Seite 39 - wirtschaft_und_weiterbildung_2015_02

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02_2015
wirtschaft + weiterbildung
39
Mit der Rückführung der Abwertung hält
die Transaktionsanalyse also einen me-
thodischen Ansatz zur Aufwertung be-
reit. Er ist darüber hinaus auch allgemein
eine hilfreiche Methode zur Identifikation
von Problemebenen und zur Konflikt­auf­
lösung. Auch die beschriebenen kom-
munikativen Abwertungsstrategien der
tangentialen und blockierenden Transak-
tion lassen sich damit konstruktiv ange-
hen. Beide Formen der Transaktion sind
nach Definition der Transaktionsanalyse
Abwertungen, weil sie die Frage an sich
(nach dem Motto „Das möchte ich nicht
gehört haben“) boykottieren. Sie vermei-
den damit unbewusst, wie die Abwertung
bewusst das zielgerichtete, verantwortli-
che und aufrichtige Umgehen mit Kon-
flikten. Sie erhalten ihn stattdessen auf-
recht und vertiefen ihn noch.
Die mediative Haltung wahren:
Wertungen ausbalancieren
Die hier beschriebene Variante der Ab-
wertung ist äußerst beliebt. Da Konflikt-
vermeidung allerdings auch eine Form
des Konfliktumgangs ist, setzt sie den-
noch in sich voraus, dass ein Konflikt vor-
handen ist. Wenn eine Person allein ein
Problem hat, dann ist das Gegenüber ge-
fragt, bei der Lösung als außenstehende
Person zu helfen. Tut es das nicht mit
der Äußerung „Dein Problem! Sieh zu,
wie du das löst!“, dann ist dies ein sehr
deutliches Zeichen für einen gemeinsa-
men Konflikt. Eine im Alltag nötige und
sinnvolle Abgrenzung sähe ganz anders
aus. Genauso abwertend ist es, sich im
Konfliktfall unerreichbar zu machen, je-
mandem aus demWeg zu gehen. Es kann
manchmal sehr schwer sein, sich nach
einer Situation, in der man sich geärgert
hat, dem Gegenüber zu stellen. Sehr viel
leichter ist es, stattdessen auf „Die ist
doch sowieso doof“ umzuschalten und
Desinteresse am Kontakt vorzugeben.
Trotzdem: Abwertung und Ignoranz ver-
stärken Konflikte nur. Ob dies nun dem
anderen oder den eigenen Wahrnehmun-
gen oder Gefühlen gegenüber erfolgt. Die
„Mediative Kommunikation“ plädiert
auch hier wieder dafür, Vorhandenes
wahrzunehmen und zu bearbeiten: in
Verständnis, Klarheit und der Suche von
Lösungsmöglichkeiten.
Sowohl in Reaktion auf eine Kränkung
als auch aus der vermeintlichen Schmach
eines zu überwindenden Schockzustan-
des heraus greifen viele darauf zurück,
sich durch Abwertung des anderen selbst
aufzuwerten. Das Prinzip dahinter ist
ganz simpel: Wird der andere kleiner,
kann sich jemand größer fühlen, ohne
dafür wachsen zu müssen. Wachstums-
prozesse können durchaus schmerzhaft
sein. Und manch einer zieht es dann vor,
lieber dem anderen wehzutun. Solch ein
Verfahren findet sich in der bereits be-
schriebenen Konfliktstrategie nach dem
Motto „Angriff ist die beste Verteidigung“.
Wie in deren Erläuterung allerdings eben-
falls beschrieben wurde, läuft die Anwen-
dung dieser Strategie im Endeffekt doch
auf Selbstabwertung hinaus.
Die Übernahme der Selbstverantwortung
ist an solchen Punkten bereits eine me-
thodische Aufwertungsstrategie. Dahinter
steht die bewährte Grundidee mediativen
Konfliktmanagements, dass die Konflikt­
austragenden am allerbesten wissen, was
die Ursachen und den Hergang des Kon-
flikts betrifft. Und dass sie dies auch be-
fähigt, miteinander eine optimale Lösung
zu finden. Wenn man dieses Zutrauen bei
den Beteiligten bestärkt, dann wertet dies
beide Seiten auf. Sie werden mobilisiert,
zusammen nach einer Lösung zu suchen.
Doris Klappenbach
Dr. Doris
Klappenbach
Ist Mediatorin
(BM) und Direk-
torin des Institut
für Mediative Kommunikation und
Diversity-Kompetenz (IMK) an der
Internationalen Akademie für innova-
tive Pädagogik, Psychologie und Öko-
nomie (INA gGmbH) der Freien Uni-
versität Berlin. Sie initiierte die erste
„integrative Mediationsausbildung“ in
Deutschland.
Institut für Mediative Kommunika-
tion und Diversity-Kompetenz (IMK)
Nassauische Straße 5
10717 Berlin
AUTORIN