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02_2015
wirtschaft + weiterbildung
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lich das Letzte, was im Teich herumschwimmt. Die Metaphorik
zeigt: Belforts Teich-Trauma sitzt offenbar tief. Das Heilsver-
sprechen, das er dem entgegensetzt, lautet: Werdet reich!
17.000 US-Dollar in drei Minuten verdient –
leider nicht immer ganz legal
Damit die Nachwuchs-Reichen die frohe Botschaft in allen Fa-
cetten verstehen, wird Belforts Performance auf seiner Welt-
tournee simultan übersetzt. Dem Frankfurter Dolmetscher, der
zunächst neben ihm steht und ihn um einen Kopf überragt,
weist der Adler im Wolfspelz einen Platz im Hintergrund zu.
Jedes Mal, wenn der Dolmetscher sich im Laufe des Abends
erdreistet, sich in den Vordergrund zu drängen, wird er wieder
in seine Schranken verwiesen. Übersetzt er zu lange, fährt Bel-
fort ihm einfach über den Mund, ohne das Ende seines Satzes
abzuwarten. Die Choreografie könnte einstudiert sein – wie so
ziemlich die ganze Vorführung von Belfort: Es scheint, als habe
er das, was er an diesem Abend sagt und tut, minutiös vor dem
Spiegel oder der Leinwand geprobt.
Doch Belforts Auftritt soll nicht nur unterhalten, er hat ja auch
eine Verkaufsstrategie im Gepäck, die er bei jedem Auftritt
exklusiv präsentiert. „Etwas, das wirklich verändert“ erwarte
das Publikum: das sogenannte „Straight-Line System“, also ein
geradliniges Verkaufssystem. Denn: Es reiche nicht, eine gute
Idee zu haben, philosophiert Belfort – man müsse sie auch um-
setzen können. So lautet das Zwischenfazit nach einer halben
Stunde.
Doch bis es soweit ist, dass er sein „Straight-Line System“ of-
fenbart, plaudert der große Motivator noch ein bisschen aus
dem Nähkästchen. Offenbar sollen die Zuschauer zunächst
den Menschen Belfort kennenlernen.
Die Geschichte, die er erzählt, klingt so, als habe Hollywood
sie ohne Änderungen direkt ins Drehbuch des „Wolf“-Films
übernehmen können: Belfort fängt in den 80er-Jahren in be-
scheidenen Verhältnissen an. In seiner ersten Unternehmung
umgibt er sich mit zwölf Jüngern, denen er seiner Darstellung
zufolge an Cleverness und Verkaufswillen überlegen ist, und
an denen er im Nachhinein kein gutes Haar lässt: „Kids“ ist
noch die netteste Bezeichnung, die er an diesem Abend für sie
findet. Als er richtig in Fahrt ist, beschimpft er sie als „Forrest
Gumpites“ und „Morons“, also als komplette Idioten – ohne
Verkaufstalent.
Unter diesem Eindruck entwickelt er sein „Straight-Line Sys-
tem“. Damit könne man Leute dazu bringen, Dinge zu kaufen,
die sie nicht kaufen sollten, warnt Belfort. Folgerichtig wird er
in seiner Retrospektive als Börsenmakler reich – nach eigenen
Angaben verdiente er damals schon einmal 17.000 US-Dollar in
drei Minuten –, doch leider haben seine Geschäfte einen klei-
nen Schönheitsfehler: Sie sind nicht immer ganz legal. Belfort
plaudert über seine kriminelle Vergangenheit wie andere über
Streiche aus ihrer Kindheit. Die Anleger, seine Opfer, die Belfort
Verkaufstalent.
Ex-Börsen-
makler Jordan Belfort brachte
als „Wolf of Wall Street“ Aktien
an den Mann – nicht immer
legal. Jetzt verkauft er sich als
Berater und Motivationsguru.
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