03_2014
wirtschaft + weiterbildung
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ist eine der zentralen Herausforderungen, vor denen die Unter-
nehmen stehen. Denn wenn ihre Mitarbeiter nicht über diese
Kompetenz verfügen, dann können sie ihre Innovationskraft
und ihre Fähigkeit, schnell und flexibel auf Veränderungen zu
reagieren, nicht im erforderlichen Maße erhöhen.
Ist es nicht die klassische Aufgabe der Personalentwicklung,
solche Qualifizierungsprozesse zu organisieren?
Machwürth:
Ja, aber sie kämpfen heute mit dem Problem, dass
die Entwicklungsbedarfe in den einzelnen Bereichen und bei
den einzelnen Mitarbeitern so verschieden sind, dass sie weder
zentral erfasst, noch mit standardisierten Weiterbildungsmaß-
nahmen top-down befriedigt werden können. Also muss die
Weiterqualifizierung weitgehend vor Ort erfolgen durch die
Mitarbeiter selbst – unterstützt von ihren Führungskräften. Die
Weiterbildungsabteilungen können vielfach nur noch die erfor-
derlichen Rahmenbedingungen schaffen. Zum Beispiel, indem
sie die nötigen Tools bereitstellen und dafür sorgen, dass das
Lernen sich in einem vorgegebenen Rahmen vollzieht.
Heißt das, dass standardisierte Weiterbildungen an
Bedeutung verlieren?
Machwürth:
Ja und nein. Nein, weil die Unternehmen auch
künftig immer wieder große Mitarbeitergruppen in kurzer Zeit
schulen müssen. Zum Beispiel, wenn sie ihre Strategien än-
dern. Oder neue Produkte einführen. Oder neue Standorte im
In- und Ausland eröffnen. Dieser Bedarf wird eher noch stei-
gen. Außerdem müssen die Unternehmen immer wieder nach-
rückenden jungen Mitarbeitern das erforderliche Basiswissen
zum Beispiel im Bereich Führung oder Verkauf vermitteln, das
sie brauchen. Daneben steigt jedoch der Bedarf an individu-
ellen Förder- und Entwicklungsmaßnahmen.
Weshalb solche Formate wie Coaching und Training on the Job
boomen …
Machwürth:
Richtig. Daneben muss sich aber auch das Selbst-
verständnis vieler Führungskräfte wandeln. Sie sollten sich
künftig weniger als Vorgesetzte denn als „Ermöglicher“ ver-
stehen – also als Personen, die ihre Mitarbeiter dabei unter-
stützen, ihre Fähigkeiten zu entwickeln und die Rahmenbedin-
gungen schaffen, dass ihre Mitarbeiter diese entfalten können.
Das könnte man auch eine Überforderung der Führungskräfte
nennen …
Machwürth:
Ja, wenn sie für diese Aufgabe nicht qualifiziert
sind. Nein, wenn sie diese Aufgabe professionell wahrnehmen.
Dann kann dies sogar zu einer Entlastung der Führungskräfte
führen. Denn je kompetenter ihre Mitarbeiter sind, umso kom-
plexere Aufgaben können sie ihnen übertragen und umso sel-
tener müssen sie korrigierend eingreifen.
Sabine Machwürth.
Seit
1993 leitet sie mit ihrem
Ehemann Hans-Peter
Machwürth das Unterneh-
men.
Hans-Peter Machwürth.
Er
ist der Gründer des Mach-
würth Team International
MIT in Visselhövede,
einem Heidestädtchen
nördlich von Hannover.
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