Seite 30 - wirtschaft_und_weiterbildung_2015_02

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personal- und organisationsentwicklung
30
wirtschaft + weiterbildung
02_2015
Firmenkultur oder befürchtete unlieb-
same Änderungen des Arbeitsalltags ein
Klima des Misstrauens und der Verunsi-
cherung schaffen, hat dies verheerende
Folgen: Wichtige Informationen werden
oft nicht mehr von einer Abteilung an
die andere weitergegeben. Tissot fun-
giert in solchen Situationen als externer
Referent in der Rolle des Hofnarren, der
dem Unternehmen den Spiegel vorhält.
Er entlarvt dabei die Absurdität dieses
Verhaltens, aber bekundet gleichzeitig
Sympathie mit allzumenschlichen Schwä-
chen und benennt sarkastisch die negati-
ven Konsequenzen von Trotzhaltungen.
Seine Erfahrung: Mit diesem Einsatz von
Humor konnte in der Regel der emotio-
nale Frust überwunden werden und die
Kommunikation funktionierte schnell
wieder reibungslos.
Bessere Erinnerungen
Ein weitere Erfolgsfaktor von Humor
wurde unter anderem in Experimenten
von Stephen R. Schmidt in Analysen von
1994, 2002, 2006 und 2012 an der Middle
Tennessee State University überprüft und
mehrfach repliziert: die Behaltensleistung
in Zusammenhang mit Humor. Die Er-
gebnisse belegen, dass humorvolle Sätze
leichter erinnert werden als nicht-humor-
volle Sätze. Um das zu testen, haben die
Probanden eine Liste mit Sätzen erhalten,
teils mit Humor, teils ohne Humor. Sie
hatten die Aufgabe, diese durchzulesen.
Danach mussten die Testpersonen als
Zwischenbeschäftigung einige Mathe-
Aufgaben lösen. Anschließend sollten sie
alle Sätze aufschreiben, an die sie sich
erinnern konnten. Auch eine Variation
des Tests, bei dem sich die Probanden
nicht frei an die Sätze erinnern mussten,
sondern sie gestützt abgerufen werden
konnten, ergab eine bessere Erinnerung
humorvoller Sätze – dies allerdings unter
der Bedingung, dass humorvolle und
nicht-humorvolle Sätze gemischt aufge-
treten sind. Bei zwei Gruppen, von denen
eine Gruppe ausschließlich humorvolle
Sätze erhielt, und die andere ausschließ-
lich nicht-humorvolle Sätze, gab es kei-
nen Unterschied in der Erinnerung. Be-
zogen auf Lernen bedeutet dies: Humor
verliert seine Kraft, sobald der gesamte
Unterricht aus Witzen besteht.
Produktmanager der Firma „Pharmacia“
bestätigten zudem, dass seine Art der
humorvollen Präsentation von Lerninhal-
ten bei Medizinkongressen zu höheren
Erinnerungswerten und Erfolgen führt.
Offensichtlich prägt sich Wissen, das mit
Verblüffung, überraschenden Analogien
und scherzhaften Wortspielen vermittelt
wird, stärker ein.
Angst mit Humor reduzieren
Das Lachen hat aber auch einen Gegen-
part, die Angst. Die beiden Reaktionen
sind miteinander unvereinbar. Diese Er-
kenntnis hat sich bereits die Therapie zu
Nutze gemacht und daraus eine eigene
Therapieschule, die provokative Therapie,
entwickelt. Durch das Provozieren von
Humor mittels einer Unter- oder Übertrei-
bung entsteht eine Gegenphantasie, wel-
che die Angst neutralisiert.
Auch in pädagogischen Settings können
Personen unter Angst leiden. Dies gilt
beispielsweise für Angstfächer wie Ma-
thematik oder Statistik, also Fächern,
deren Lernstoff als sehr schwierig einge-
stuft wird oder mit denen die Lernenden
R
Acht Tipps: mit Humor den Lernerfolg steigern
· Schlüpfen Sie in eine andere Rolle, wenn Sie humorvoll
vom Leder ziehen. Es muss jedem Teilnehmer klar sein,
was „witzig“ gemeint ist.
· Setzen Sie Humor nur für relevante Inhalte ein, nicht für
Nebensächliches! Sonst bleibt womöglich nur Unwichti-
ges hängen.
· Bremsen Sie Spaßvögel nicht aus, indem Sie humorvolle
Beiträge mit kritischen Kommentaren und düsterer Mimik
sanktionieren und unterbinden wollen. Freuen Sie sich
lieber, wenn Sie humoristische Naturtalente für Ihre Zwe-
cke, nämlich ein abwechslungsreiches, unterhaltsames
und wirkungsvolles Lernprogramm, nutzen können.
· Machen Sie sich als Mitarbeiter in brenzligen Situatio-
nen nicht selbst zum Hofnarren. Ein externer Trainer ist
besser in der Position, Probleme humorvoll zu benennen,
ohne Kränkungen auszulösen, da er in Historien, Hinter-
gründe und Verantwortlichkeiten nicht involviert ist.
Praxis.
Wer selbst als Personalentwickler Trainings im Unternehmen leitet, sollte einige Hinweise
beherzigen. Schließlich ist es gar nicht so leicht, vom Humor nicht in den Slapstick abzugleiten.
· Humor sollte wie ein Katalysator das Verständnis
beschleunigen und somit Zeit sparen anstatt zusätzliche
Energie zu kosten.
· Lachen Sie über sich selbst und geben Sie den Teilneh-
mern der Gruppe Gelegenheit, ebenfalls über sich zu
lachen. Wenn das, was in der Gruppe kommuniziert wird,
Quelle des Lustigen ist, öffnen Sie automatisch Ventile,
kreative Inhalte sprudeln zu lassen.
· Wer über ein Bonmot des anderen lacht, schätzt des-
sen Esprit. Lachen in der Gruppe fördert nicht nur, dass
man sich schätzen lernt, sondern fördert auch die eigene
Selbsteinschätzung. Nutzen Sie Humor, um Reflexion
über eigene Stärken und Schwächen zu verbessern.
· Das richtige Timing ist der Garant einer gelungenen
Pointe! Üben Sie stets und bewerten Sie immer den
Erfolg Ihres Humoreinsatzes, damit Ihr Spaß mit herzhaf-
tem Lachen belohnt wird.