03_2014
wirtschaft + weiterbildung
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Entwicklung von Führungskompetenzen,
Persönlichkeits- und Potenzialentwick-
lung sowie Konflikt- und Beziehungsthe-
men. Das viel diskutierte Thema Stress-
management liegt bei den Klienten erst
auf Platz sechs und bei den Coachs auf
Platz sieben von insgesamt 14 vorgegebe-
nen Themenbereichen.
Schaut man sich die relative Verteilung
der Themen in den beiden Gruppen an,
fallen dennoch Unterschiede auf. So ste-
hen in der Wahrnehmung der Klienten
eher Persönlichkeitsthemen und konkrete
Problemsituationen im Vordergrund und
nach Wahrnehmung der Coachs eher die
Führungs- und Positionsthemen. Auch
hier gilt es für die Coachs zu überlegen,
wo die unterschiedliche Wahrnehmung
mit Blick auf die Bedeutung einzelner
Themen herrührt und ob intensiveres
Einstellen auf die internen Landkarten
der Klienten angezeigt wäre.
Vielleicht noch interessanter als die Aus-
wahlkriterien für Coachs könnten die
Wahrnehmungen über die Elemente im
Coaching sein, die eine nachhaltige Ver-
änderung bewirken. Coaching zeichnet
sich ja durch ein bestimmtes Verständnis
von Beratung aus, welches im Bereich
der Prozessberatung angesiedelt ist und
damit zum Beispiel Trainingselemente
oder Anteile der fachlichen Beratung
entweder ganz verneint oder nur einen
sehr untergeordneten Stellenwert zubilligt
(hier gibt es durchaus Unterschiede zwi-
schen den Coaching-Verbänden). Diese
Vorstellung wird durch die Ergebnisse der
Umfrage auch bestätigt. Sowohl Coachs
wie auch Coaching-Klienten wählen die
gleichen sechs Aspekte bei der Frage
nach den wichtigsten Elementen, die
beim Coaching-Klienten eine nachhaltige
Veränderung bewirken:
• Fragen des Coachs
• Ressourcenaktivierung
• Wertschätzung
• Zielklärung
• Eingehen auf die emotionale Lage des
Coaching-Klienten
• gemeinsame Reflexion.
Dennoch fällt auf, dass die Coachs die
Bedeutung dieser Top-Erfolgsfaktoren in
der Regel deutlich höher einschätzen als
die Klienten selber. Dagegen werden die
weniger bedeutenden Faktoren wie (Per-
sönlichkeits-)Tests, Theorien und Mo-
delle, Feedback-Instrumente (zum Bei-
spiel 360-Grad-Feedbacks), Wissen und
Tipps vom Coach systematisch von den
Klienten höher eingeschätzt als dies die
Coachs tun.
Dies fällt vor allem bei dem unter Coachs
heiß diskutierten Thema der „Tipps und
konkreten Hinweise des Coachs“ auf.
Auf der Skala von eins bis sechs (sechs
bedeutet „die wichtigste Rolle“ für eine
nachhaltige Veränderung) schätzen die
Coaching-Klienten Tipps und konkrete
Hinweise des Coachs als eindeutig wich-
tiger ein (4,34) als die Coachs (3,46).
Man könnte die Zahlen so interpretieren,
dass neben der gemeinsamen Reflexion
auch konkrete Tipps des Coachs durch-
aus wertgeschätzt werden, was sich mit
der thematischen Betonung von Persön-
lichkeits- und Problemfragen sowie der
Höchstbewertung der Berufserfahrung
des Coachs als Auswahlkriterium zu
einem Bild fügt. Unabhängig davon, ob
dieser Aspekt nun zum Selbstverständnis
der deutschsprachigen Coachs passt oder
nicht, sollte sich jeder Coach bewusst
sein, dass dies durchaus aus der Sicht der
Coaching-Klienten ein wichtiges Element
für seine angestrebte Entwicklung sein
kann.
Jörg Middendorf, Georg Fischer
Hinweis:
Die vollständigen Daten der
Coaching-Umfrage 2013 können von allen
interessierten Marktteilnehmern gegen
eine Schutzgebühr von fünf Euro unter
der E-Mail-Adresse
bestellt werden.
Klienten interessieren sich durchaus
für die Methoden ihres Coachs
Auswahlkriterien.
Die sieben wichtigsten Kriterien für die Auswahl
eines Coachs aus der Sicht der Klienten und der Coachs.
Quelle: Coaching-Umfrage 2013, Middendorf
Der Coach wurde von einer sonstigen,
vertrauenswürdigen Person empfohlen
Eine mehrjährige Berufserfahrung als
Coach
Eine Coaching-Ausbildung, die der
Coach absolviert hat
Thematische Spezialisierung Coach
Methodische Ausrichtung Coach
Eine mehrjährige Unternehmens- und/
oder Industrieerfahrung
Der Coach wurde von der Personalabtei-
lung oder dem Vorgesetzten empfohlen
Klienten
Coachs
wichtigste Rolle
1
2
3
4
5
6
keine Rolle
Worum es beim Business-Coaching
im Jahr 2013 ging
Top-Themen.
Gefragt wurden Coachs und zum ersten Mal auch ihre
Klienten (!) nach wichtigen Coaching-Themen (Mehrfachnennung).
Quelle: Coaching-Umfrage 2013, Middendorf
Selbstreflexion, Abgleich Selbstbild mit
Fremdbild
Neue Aufgaben, Führungsverantwor-
tung, Funktionen, Positionen
Persönlichkeits-/Potenzialentwicklung
Konkrete Problemsituationen beruflich
Konflikte, Beziehungsthemen
Führungskompetenzentwicklung
Stressmanagement, Burn-out, Prophy-
laxe, Work-Life-Balance
Karriere, Fragen zum Berufsweg
Klienten
Coachs
unwichtig sehr wichtig
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