39 Entwicklung Nicht jede Methode, die sich plausibel und gut anhört, funktioniert auch in der Praxis. Axel Koch fragt nach möglichen Fallstricken beim 1-Euro-Kaffee. Kritisch nachgefragt Axel: Das finde ich eine clevere Idee, so eine 1-Euro-Karte für einen Kaffee mit dem Chef oder der Chefin zu überreichen. Denn viele Vorgesetzte sind ja durchaus empfänglich für ein Gespräch. Doch sie denken nicht dran oder suchen es nicht aktiv, weil sie durch das operative Geschäft zeitlich zu stark eingebunden sind. Aber wie ist es, wenn ich einen Vorgesetzten habe, der gar nicht dafür offen ist. Der das sogar blöd findet, wenn Mitarbeitende plötzlich mit so was kommen. Oder, wo die Beziehung nicht vertrauensvoll ist. Ina: Absolut. Die Beziehung zwischen Vorgesetzten und Mitarbeitenden ist für jede Form von Leistung wichtig – so auch für die Transferleistung. Grundsätzlich finde ich: Wenn eine Führungskraft solche sogenannten „Entsendegespräche“ eher als lästig empfindet, sollte man sich mittelfristig fragen, ob die Rolle „Führungskraft“ passt. Als konkrete Hilfestellung haben wir gute Erfahrungen damit gemacht, die Unterstützung durch Führungskräfte beim Transfer zu evaluieren – zum Beispiel mit der Frage: „Wie gut fühlten Sie sich bei der Umsetzung des Gelernten von Ihrer Führungskraft unterstützt?“ Das schafft eine Datenbasis, um gezielt im Führungskreis einzugreifen. Kurzfristig kann zudem helfen, den Teilnehmenden freizustellen, ob sie das Gespräch mit der Führungskraft oder mit Kollegen führen – Hauptsache, es findet statt. Axel: Was ist, wenn ich mit meiner Führungskraft nicht über die Umsetzung sprechen möchte – sei es, weil es ein Thema ist, das ich lieber privat halten will, oder weil ich vielleicht insgeheim gar nicht hinter dem Thema stehe und nicht will, dass sie es weiß. Sonst fragt sie vielleicht öfter nach und ich lade mir bewusst Arbeit auf. Im Grunde brauche ich ja die Haltung: Ich erhöhe bewusst mein SelbstCommitment, indem ich öffentlich über mein Thema spreche – und zwar im Entsendegespräch mit meinem Chef oder Kolleginnen. Melanie: Natürlich bringt auch das beste Training der Welt niemanden dazu, das eigene Verhalten in eine Richtung zu verändern, die er oder sie selbst nicht will – und das ist gut so, denn sonst wäre es ja eine Zwangsmaßnahme. Aber genau dafür ist das Gespräch gedacht: Nämlich sichtbar zu machen, inwiefern die nötige Trainingsmotivation vorhanden ist oder was es dafür braucht. Aber auch, inwiefern überhaupt eine guter Praxistransfer möglich ist. Denn wenn nicht, dann kann man sich die Investition sparen. Deshalb gilt es im Entsendegespräch gemeinsam einen Bereich zu finden, in dem die Umsetzung des Gelernten wirklich interessant ist. Häufig zeigt sich erst dort, wo die Veränderungsmotivation liegt. Der 1-Euro-Kaffee soll genau hier helfen – damit auf beiden Seiten der Nährboden für echte Umsetzungsenergie entsteht.
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