zweistelligen Betrag kostet, rechnet eine KI die Vorgänge schon größtenteils automatisch ab. Auch bei anderen Vorgängen soll die Deckungsprüfung demnächst die KI übernehmen. Auch Anwaltsrechnungen sollen künftig per KI gecheckt werden – anhand des Rechtsanwaltsvergütungsgesetzes. Die Auszahlung erfolgt dann unmittelbar, ähnlich wie in der Tierkrankenversicherung. Mensch oder Maschine: Wer macht das Rennen? Was der Einsatz von KI bringt, ist regelmäßig Thema im Rechtsschutz-Schaden-Team. Die Teamleiterin macht die Automatisierungsrate und die Zahl der Lernstunden für alle transparent. Künftig kommt eine neue Kennzahl hinzu: die Touchpoints – also wie oft ein Schadensfall vor Abschluss angefasst und bearbeitet wurde. Am Morgen erst saß die Personalchefin der Allianz SE Bettina Dietsche zwei Stunden mit dem Vorstand zusammen. Es ging um genau dieses Thema: Die Leistung von Führungskräften soll künftig stärker daran gemessen werden, was sie konkret mit KI erreichen – sei es durch schnellere Antwort- und Bearbeitungszeiten, neue Produktideen oder optimierte Abläufe. „Wir fokussieren uns dabei auf die Messbarkeit der Ergebnisse und den Einfluss, den Führungskräfte darauf haben.“ Laut dem Strategiepapier „Global Insurance Market Pulse“ der Beratung Wavestone liegt hier der Knackpunkt der Transformation: Zwar haben laut dem Bericht etwa zwei Drittel der Versicherer mindestens eine KI-Lösung eingeführt – doch der Nutzen bleibt oft gering. Der Bericht spricht von einem „KI-Paradox“: einerseits hohe Akzeptanz und beträchtliche Investitionen, andererseits viele Initiativen, die im Pilotstadium steckenbleiben. Wichtige Hebel wie bereichsübergreifende Zusammenarbeit, gezieltes KI-Training und neue Workflows, in denen Mensch und Maschine zusammenarbeiten, hat die Allianz offenbar schon betätigt. Doch KI treibt das Versicherungswesen weiter, nicht zuletzt mit ethischen Fragen. Darf eine KI Vertragsabschlüsse übernehmen? Preise festlegen? Wer bekommt dann noch Versicherungsschutz – und wer nicht? Mut zeigen und dabei menschlich bleiben, das will Bettina Dietsche im HR-Bereich vorleben. Stolz berichtet sie von der Allianz-Recruitingplattform. In sechs Monaten gelang mit dem Anbieter Phenom die KI-Integration: Wer sich bewirbt, bekommt sofort Rückmeldung. Matcht das Profil, sieht man direkt mögliche Kennenlerntermine. „Ob jemand eingestellt wird, entscheiden aber immer noch Menschen“, betont die Personalverantwortliche. Auch das Skillmanagement treibt sie mit KI voran: Künftig soll jeder auch intern das eigene Profil per KI mit offenen Stellen abgleichen können. Kurz vor dem Launch steht außerdem „Ask HR“, ein Chatbot, der Mitarbeitenden Fragen zu HR-Angeboten beantwortet, etwa zu Urlaubsanträgen, Gesundheitsprogrammen oder Lernmöglichkeiten. Dann muss Bettina Dietsche los zum nächsten Termin, lässt aber noch einen letzten Gedanken da: „Jede digitale Transformation ist nur so gut, wie die Menschen, die sie umsetzen.“ »Die digitale Transformation ist nur so gut, wie die Menschen, die sie umsetzen.« Bettina Dietsche, Group Chief People and Culture Officer der Allianz SE, treibt ein schnelles KI-Upskilling voran. 36 neues lernen – 06/2025
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