Personalmagazin - Neues Lernen 6/2025

„Das waren fast alles Verkaufsveranstaltungen.“ Gefragt sind stattdessen maßgeschneiderte Lösungen, die auf die spezifischen Bedürfnisse des Unternehmens zugeschnitten sind. Drei Hebel für den Erfolg: Qualifizierung, Beratung, Vertrauen Die Studie identifiziert drei zentrale Stellschrauben, an denen Unternehmen drehen müssen, um KI erfolgreich einzuführen: 1. Betriebsnahe Qualifizierung statt theoretischer Schulungen Schulungen müssen praxisorientiert und zielgruppenspezifisch gestaltet sein. Statt Frontalunterricht brauchen Mitarbeitende „Learning by Doing“, etwa durch KI-gestützte Simulationen oder direkte Anwendung am Arbeitsplatz. Besonders Auszubildende und Quereinsteiger benötigen Grundlagenwissen zu Daten, Cloud-Systemen und KI-Logik – doch auch erfahrene Mitarbeitende müssen kontinuierlich weitergebildet werden. 2. Strategische Beratung mit Fokus auf KMU Berater müssen branchen- und betriebsnah arbeiten. Gefragt sind keine Standardlösungen, sondern maßgeschneiderte Konzepte, die die spezifischen Herausforderungen eines Unternehmens berücksichtigen. Zudem sollte Förderberatung vereinfacht werden, damit Unternehmen leichter an finanzielle Unterstützung kommen. 3. Vertrauen aufbauen Technologien mit großem Veränderungspotenzial einzuführen, bedeutet zunächst Vertrauen zu schaffen: KI-Einführung gelingt nur, wenn diejenigen, die beraten und geschult werden, ein vertrauensvolles Verhältnis zu Beratenden und Schulenden haben. Das bedeutet: ➜ Führungskräfte im Unternehmen müssen sich bei Beratungsunternehmen und Schulungsdienstleistern gut aufgehoben fühlen und auf deren Kompetenz vertrauen. Dies ist oft das Ergebnis einer jahrelangen Zusammenarbeit und stellt einen hohen Anspruch an Beratende und Schulungsunternehmen. ➜ Vorgesetzte und Führungskräfte wiederum müssen Kompetenz ausstrahlen und ihren Mitarbeitenden die Vorteile von KI-Innovationen (zum Beispiel Arbeitserleichterung, Entlastung von lästigen Routineaufgaben) vermitteln. ➜ Gleichzeitig müssen Vorgesetzte ein offenes Ohr für die Ängste und Befürchtungen durch die Einführung moderner digitaler Technologien haben (Rationalisierung, höherer Arbeitsdruck, Versagensängste) und vertrauensvoll hiermit umgehen. Anwendungsbeispiele Zwei moderne digitale Technologien, die jetzt verstärkt in Industrieunternehmen eingesetzt werden: Beispiel 1: 3D-Druck 3D-Druck ist eine Fertigungstechnologie, die neue Anforderungen an Mitarbeitende in Produktionsbetrieben stellt. Zur Schulung an den 3D-Druckern setzen die Unternehmen eher auf interne Kräfte, die sich bereits privat mit den Geräten beschäftigt haben, sowie auf Schulungen durch Hersteller. Möglicherweise wird aber der Schulungsbedarf größer, wenn der größere Teil der Mitarbeitenden 3D-Drucker einsetzen darf. Beispiel 2: Qualitätssicherung In der Qualitätssicherung werden verstärkt neuere Technologien eingesetzt, beispielsweise in der KI-gestützten Oberflächenanalyse (Sensorik). So erfolgt in einem Unternehmen die Überprüfung von Druckgussverfahren mittels eines kamerabasierten Kontrollsystems. Dies stellt hohe Anforderungen an die Qualifikation der Mitarbeitenden. Ein anderes Unternehmen plant für die Qualitätskontrolle, Daten eines Drehmomentschlüssels an ein KI-System zu übermitteln. Auf diese Weise kann die Produktion permanent auf Fehler geprüft werden. Doch jetzt ist das Know-how erforderlich, um diese KI zu trainieren, damit sie die Fehler in gleicher Weise erkennt wie die Fachleute. Fazit der Studie: KI ist kein Selbstläufer – Qualifizierung und Beratung entscheiden Die Studie macht deutlich: KI allein bringt keinen Erfolg – entscheidend ist, wie sie eingeführt wird. Viele Unternehmen scheitern nicht an der Technologie, sondern an fehlender Qualifizierung, unklaren Beratungsstrukturen und mangelnder strategischer Planung. Betriebe, die auf praktische Schulungen, betriebsnahe Beratung und Vertrauen setzen, sowohl bei Dienstleistern wie Mitarbeitenden, profitieren bereits heute von KI, sparen Kosten, steigern die Effizienz und sichern sich langfristig Wettbewerbsvorteile. Die Botschaft an die Industrie ist klar: Wer jetzt in gezielte Qualifizierung, klare Beratungsstrukturen und eine moderne Lernkultur investiert, wird morgen zu den Gewinnern gehören. Wer zu lange wartet, riskiert, den Anschluss zu verlieren. 91 Digitalisierung

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