heute nicht gibt. Kürzlich organisierte Shamiyeh eine Lernreise nach China – für einen großen Luftfahrtkonzern. Ziel: verstehen, warum China oft schneller ist als Europa. Der Aha-Moment kam am Rand: Die Delegation traf Politik, Unis, Start-ups, Investoren und Unternehmen. Alle baten um Hilfe beim Aufbau einer Low-Altitude Economy – dem Geschäft mit Kleinstflugzeugen und Drohnen im Tiefflugbereich. Die teilnehmenden Führungskräfte erkannten die Relevanz erst, als sie den chinesischen Drohnenverband besuchten, dessen Größe sie beeindruckte. Was Zukunftsfähigkeit noch hemmt Stefan Bergheim sieht Haupthemmnisse in knappen Ressourcen, Alltagsdruck und fehlender Legitimation – und vor allem in kulturell verankerten Glaubenssätzen, die die Imaginationskraft lähmen. In Deutschland fehle oft das Verständnis für Komplexität. Organisationen behandelten lebendige Systeme wie Maschinen, suchten nach einer zentralen Steuerungslogik. „Führungskräfte sehen sich häufig als Retter – sie wollen Sicherheit geben und den Weg weisen.“ Das blockiere die Vorstellungskraft, die von Vielfalt lebt. Hinzu kommt: Viele Führungskräfte sind selbst unsicher. Sie delegieren Verantwortung an externe Berater – geben damit die Zukunft aus der Hand. Und versteifen sich womöglich auf eine Zukunft. Methoden wie Backcasting befördern das laut Bergheim. Man entwirft ein Idealbild und plant rückwärts, wie man es erreicht. Das funktioniert meist nur, solange Kohärenz und Vorhersagbarkeit von Entwicklungen gegeben sind, heute also selten. Ein weiterer Zukunftskiller: unausgesprochene Ängste. Das lähmt die Umsetzung. Denn wer sich vor der Zukunft fürchtet, trägt sie nicht mit. Die German Angst ist berüchtigt – oft verknüpft mit einem Mythos vergangener Zeiten. Florence Gaub, Direktorin des NATO Defense College, findet Zukunftsangst gefährlich: Wer glaubt, es war noch nie so schlimm wie heute, glaubt auch nicht mehr an Lösungen, sagte sie Ende September sinngemäß auf einer Konferenz des Ifo-Instituts zur europäischen Sicherheitspolitik. In ihrer Arbeit stößt die Zukunftsforscherin regelmäßig auf Scheuklappendenken – etwa durch die Fixierung auf militärische Hardware. Doch psychologische Kriegsführung sei genauso wichtig wie Waffen und Ausrüstung. Stärke als Kollektiv – etwa in der NATO – glaubhaft zu vermitteln, das hält sie für entscheidend. Doch es gebe keine positive Zukunftsvision, wie die Debatte über die Wehrpflicht zeige. Die Frage, Ansätze der Zukunftsgestaltung Foresight: Systematisches Vorausschauen (quantitativ und qualitativ), um zu verstehen, wie sich Zukünfte entwickeln könnten; eng mit Politik- und Strategieprozessen verknüpft. Forecasting (Teilmenge von Foresight): Vorhersagen dessen, was auf Basis des Bekannten wahrscheinlich eintreten wird. Folgt der Linie Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft und arbeitet mit Wahrscheinlichkeiten. Szenarioplanung (Teilmenge von Foresight): Entwicklung plausibler Zukunftserzählungen für einen bestimmten Kontext und mit einem konkreten Zweck (Bewusstsein, Vorbereitung, Innovation). Dient primär dem Proben von Reaktionen und der Vorbereitung/Anpassung. Worldmaking (Welt-Machen): Philosophischer Begriff nach Nelson Goodman: Soziale Wirklichkeit wird durch Symbole (Worte, Bilder, Modelle) konstruiert. Es gibt mehrere tatsächliche „Welten“. Futurecasting: Eine reflektierte Konversation über das, was sein soll: gemeinsames, unvoreingenommenes Imaginieren, Artikulieren und Bewerten wünschbarer Zukünfte in offenem Rahmen. Ein sozialer, pluralistischer Prozess, der implizite Bilder kollektiv verhandelbar macht. Futurecasting versteht sich als eine Form des Welt-Machens. Backcasting: Vom wünschbaren Zielzustand in der Zukunft rückwärts denken: Welche Schritte sind erforderlich, um dorthin zu gelangen? Häufig als nachgelagerter Schritt nach dem Fore- oder Futurecasting.

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