02_2015
wirtschaft + weiterbildung
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5.
der Krankheit der schlechten
Absprache.
Wenn der Fuß zum Arm sagt: „Ich brau-
che dich nicht“, oder die Hand zum Kopf:
„Ich befehle“, dann ist das ein Skandal.
6.
der Krankheit des „geistlichen
Alzheimers“.
Das sehen wir bei denen, die … völlig
von ihren Leidenschaften, Launen und
Ideen abhängen und die um sich herum
Mauern aus Gewohnheiten bauen und so
immer mehr Sklaven der Götzen werden,
die sie sich selbst geschaffen haben.
7.
der Krankheit der Prahlerei und
der Ruhmsucht.
Wenn das Äußere, die Farben der Klei-
dung und Zeichen der Ehre zum vorran-
gigen Lebensziel werden und man das
Wort des heiligen Paulus vergisst: „Tut
nichts aus Ehrgeiz und nichts aus Prahle-
rei. Sondern in Demut schätze einer den
andern höher ein als sich selbst.“
8.
der Krankheit der schizophrenen
Existenz.
Es ist die Krankheit, die oft diejenigen
trifft, die den pastoralen Dienst aufge-
geben haben und sich auf bürokratische
Aufgaben beschränken. Dabei verlieren
sie den Kontakt mit der Realität, mit den
konkreten Menschen. Sie schaffen eine
Parallelwelt, indem sie selber alles das
ablegen, was sie andere streng beibrin-
gen. Sie beginnen, ein verborgenes und
oft ausschweifendes Leben zu führen. Für
diese äußerst schwere Krankheit ist die
Bekehrung dringend und unverzichtbar.
9.
der Krankheit des Geschwätzes.
Die Krankheit beginnt als Plausch und
endet mit dem Rufmord an den eigenen
Kollegen und Brüdern. Es ist die Krank-
heit von feigen Menschen, die nicht den
Mut haben, etwas direkt zu sagen und es
deswegen hinter dem Rücken tun. Weg
mit dem Terrorismus des Geschwätzes!
10.
der Krankheit der Vergötterung
der Vorgesetzten.
Das ist die Krankheit derer, die Oberen
schmeicheln, weil sie hoffen, ihr Wohl-
wollen zu erhalten. Sie sind Opfer des
Karrierismus. Diese Krankheit kann auch
die Oberen treffen, wenn sie einige ihrer
Mitarbeiter umschmeicheln, um ihre Un-
terwerfung, Loyalität und psychische Ab-
hängigkeit zu erhalten.
11.
der Krankheit der Gleichgültigkeit.
Diese Krankheit liegt vor, wenn der Fach-
mann sein Wissen nicht den weniger
fachkundigen Kollegen zur Verfügung
stellt. Wenn man, aus Eifersucht oder Ver-
schlagenheit, sich freut, jemanden fallen
zu sehen, statt ihm aufzuhelfen und ihn
zu ermutigen.
12.
der Krankheit der Humorlosigkeit.
Menschen, die mürrisch dreinblicken und
die die anderen, vor allem die Schwä-
cheren, mit sturer Strenge, Härte und Ar-
roganz behandeln, sind von dieser Krank-
heit betroffen. In Wirklichkeit ist diese
Strenge ein steriler Pessimismus und ein
Zeichen für Angst und Unsicherheit. Wie
gut tut eine gute Dosis gesunder Humor!
13.
der Krankheit des Sammelns.
Das ist, wenn Menschen eine existen-
zielle Leere im Herzen auffüllen wollen
mit materiellen Schätzen, die sie sam-
meln. Aber alle Schätze können niemals
diese Leere füllen.
14.
der Krankheit der Cliquenbildung.
Cliquen und Grüppchen sind ein Krebsge-
schwür, das die Eintracht der Kirche un-
tergräbt und viel Übel verursacht.
15.
der Krankheit der weltlichen
Profilierungssucht.
Es ist die Krankheit jener Menschen, die
unersättlich sind und für ihre Bedürfnis-
befriedigung verleumden, diffamieren
und andere in Misskredit bringen. Diese
Krankheit bringt Menschen dazu, den Ge-
brauch jedes Mittels zu rechtfertigen, um
eine gewisse Popularität zu erlangen.
Prof. Dr. Rudi Wimmer, Vizepräsident
der Universität Witten/Herdecke und
Mitbegründer der OSB international
Consultig AG, Wien, einer der größten
systemischen Beratungen, macht darauf
aufmerksam, dass die „15 Krankheiten“
weder etwas mit theologischen Kontro-
versen (zu Themen wie Scheidung oder
Verhütung) noch mit strukturellen Pro-
blemen (wie Dezentralisierung oder Ent-
bürokratisierung) zu tun haben, sondern
sich ausschließlich mit der „Kultur des
Miteinanders“ in der Kurie befasst. „Der
Papst will eine Kulturänderung und hat
sich damit das Schwierigste vorgenom-
men, was es an Veränderungsprojekten
gibt“, so Wimmer.
Prof. Dr. Sonja Sackmann, Inhaberin des
Lehrstuhls für Arbeits- und Organisati-
onspsychologie an der Universität der
Bundeswehr München, gilt als die Exper-
tin für Unternehmenskultur in Deutsch-
land. In ihrem Buch „Erfolgsfaktor Un-
ternehmenskultur: Mit kulturbewusstem
Management Unternehmensziele errei-
chen und Identifikation schaffen“ (Gabler
2004) definiert sie Unternehmenskultur
R
Führung.
Das Buch des US-Journalisten
Jeffrey A. Krames („Lead with Humility“,
Amacom 2015) beschreibt die individu-
ellen Führungsstärken des Papstes.
Kulturwandel.
Der Journalist Jürgen
Erbacher („Ein radikaler Papst“, Pattloch
2014) liefert Hintergründe zur Person des
Papstes und zum Kampf mit der Kurie.