09_2014
wirtschaft + weiterbildung
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2 Training
An dieser Stelle geht es darum, für die
Teilnehmer ein Maximum an Interaktion
und professionellem Feedback zu ermög
lichen. Training ist der Weg zum Ziel.
Dazu gehören Spiele und Übungen, die in
didaktischer Hinsicht ausgewählt werden.
Wichtige Bestandteile eines Trainings
neben Instruktion und Präsentation sind
Erfahrungen und Feedback. Der Mensch
lernt am besten aus der Kombination von
maximaler Fehlerfrequenz gepaart mit
maximalem Feedback.
3 Entertainment
Außerdem darf nicht vergessen werden,
die Teilnehmer mit dem richtigen Maß an
Unterhaltung und positiven Emotionen
für ein Thema zu begeistern. Dazu dient
das „Pimp-my-Training“-Template (Seite
43). Fragen, die sich ein Konzeptionist
in diesem Zusammenhang stellen sollte,
sind zum Beispiel:
• Wie können noch mehr Sinne ange
sprochen werden? Bewegung? Visuali
sierungen?
• Welche zusätzliche Technik kann das
Lernziel unterstützen? Überraschung
und Provokation?
• Welche zusätzlichen Materialien kön
nen die Emotionalisierung unterstüt
zen? Lernraumgestaltung? Musik?
Jeder „Knalleffekt“ sollte allerdings einen
didaktischen Bezug zu den Inhalten
haben.
Um zu überprüfen, ob der richtige Mix
aus Education, Trainung und Entertain
ment gelungen ist, verwendet man ein
weiteres Template mit dem Titel „Prinzi
piencheck“ (Seite 43). Es funktioniert wie
eine Checkliste.
Immer wieder zeigt sich: Nicht jeder gute
Trainer entwickelt auch gute Konzepte.
Kunden glauben aber oft das Gegenteil.
Sie erwarten, dass zur Bestandsaufnahme
und zur späteren Präsentation eines Kon
zepts genau die Trainer erscheinen, die
auch später die Trainings durchführen.
Mindestens zur Bestandsaufnahme sollte
aber lieber ein anderer Kollege gehen –
jemand, der besser konzipieren kann.
Die Anforderungen an ein Konzept für
die Personalentwicklung sind oft kom
plex. Daher sollte auch die Konzeption
einer Weiterbildungsmaßnahme dieser
Komplexität gerecht werden. Teams, die
gemeinsam eine Konzeption erarbeiten,
sollte man eher die „Lernarchitekten“
nennen. Dieser Begriff beschreibt die Auf
gabe sehr gut. Es wird Zeit, dass wir das
Design von Personalentwicklungslösun
gen als interdisziplinäres Feld entdecken,
systematisch entwickeln und dafür auch
passende Ausbildungen anbieten.
Konzeption – im Team geht‘s
besser
Eine gute Konzeption beruht auf einer
guten Analyse, vielen Fragen, Nachfor
schungen, Interviews, der Auseinander
setzung mit der Kultur des Unterneh
mens, vielleicht sogar den individuellen
Lernbiografien der Zielgruppe. Sie fußt
auf den Erfahrungen aus vielen erfolgrei
chen oder auch mal nicht so geglückten
Projekten. Nicht selten lernt man gerade
aus den Fehlern besonders viel.
Multidisziplinäres Arbeiten im Team,
ein systematisches Vorgehen vom ers
ten Meeting bis zum fertigen Konzept
sowie die Bereitschaft, internes Wissen
mit anderen zu teilen – die Anforderun
gen sind hoch. Nicht jeder Anbieter von
Trainings und Seminaren ist dafür bereits
richtig aufgestellt. Wer zum Beispiel ein
komplexes Blended-Learning-Konzept
entwickeln will, braucht Kompetenzen in
Präsenztraining, E-Learning und Mobile
Learning.
Diese Kompetenzen zu bündeln, kann
ein durchaus schmerzhafter Prozess sein.
Denn Trainer sehen E-Learning anfangs
eher als Bedrohung und wissen mit des
sen Entwicklern nicht viel anzufangen.
Und die E-Learning-Experten haben
zwar oft theoretisch mehr Wissen über
Lernziele und moderne Lerndesigns. Sie
hatten es aber noch nie mit lebenden
Teilnehmern zu tun. Beide sollten ge
meinsam um die richtige Lösung streiten.
Selbst Psychologen mit dem Schwer
punkt Potenzialdiagnostik und Exoten
für Gesundheit am Arbeitsplatz und im
Seminarraum sollten bei einer Konzepti
onsarbeit willkommen sein. Konzeption
ist Teamleistung.
Dem lieben Kollegen Lutz Freiberg, der
einsam im Hotelzimmer hockt und sei
nem müden Hirn innovative Konzepte
abzuringen versucht, würde dieses Vor
gehen sicher gefallen. Konzipieren im
Team ist kreativer, schneller und macht
deutlich mehr Spaß. Ein Espresso hilft na
türlich. Den Wein gönnt sich das Team
dann später.
Albrecht Kresse
R
Buchtipp.
Albrecht Kresse, der Autor
dieses Fachbeitrags, ist nicht nur
Gründer und Geschäftsführer der
Edutrainment Company in Berlin. Der
Experte für innovative Personalent
wicklung ist auch Autor des Buchs
„Edutrainment. Besser, schneller, ein
facher lernen im Unternehmen“, das
im Sommer 2014 im Gabal-Verlag
in Offenbach erschien (280 Seiten,
49,90 Euro). Kresse beschreibt in die
sem Buch ausführlich sein Konzept: Edu
cation, Training und Entertainment werden so kombi
niert, dass das Lernen leichter wird.
Edutrainment Company, Winsstraße 12, 10405 Berlin,
Tel. +49 30 36417770,
Leichter lernen