Seite 29 - wirtschaft_und_weiterbildung_2015_02

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02_2015
wirtschaft + weiterbildung
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Sie müssen also an Ihren Argumenten
feilen. Denn was Ihrem Vorgesetzten
fehlt, sind Belege – am besten wissen-
schaftliche. Was ist tatsächlich dran an
der These, dass Humor beim Lernen
hilft? Wir liefern Ihnen in diesem Arti-
kel eine komprimierte Zusammenschau
von Studienergebnissen aus der Humor-
forschung. Die meisten Studien werden
allerdings aus forschungspragmatischen
Gründen mit Studierenden an Hochschu-
len durchgeführt. Das ist nur bedingt mit
der Arbeitswelt vergleichbar. Darum wer-
den wir diese Lücke durch unsere prak-
tischen Erfahrungen aus aus dem Unter-
nehmenskontext ergänzen.
Lernen wird einfacher
Ein erster Aspekt, der gut untersucht
wurde: Lernen fällt leichter, wenn im Un-
terricht Humor eingesetzt wird. Das zei-
gen schon Untersuchungen mit Schülern
und Studierenden. Dies haben zahlreiche
Forscher belegt, beispielsweise Jennings
Bryant und Dolf Zillmann im Jahr 1988
sowie Sarah E. Torok, Robert F. McMor-
ris und Wen-Chi Lin im Jahr 2004. Auch
ein Praxisfall kann dies bestätigen: Ein
deutsches Pharma-Unternehmen hat aus-
gewertet, wie verschiedene E-Learning-
Module zur Einführung eines neuen Arz-
neimittels genutzt wurden. Es zeigte sich,
dass die Pharmareferenten länger und in-
tensiver die Informationen nutzten, wenn
sie mit humorvollen Unterbrechungen
gespickt waren. Zudem ist eine Praxiser-
fahrung, dass Prüfungsergebnisse nach
solchen humorgespickten E-Learnings
bei abschließenden Multiple-Choice-Tests
signifikant besser ausfallen.
Eine zentrale Erkenntnis in diesem Zu-
sammenhang ist: Die Lernenden bevor-
zugen positive Formen von Humor, zum
Beispiel fachbezogene Witze oder lustig
dargestellte persönliche Erlebnisse, die
mit dem Lerninhalt in einem Zusammen-
hang stehen. Verletzender Humor, wie
beispielsweise sexuelle Herabsetzungen,
sollte dagegen vermieden werden.
Nach einer Studie von Andy Field von
2009 wissen Lernende diesen Humor
auch zu schätzen: 96,6 Prozent der Be-
fragten wollen eine Lehrkraft, die zumin-
dest gelegentlich mit Humor arbeitet. Hu-
morvolle Lehrveranstaltungen gelten als
unterhaltend und involvierend. Gerade
in unbeliebten Fächern bringt der Einsatz
von Humor somit einen Mehrwert.
Ein zweiter Erfogsfaktor, der damit zu-
sammenhängt: Humor in Lernkontexten
fördert die Aktivierung der Teilnehmer.
Bereits in den 80er-Jahren fand Avner
Ziv, Psychologie-Professor an der Tel
Aviv University, heraus, dass Humor hilft,
die Aufmerksamkeit zu wecken und zu
halten. Dies kann zum einen spontan
geschehen durch das Einstreuen witzi-
ger Kommentare. Zum anderen kann es
geplant erfolgen, zum Beispiel durch das
Veranschaulichen eines Konzeptes an-
hand eines Cartoons.
Die Humor-Dosis einhalten
Avner Ziv empfiehlt dabei, die humoristi-
schen Elemente nicht zu oft einzusetzen.
Sonst könnte deren Wirkung verpuffen.
Als Optimum ermittelte er durchschnitt-
lich drei Humor-Dosen pro Stunde.
Ebenso sollte der Einsatzrhythmus unre-
gelmäßig sein, damit kein linear-mecha-
nistischer Eindruck entsteht.
Die Praxiserfahrung zeigt zudem, dass
Seminarteilnehmer mit eigenen Beiträgen
aktiver sind, wenn sie nicht befürchten
müssen, dass Fehler und Nichtwissen
sanktioniert werden. Das Benennen von
Optimierungsmöglichkeiten, das als An-
schwärzen von Kollegen gewertet werden
könnte, findet eher statt, wenn es humor-
voll und flapsig kommuniziert werden
kann. Der Rahmen, der solche Transpa-
renz und mögliche Einblicke in verbes-
serungswürdige Strukturen ermöglicht,
kann durch eine Stimmung, in der viel
gelacht wird, schneller geschaffen wer-
den. Teilnehmer trauen sich dann mehr
zu und sind bereit, auch spontan Ideen
einzubringen beziehungsweise allein
durch eine andere, nämlich lustige Art
der Reflektion zu neuen Erkenntnissen
und Ergebnissen zu kommen.
Der Hofnarr reflektiert
Gerade diese Reflektion ist es, die Oliver
Tissot einsetzt, wenn er Veranstaltungen
bei Fusionen und Übernahmen begleitet.
Wenn massive Einschnitte in die gelebte
Humor.
Wer auf eine humor-
volle Personalentwicklung
setzt, kann so bestimmte
Lernerfolge fördern.