Seite 36 - wirtschaft_und_weiterbildung_2014_09

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training und coaching
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wirtschaft + weiterbildung
09_2014
war auch im deutschen Team, dass jeder
seine Aufgaben und die seiner Mitspieler
kannte. Denn erst aus dieser Grundord-
nung erwuchs für die Einzelspieler die
Möglichkeit, ihre Kreativität zu entfalten
– und zwar so, dass diese keine brotlose
Kunst ist, die primär der Selbstdarstellung
dient, sondern sich hierdurch Chancen
für die Mannschaft eröffnen.
10.
Eine Rückendeckung.
Wie selbstbewusst die Offensivkräfte
eines Teams agieren, hängt auch davon
ab, wie viel Vertrauen sie in die Männer
hinter sich haben. Denn was nützt ein
Torerfolg, wenn man im Gegenzug ein,
zwei Gegentore kassiert. Nichts! Entspre-
chend wichtig waren solche zuverlässi-
gen Bollwerke wie Jérôme Boateng und
Mats Hummels für die deutsche Mann-
schaft. Und selbstverständlich ein Spieler
wie Torwart Manuel Neuer, der in allen
Spielen eine extreme Souveränität aus-
strahlte – selbst wenn seine „Ausflüge“
speziell im Algerien-Spiel teilweise schon
den Charakter von Harakiri-Aktionen
hatten. Sie waren jedoch nötig, um das
0:0 und damit die Basis des Erfolgs zu si-
chern.
11.
Großes Vertrauen.
Auch Topspieler bringen manchmal keine
Topleistungen – so zum Beispiel Mario
Götze in den ersten WM-Spielen. Dann
dürfen seine Trainer, also Führungskräfte,
ihn nicht gleich wie eine heiße Kartoffel
fallen lassen. Sie müssen ihm vielmehr
Mut zusprechen – so wie dies der Bun-
destrainer Jogi Löw angeblich vor der
Einwechslung im Endspiel tat, indem er
zu Götze sagte: „Zeig‘, dass du besser als
Lionel Messi bist“.
12.
Spieler, die bis zum Umfallen
kämpfen.
Wie oft wurde Sebastian Schweinsteiger
im Finale gefoult? In der Verlängerung
hatte man den Eindruck: Die argentini-
schen Spieler verwechseln ihn mit dem
Ball. So oft wurde er getreten. Doch
Schweinsteiger stand immer wieder
auf. Und selbst als er unter dem Auge
eine Platzwunde hatte, ließ er diese nur
schnell zunähen. Dann spielte er mit
der ihm eigenen Dynamik weiter. Solche
Spieler sind die echten Leitwölfe in einem
Team, denn an ihnen können sich die
Mitspieler, wenn sie müde werden, auf-
richten.
13.
Kreative Geister.
Mit einem Vorgehen nach Schema F
kommt man sowohl im Fußball als auch
bei der Projektarbeit oft nicht zum Ziel.
Entsprechend wichtig sind Spieler wie
Thomas Müller im Team, die immer wie-
der unkonventionelle Wege sehen und
gehen, und die nicht die Mühe scheuen,
auch mal einen im Nachhinein sich als
überflüssig erweisenden Weg zu gehen,
weil sie vermuten: Er könnte zum Erfolg
führen.
14.
Zufriedene Ergänzungsspieler.
Es war bei der WM immer wieder faszi-
nierend zu sehen, wie gut gelaunt auch
solche Spieler wie Roman Weidenfeller
und Lukas Podolski waren, obwohl sie
bei den Spielen entweder die ganze oder
meiste Zeit auf der Ersatzbank saßen.
Von Missgunst oder Neid keine Spur.
Vielmehr hatte man nach dem Finale den
Eindruck: Sie freuen sich ebenso über
den WM-Titel wie die Hauptprotagonis-
ten des Erfolgs.
Diese Stimmung zu erzeugen und auf-
rechtzuerhalten, war vielleicht die größte
Leistung der Führungskraft Jogi Löw,
denn Grabenkämpfe hätten das Team
schnell auseinanderbrechen lassen. Und
diese Gefahr war nach allem, was man
weiß, nicht gering. Schließlich verbrach-
ten die 23 Profikicker in Brasilien viel Zeit
(sozusagen in Quarantäne) gemeinsam
unter einem Dach.
15.
Ein Quäntchen Glück.
Auch die deutsche Mannschaft hatte im
Turnierverlauf Glück. So zum Beispiel,
als in der ersten Halbzeit des WM-Finales
nach einer völlig verunglückten Kopfball-
Zurückgabe des ansonsten souveränen
Mats Hummels, ein argentinischer Stür-
mer plötzlich allein vor Torwart Neuer
stand. Doch er schoss daneben. Dieses
Quäntchen Glück brauchen auch Spitzen-
teams immer wieder, wenn sie den gro-
ßen Erfolg anstreben.
Hans-Peter Machwürth
R
Freudentaumel.
Die
deutsche Mannschaft
jubelt über den Sieg-
treffer von Mario
Götze.
Foto: AGIF / shutterstock.com