In der Produktion nutzen einige Betriebe KI bereits für die Qualitätssicherung, etwa durch selbstlernende Systeme, die Fehler in Lackierungen oder Materialien erkennen. In der Logistik werden autonome Transportsysteme erprobt, während im kaufmännischen Bereich ERP-Systeme mit KI-gestützten Datenanalysen helfen, Auftragsdaten auszuwerten oder Dokumente schneller zu finden. Außerdem setzen Unternehmen vor allem auf additive Fertigungstechniken wie den 3D-Druck, der sich durch einfache Handhabung, schnelle Prototypenherstellung und einen geringen Schulungsbedarf der Mitarbeitenden auszeichnet. Doch trotz dieser Fortschritte bleibt der Einsatz oft punktuell und wenig strategisch. In vielen Unternehmen – insbesondere in kleinen und mittleren Betrieben (KMU) – gibt es keine Verantwortlichen für Digitalisierung. Stattdessen wird KI von der Geschäftsführung oder einzelnen Mitarbeitenden neben dem Tagesgeschäft vorangetrieben. Ein:e interviewte Person bringt es auf den Punkt: „Also, wir haben ja hier keine Stabsstelle Digitalisierung oder KI oder wie auch immer, das macht ja irgendeiner, wenn er Zeit hat.“ Fehlende Ressourcen und unklare Verantwortlichkeiten bremsen so die Entwicklung. Ein weiteres Problem: Viele Unternehmen wissen nicht, wo KI in ihrem Betrieb überhaupt sinnvoll eingesetzt werden kann. Einige Interviewte geben offen zu, dass das Thema für sie noch „nicht greifbar“ sei. Andere wiederum glauben, ihr Betrieb sei technologisch noch nicht so weit, dass Beratungsbedarf bestehe. Doch gerade diese Unsicherheit zeigt, wie dringend individuelle Beratung und gezielte Unterstützung nötig sind. Beratung: zwischen Überangebot und mangelnder Passgenauigkeit Die Studie zeigt, dass viele Unternehmen nicht nur mit der Technologie, sondern auch mit der Auswahl der richtigen Beratung kämpfen. Der Markt ist unübersichtlich, und die Qualität der Angebote variiert stark. Ein zentrales Problem ist auch die Vielzahl an Anbietern – von Startups über Forschungsinstitute bis hin zu klassischen Unternehmensberatungen. Viele Unternehmen wissen schlicht nicht, wem sie vertrauen sollen. Ein Interviewpartner kritisiert: „Es gibt einfach zu viel. Es gibt zu viele Firmen, Gesellschaften, Institute oder wie auch immer, die sich als kompetent andienen. […] Da den Überblick zu bewahren, ist relativ schwierig.“ Aus diesem Grund werden häufiger Beratungsangebote aus dem eigenen Netzwerk oder Bekanntenkreis präferiert. Zusätzlich zum unübersichtlichen Beratungsangebot kommt noch die Komplexität der Förderlandschaft. Viele Unternehmen scheitern daran, passende Förderprogramme zu finden – oder scheuen deren bürokratischen Aufwand. Ein:e befragte Person sagte offen: „Wenn man sich die Förderungsmöglichkeiten so anschaut, wie wir das so verstehen, geht das meistens an den Bestandsfirmen vorbei.“ Gerade KMU, die oft keine eigenen Digitalisierungsexperten haben, wünschen sich hier dringend Unterstützung. Doch selbst wenn Beratung in Anspruch genommen wird, gibt es häufig Qualitätsprobleme. Viele Unternehmen kritisieren, dass Berater zu wenig Branchenwissen mitbringen und Standardlösungen anbieten, statt auf betriebsspezifische Bedürfnisse einzugehen. Eine: interviewte Person beschreibt die Erfahrung mit einer Universität als „schwierig“, weil die Beratenden „über den Dingen schwebten“ und zu wenig Praxisbezug hatten. Erfolgreich waren dagegen Kooperationen mit Fachhochschulen, die pragmatischer und betriebsnaher arbeiteten. Qualifizierung der Mitarbeitenden: zwischen Theorie und Praxis Ein zentrales Ergebnis der Studie ist, dass viele Unternehmen nicht wissen, wie sie ihre Belegschaft für KI fit machen sollen. Zwar gibt es erste Schulungsangebote, doch oft fehlt es an systematischen Konzepten, die wirklich im Arbeitsalltag ankommen. Ein Ansatz, der sich hierfür bewährt hat, ist das „Key-User“-Modell, bei dem ausgewählte Mitarbeitende zu Multiplikatoren ausgebildet werden, die ihr Wissen dann an Kollegen weitergeben Ein großes Problem ist das fehlende Grundlagenwissen zum Funktionieren von KI-Systemen oder der Verarbeitung von Daten. Eine interviewte Person beschreibt die Situation treffend: „Ich glaube, auch da gibt es für mich einen gewissen Irrglauben, dass viele Leute meinen, wenn sie ein Smartphone bedienen können und darum irgendwas rumtippen, dass die eine digitale Kompetenz haben. […] Was dahinter läuft und warum die jetzt zum dritten Mal die und die Seite da vorgeschlagen kriegen, um irgendwas zu kaufen, verstehen die ja eigentlich gar nicht.“ Es bleibt also eine Lücke: Auch Auszubildende und Mitarbeitende mit geringem Bildungsniveau werden oft nicht ausreichend berücksichtigt, obwohl gerade sie grundlegende digitale Kompetenzen benötigen. Ein weiterer kritischer Punkt ist die Übertragbarkeit von Schulungsinhalten. Viele Unternehmen berichten, dass externe Weiterbildungen zwar Wissen vermitteln, aber kaum zeigen, wie dieses Wissen im eigenen Betrieb umgesetzt werden kann. Ein Interviewpartner fasst es so zusammen: DR. LUTZ GOERTZ gehört zum Autorenteam der Studie. Er leitet die Bildungsforschungs- und Evaluationsprojekte des MMB Instituts. KATHARINA HÄHN gehört ebenfalls zum Autorenteam der Studie. Sie ist Projektmanagerin beim MMB Institut. EVA HANAU ist wissenschaftliche Mitarbeiterin des Instituts für angewandte Arbeitswissenschaft Ifaa e.V. und hat die Studie fachlich begleitet. Link zur Studie: https://wirksam.nrw/2025/09/10/neue-studie/ 90 neues lernen – 06/2025
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