Ziel der Studie war es, eine Standortbestimmung vorzunehmen: Welchen Stellenwert hat das Thema KI derzeit in produzierenden Unternehmen im Rheinischen Revier? Die Ergebnisse liefern Hinweise, wie Unternehmen digitale Technologien einsetzen, welche Potenziale sie erkennen und welche Hürden die Auseinandersetzung mit modernen Technologien wie KI bislang erschweren. Das Rheinische Revier steht exemplarisch für die Herausforderungen und Chancen des Strukturwandels. Als eine von fünf Kohleregionen in Deutschland ist es vom geplanten Ausstieg aus der Kohleförderung bis 2038 besonders betroffen. Gleichzeitig stehen Wirtschaft und Politik vor einer doppelten Transformationsaufgabe: Es gilt, neue Perspektiven für ehemalige Beschäftigte entlang der Wertschöpfungskette Kohle zu schaffen, während in anderen Branchen der Fachkräftemangel zunimmt. Um die Wettbewerbsfähigkeit zu sichern, müssen Know-how bewahrt, die Beschäftigungschancen der vorhandenen Arbeitskräfte gestärkt und die Arbeitsplätze in der Industrie attraktiver gestaltet werden. KI bietet für diese Herausforderungen vielfältige Chancen. Die Ergebnisse der vom mmb-Institut durchgeführten Studie legen nahe, dass hier noch Luft nach oben besteht. Mit dem Strukturstärkungsgesetz von 2020 hat die Bundesregierung gemeinsam mit den Ländern und Regionen förderpolitische Instrumente geschaffen, um innovative Projekte in den Kohleregionen zu unterstützen. Eines dieser Projekte ist das vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) geförderte Projekt Kompetenzzentrum WIRKsam. Unter dem Motto »Arbeit mit KI wirksam gestalten«, bündelt das Projekt wissenschaftliche und praktische Expertise und unterstützt Betriebe dabei, KI gezielt in Arbeitsprozessen in der Produktion und produktionsnahen Bereichen einzusetzen. KI kann so den Einstieg in fachfremde Tätigkeiten erleichtern, Fachkräfte entlasten, die Qualität von Prozessen sichern und neue Wertschöpfungspotenziale erschließen. In Kooperation mit regionalen Unternehmen werden entsprechende KI-Anwendungen entwickelt und erprobt. Damit KI zu innovativer und nachhaltiger Arbeit beiträgt, müssen technologische Innovationen sozial und organisatorisch gestaltet werden. Die Studie bestätigt, was sich in den betrieblichen Praxisprojekten zeigt: Unterstützungsangebote müssen so angelegt sein, dass vor allem kleine und mittelständische Unternehmen Zugang zu digitalen Technologien finden. In Gesprächen mit Beschäftigten und Führungskräften bestätigt sich, dass das Thema KI zwar auf Neugier stößt, die vorhandenen personellen und zeitlichen Kapazitäten aber nicht ausreichen, sich mit der zukunftsfähigen Ausgestaltung betrieblicher Prozesse und Strukturen auseinanderzusetzen. Im Rahmen der WIRKsam-Praxisprojekte werden deshalb technische, organisatorische und personelle Voraussetzungen in der Gesamtschau analysiert und gemeinsam mit den betrieblichen Stakeholdern passende Einsatzmöglichkeiten von KI entwickelt. Ergänzend bietet das Kompetenzzentrum technische Demonstrationen und Schulungen, die den Einsatz und die Voraussetzungen von KI-Anwendungen anwendungsnah vermitteln und auf verschiedene Zielgruppen – von Führungskräften über Beschäftigte bis hin zu Auszubildenden – ausgerichtet sind. Technologische Innovation kann nur dann gesellschaftlich wirksam werden, wenn sie in der Arbeitswelt ankommt. Indem es KI praktisch erfahrbar macht, hilft das Projekt WIRKsam, die in der Studie beschriebene Lücke zwischen digitalem Aufbruch und betrieblicher Realität zu schließen. Strukturwandel gelingt dort, Kommentar von Eva Hanau Das Projekt Kompetenzzentrum WIRKsam unterstützt Betriebe und Mitarbeitende dabei, KI gezielt in Arbeitsprozessen in der Produktion und nahen Bereichen einzusetzen. wo KI wirksam in der Arbeitswelt ankommt 92 neues lernen – 06/2025 Digitalisierung
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