Seite 52 - wirtschaft_und_weiterbildung_2014_02

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training und coaching
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wirtschaft + weiterbildung
02_2014
die Aufgabe eines Coachs, den Standard
„stimmig“ weiterzuentwickeln, sodass
ein Tool die bestmögliche Wirkung beim
Klienten erzielen könne.
Um die Forderung nach der Individuali-
sierung einer Intervention zu verdeutli-
chen, berichtete Wehrle von folgendem
Praxisfall: Ein Pharmamanager kam
wegen seiner starken Redeangst ins Coa-
ching. Sie belastete ihn sehr, denn als
Leiter einer Forschungsabteilung eines
großen Arzneimittelkonzerns musste er
ständig vor größeren Gruppen einen Vor-
trag halten. Er hatte immer schon Tage
vor seinem Auftritt Angstzustände und
konnte nachts nicht schlafen. Wehrles
Gesprächsstrategie bestand zuerst darin,
den Manager durch gezielte Fragen zu lö-
sungsorientierten „Phantasien“ über die
Zukunft anzuregen. Doch die Gedanken
kamen, nachdem sie kurz in die Richtung
einer Lösung gingen, umso heftiger wie-
der zum Problem zurück. Um jemanden
dauerhaft „aus der Problemecke“ heraus-
zuholen, wird nach herrschender Lehre
gerne auf die „Wunderfrage“ zurückge-
griffen.
Aber Wehrle vermutete, dass der Ma-
nager, der bereits die Hilfe unterschied-
licher Coachs in Anspruch genommen
hatte, mit hoher Wahrscheinlichkeit die
Wunderfrage schon kannte. Wehrles Idee
war, die Wunderfrage für die berufliche
Situation des Klienten abzuwandeln. Die
„Viele Führungskräfte, die heute in ein
Coaching kommen, haben mit großer
Wahrscheinlichkeit schon zuvor andere
Coachs kennengelernt und werden die
Art der Fragen, die professionelle Coachs
stellen, schon kennen“, warnte Wehrle
die rund 200 Zuhörer auf den 3. Wester-
hamer Business Coachingtagen Mitte No-
vember in Westerham.
Wer als Coach etwas bewirken wolle,
müsse deshalb eine individuellere Vorge-
hensweise als bislang an den Tag legen.
Die bekannten Coaching-Interventionen
wie „hypothetische Fragen“, „zirkuläre
Fragen“, das Reframing und das lösungs-
orientierte Arbeiten sollten ruhig einmal
abgewandelt werden. Es sei schließlich
Coaching sollte spielerischer
und individueller werden
KNOW-HOW.
„Seien Sie kreativ, spielen Sie mit Ihrem Klienten, probieren Sie Dinge
aus“, rief Martin Wehrle, Inhaber der Karriereberater-Akademie in Appel bei Hamburg
und Bestsellerautor („Ich arbeite in einem Irrenhaus“), seinem Publikum auf den
Westerhamer Business Coachingtagen zu. Als Beispiel berichtete Wehrle davon, wie er
die „Wunderfrage“ für die berufliche Situation eines Klienten abwandelte.
Business Coachingtage 2013.
In Westerham bei München trafen sich rund 200 Coachs,
um über die Weiterentwicklung unterschiedlichster Coaching-Ansätze zu diskutieren.
Martin Wehrle.
Einer der bekanntes-
ten Coaching- und Karriere-Experten in
Deutschland bildet auch Coachs aus.
Fotos: Pichler