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02_2015
wirtschaft + weiterbildung
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alle Unternehmen regelmäßig Weiterbil-
dungskurse an. Die Gründe: Jedes zweite
der nicht-aktiven Unternehmen sieht
grundsätzlich keinen Bedarf an Weiter-
bildung. An zweiter Stelle rangieren zeit-
liche Probleme bei der Freistellung von
Mitarbeitern, gefolgt von dem Hinweis, es
fehlten Ressourcen für die Organisation
von Weiterbildung. Ähnlich wie in der
IW-Umfrage 2010 spielen damit die zeit-
lichen Restriktionen eine gravierendere
Rolle als finanzielle Gründe. Dies deckt
sich mit jenen Angaben, die Beschäftigte
ins Feld führen, wenn sie nicht an Weiter-
bildungsmaßnahmen teilnehmen wollen
oder können.
Ein weiteres Hemmnis ist die unter-
schiedlich ausgeprägte Bereitschaft von
Mitarbeitern, an Weiterbildungskursen
teilzunehmen. Es gilt: Je höher die Qua-
lifikation eines Mitarbeiters ist, desto
eher nimmt er an Weiterbildung teil und
umso größer ist auch seine Motivation.
Zwischen 35 und 41 Prozent der Unter-
nehmen geben an, dass die Beteiligung
von Fachkräften mit Berufsausbildung,
Fortbildung oder Studium hoch ist. Hin-
gegen ist die Beteiligung von Mitarbeitern
ohne abgeschlossene Berufsausbildung
nur in knapp 14 Prozent der Unterneh-
men hoch.
Die Gründe für das geringere Interesse
Angelernter und Ungelernter an Weiter-
bildung, die sich generell auch außerhalb
der Unternehmen zeigt, liegen darin, dass
diese Zielgruppe häufiger lernentwöhnt
und daher schwerer für eine Qualifizie-
rung zu motivieren ist. Sie ließe sich
besser aktivieren, wenn geeignetere For-
mate am Weiterbildungsmarkt verfügbar
wären. Besonders erfolgversprechend
erscheint die Qualifizierung in zeitlich
begrenzten Modulen. Teilqualifikationen
unterteilen einen anerkannten Ausbil-
dungsberuf dabei in einzelne Bausteine.
So können die an- und ungelernten Ar-
beitnehmer schrittweise und ihren Be-
dürfnissen angepasst Wissen erwerben
oder vertiefen.
Die Lern-Hürde ist bei einer solchen Wis-
sensvermittlung in Modulen deutlich
niedriger als beim Nachholen einer mehr-
jährigen Berufsausbildung an einem
Stück. Hierfür haben die Bildungswerke
der Wirtschaft unter dem Label „Eine
Teilqualifikation besser“ im vergangenen
Motive für Weiterbildung
Zustimmung (in Prozent)
personalpolitische Motive
Mit betrieblicher Weiterbildung können wir die Kompetenzen
unserer Mitarbeiter ausbauen.
88,5
Betriebliche Weiterbildung erhöht die Motivation und
Arbeitszufriedenheit unserer Mitarbeiter.
79,4
Weiterbildung trägt zur Mitarbeiterbindung bei.
71,1
Weiterbildungsangebote erhöhen die Attraktivität unseres
Unternehmens für neue Mitarbeiter und erleichtern die
Rekrutierung.
54,3
Weiterbildung ist ausdrücklicher Wunsch unserer Mitarbei-
ter.
48,6
Wir müssen unsere gesetzliche Pflicht zur Weiterbildung
erfüllen.
30,8
auf Innovationen und Erfolg gerichtete Motive
Die Resultate betrieblicher Weiterbildung tragen zur betrieb-
lichen Wertschöpfung und zum Geschäftserfolg bei.
84,4
Betriebliche Weiterbildung steigert die Leistungsfähigkeit
und Produktivität unserer Mitarbeiter.
83,2
Weiterbildung fördert die Innovationsfähigkeit unseres
Unternehmens.
74,8
Durch die Einführung neuer Technologien und/oder die
Reorganisation von Arbeitsprozessen entsteht Anpassungs-
bedarf bei den Qualifikationen unserer Mitarbeiter.
65,6
Motive für betriebliche Weiterbildung
Tabelle 3.
Weiterbildungsaktive Unternehmen wurden gefragt,
welche Motive sie zur betrieblichen Weiterbildung veranlassen.
Es wurden „personalpolitische“ und „auf den Unter­neh­mens­
erfolg gerichtete“ Motive genannt. Mehr­fach­ant­wor­ten waren
möglich (N = 1.778).
Quelle: IW-Weiterbildungserhebung 2014
Jahr einen neuen Standard ins Leben ge-
rufen. Dieser hilft dabei, Angelernte und
Ungelernte intensiver in Weiterbildung
einzubeziehen. Dass dieses Projekt in die
richtige Richtung weist, belegen auch die
Ergebnisse der achten IW-Weiterbildungs-
erhebung. Danach sind knapp 25 Prozent
der befragten Unternehmen davon über-
zeugt, dass die Beteiligung Angelernter
und Ungelernter an der betrieblichen
Weiterbildung künftig steigen wird. Bei
den Mitarbeitern mit Berufsabschluss er-
warten sogar etwa 30 Prozent der Unter-
nehmen einen solchen Trend. „Das Mo-
dell der modularen Qualifizierung sollte
auf breiter Basis gefördert werden. Dieses
Konzept käme auch Langzeitarbeitslosen
zugute, weil sie damit in vertretbarer Zeit
arbeitsmarktgängige Qualifikationen er-
werben“, betonte Michael Hüther vom In-
stitut der deutschen Wirtschaft. „Geld für
ein solches Investitionsprogramm wäre
durchaus vorhanden.“
Gudrun Porath