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02_2015
wirtschaft + weiterbildung
31
bereits negative Erfahrungen gesammelt
haben. Vor diesem Hintergrund unter-
suchte der Professor für Kinderpsychopa-
thologie und Statistik-Experte Andy Field
im Jahr 2009 die Wirkung von Humor in
Angstfächern. Dabei konnte er feststellen:
Humor hilft, Angst vor dem Lernstoff zu
reduzieren. Er trägt zu einer positiven At-
mosphäre bei und hilft den Lernenden,
sich zu entspannen.
Lachen ist zudem ein Gesundbrunnen,
Griesgrämerei dagegen macht krank:
Lachforscher, sogenannte Gelotologen,
haben nachgewiesen, dass während des
Lachens das Stresshormon Adrenalin im
Körper gestoppt und stattdessen Glücks-
hormone produziert werden, so Michael
Titze, Gründungsvorsitzender von Humor
Care Deutschland.
Streit um Prüfungserfolge
Ein weiterer Erfolgsfaktor von Humor:
Er kann zu besseren Prüfungsergebnis-
sen führen. Diese These ist jedoch nicht
unumstritten. Einen Beleg für bessere
Prüfungsergebnisse durch regelmäßigen
und gezielten Einsatz von Humor fand
Avner Ziv in den 90er-Jahren. Der Hu-
morforscher hat sein Experiment zweimal
durchgeführt, zum einen mit einer Sta-
tistik-Vorlesung, zum anderen mit einer
Psychologie-Vorlesung. Für beide Fächer
wurden jeweils zwei Gruppen gebildet,
die beide vom selben Professor unterrich-
tet wurden. In der einen Gruppe verwen-
dete der Professor Humor, in der Kont-
rollgruppe nicht. Sowohl die Statistik-,
als auch die Psychologie-Gruppe, die mit
Humor unterrichtet wurden, schnitten im
Abschlusstest, ein Test bestehend aus 50
MC-Fragen, signifikant besser ab.
Dagegen kam eine Metanalyse von dem
Forscherteam Diane Martin, Raymond
W. Preiss, Barbara Mae Gayle und Mike
Allan aus dem Jahr 2006, in welcher 21
empirische Studien aus den Jahren 1978
bis 2001 eingegangen sind, zu dem Ergeb-
nis, dass ein grundlegender Zusammen-
hang zwischen Humor und objektivem
Lernerfolg nicht begründet und eher als
optimistisch einzustufen ist.
Was jedoch mehrfach erhoben wurde:
Lernende möchten keinen Humor in Prü-
fungssituationen. Und das ist vielleicht
die wichtigste, wenn auch nicht witzigste
Erkenntnis, die wir aus unserer Praxiser-
fahrung belegen können: Es gibt Situati-
onen, in denen man für voll genommen
werden möchte, ohne befürchten zu
müssen, veralbert zu werden. Es braucht
Momente der Ernsthaftigkeit und Würde,
der Konzentration und der Anspannung.
Doch darüber hinaus ist Humor die wohl-
schmeckende Würze für die Suppe, die
man täglich auszulöffeln hat.
Witze fördern die Effizienz
Abschließend muss man noch eines anfü-
gen: Humor gilt nicht nur bei Menschen
als attraktiv und anziehend, sondern
auch als Attribut einer Unternehmenskul-
tur – bis hin zur Personalentwicklung und
dem Seminarbereich. Allein aus Gründen
der Effizienz und Nachhaltigkeit müsste
mehr gewitzelt werden. Denn Humor för-
dert Erkenntnis und Einsicht und initiiert
Verhaltensänderungen.
Verner Gerner, Oliver Tissot
Verena Gerner
hat Psychologie
studiert und in ihrer
Abschlussarbeit die
Wirkung von Humor
auf den Lernerfolg in Seminaren unter-
sucht. Sie ist Leiterin für Geschäfts-
feldentwicklung und Marketing bei der
Professio GmbH.
Verena Gerner
AUTOREN
Dr. Oliver Tissot
hat Kommunika-
tions-Design und
Soziologie studiert.
Er ist freiberuflicher
Lachverständiger, Kabarettist und Key-
Joke Speaker. In seinen Seminaren und
Workshops sorgt er mit verblüffenden
Analogien für mehr Nachhaltigkeit.
Dr. Oliver Tissot
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