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02_2015
wirtschaft + weiterbildung
45
R
Prof. Dr. Michael Hüther,
Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln,
erklärt die Ergebenisse der neuesten Weiterbildungserhebung.
Schnitt nicht häufiger an Weiterbildungs-
veranstaltungen teilnahmen. Im Jahr
2013 hatte jeder Mitarbeiter ebenso wie
im Jahr 2010 im Durchschnitt 2,2 Lehr-
und Informationsveranstaltungen auf
dem Konto. Hinzu kamen allerdings noch
Lernphasen am Arbeitsplatz und das Ler-
nen mit Medien.
Zur betrieblichen Weiterbildung zählt
nicht nur die formelle Weiterbildung
durch Lehrveranstaltungen und Semi-
nare, die 78 Prozent der Unternehmen
nutzen. Die zweite wichtige Säule ist die
informelle Weiterbildung. Diese spielt
eine zunehmend bedeutendere Rolle bei
der betrieblichen Qualifizierung und um-
fasst den Besuch von Informationsveran-
staltungen, das Lernen am Arbeitsplatz
sowie das eigenständige Lernen mit Me-
dien. Inzwischen bieten 81 Prozent der
Unternehmen solche informellen Formen
der Weiterbildung an.
Ein Drittel der Weiterbildung
findet in der Freizeit statt
Mit dem Anstieg des Stundenvolumens
ist auch eine Zunahme der Investitionen
in Weiterbildung verbunden. Im Jahr
2013 wendeten die Unternehmen je Mit-
arbeiter 1.132 Euro in Form von finan-
ziellen Mitteln und dem Einsatz von Ar-
beitszeit für Weiterbildungsangebote auf.
Das ist im Vergleich zur Befragung aus
dem Jahr 2010 ein Anstieg um neun Pro-
zent. Damit scheinen die negativen Aus-
wirkungen der letzten Wirtschaftskrise,
die sich auch bei den Investitionen der
Firmen in die Weiterbildung noch deut-
lich niederschlug, überwunden zu sein.
Hochgerechnet auf alle sozialversiche-
rungspflichtig Beschäftigten im Jahr 2013
ergibt sich ein gesamtwirtschaftliches
Investitionsvolumen von 33,5 Milliarden
Euro. Dies entspricht analog zum Anstieg
beim gesamten Stundenvolumen einem
Zuwachs in Höhe von knapp 16 Prozent.
Aber auch die Mitarbeiter tragen nach
wie vor ihren Teil zu den Weiterbildungs-
kosten bei: Etwa ein Drittel der Weiter-
bildung findet in der Freizeit statt. Damit
liegt der prozentuale Anteil genauso hoch
wie im Jahr 2010. Da der Stundenumfang
der Weiterbildung jedoch insgesamt zu-
gelegt hat, bringen auch die Beschäftigten
als Gesamtgruppe absolut gesehen mehr
Freizeit für ihre Bildung ein.
Mit Weiterbildung die
Fachkräftebasis verbreitern
In der achten IW-Weiterbildungserhe-
bung gaben über 65 Prozent der befrag-
ten Unternehmen an, dass die Weiterbil-
dung für die Wettbewerbsfähigkeit des
Unternehmens sehr wichtig ist, weitere
30 Prozent halten sie für wichtig. Über
80 Prozent der Unternehmen führen
zudem als Grund für Weiterbildung an,
dass diese zur betrieblichen Wertschöp-
fung und zum Geschäftserfolg beiträgt.
Die Unternehmen haben die große Rele-
vanz der betrieblichen Qualifizierung für
Innovationskraft und Zukunftssicherung
also erkannt und handeln entsprechend.
Hierzu zählt vor allem die Sicherung von
Fachkräften. Sie bilden das Rückgrat der
deutschen Volkswirtschaft und sind ins-
besondere im Mittelstand unverzichtbar.
Direkte Kosten Indirekte Kosten Kosten insgesamt
Eigene Lehrveranstaltungen
123
228
351
Externe Lehrveranstaltungen
186
183
369
Informationsveranstaltungen
53
109
162
Lernen in der Arbeitssituation
74
21
95
Selbst gesteuertes Lernen mit
Medien
31
57
88
Sonstige Weiterbildungskosten
9
9
Weiterbildungspersonal
59
59
Insgesamt
534
598
1.132
Kosten der betrieblichen Weiterbildung 2013
Tabelle 1.
Die Tabelle zeigt die direkten und indirekten Kosten
je Mitarbeiter (ohne Auszubildende !) nach Weiter­bildungs­
form in Euro. Die Kosten je Mitarbeiter stiegen gegenüber
2010 um 9,4 Prozent. Besonders groß fiel der Anstieg bei
den informellen Weiterbildungsformen aus.
Quelle: IW-Weiterbildungserhebung 2014
Foto: IW Köln