Seite 24 - wirtschaft_und_weiterbildung_2014_09

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wirtschaft + weiterbildung
09_2014
titelthema
verkauft sich ein Speaker natürlich schon,
aber erst, nachdem sich ein potenzieller
Auftraggeber bei ihm gemeldet hat. Ich
nenne das Kaufbegleitung. Klinkenputzen
ist tabu.
Wie kommen Veranstalter dann zu
neuen Speakern, die noch keiner kennt?
Haider:
Die Veranstalter sind unterein-
ander gut vernetzt. Wenn sie ein neues
Gesicht brauchen, dann fragen sie einen
Kollegen oder andere professionelle Spea-
ker, wen sie gerade live erlebt haben und
was sie darüber berichten können. Die
zweite Quelle ist das Internet. Erst suchen
sie, wer zu bestimmten Themen häufig
mit gutem Content auftaucht, dann su-
chen sie nach professionellen Speaker-
Websites und Speaker-Videos. Die dritte
Quelle sind Redneragenturen wie wir, die
Talentscouting betreiben und die Emp-
fehlungen geben. Der vierte Weg besteht
darin, dass man als Beobachter viele Mes-
sen und Kongresse besucht, um so Redner
kennenzulernen. Grundsätzlich gilt aber,
dass gute Speaker ihr Geschäft in erster
Linie über Empfehlungen machen. Wenn
Speaker keine Welle der Empfehlungen
auslösen, dann stimmt am Produkt „Red-
ner“ oder „Rede“ noch irgendwas nicht.
Wie suchen Sie selbst Redner aus, wenn
Sie für einen Kunden einen Kongress
organisieren?
Haider:
Am liebsten ist mir ein drei- bis
fünfminütiger Videomitschnitt von der
Rede, die ich buchen will. Das Video
sollte kein Imagefilm sein, sondern so
geschnitten sein, dass ich „live“ den
Dreiklang des Potenzials des Redners er-
kenne: Marke, Inhalt und Performance.
Einige Veranstalter berichten, dass es
schwer ist, weibliche Speaker zu finden ...
Haider:
Wer als Speaker durchstarten
will, sollte schon die Neigung verspüren,
sich selbst darstellen zu wollen. Daran
scheitert nach meiner Beobachtung
häufig die Speaker-Karriere von Frauen,
die oft eine innere Bremse beim Thema
Selbstdarstellung und der nötigen Markt-
R
Der kostspielige Weg vom Trainer zum Speaker
1
Neue Homepage.
Ein Trainer braucht für seine Tätigkeit als Speaker einen
separaten Internetauftritt, der hochwertiger und glanzvol-
ler sein sollte als die Seite des Trainers. Ein attraktives
Design der Homepage ist genauso Pflicht wie die klare
Darstellung der eigenen Marke und der individuellen Story.
Außerdem sollte man sich einige Demo-Videos von den
Auftritten des Redners anschauen können.
Eine gute Speaker-Website ist nicht komplex, sondern hat
maximal 15 Unter-Webseiten verteilt auf zwei Ebenen.
Die Website sollte viele Informationen über die Person
des Redners enthalten und beweisen, dass er bekannter,
gefragter Experte für einen bestimmten Inhalt ist. Die Web-
site gibt klare Antworten auf die Fragen: „wer?“, „wie?“,
„was?“, „warum?“ („Warum soll ich ihn und nicht jemand
anderen buchen?“).
Für das Webdesign und die Produktion von Demo-Videos
sind zusammen zwischen mindestens 5.000 und 10.000
Euro einzuplanen.
2
Neues Kommunikationskonzept.
Wenn die Spezialisierung auf ein Thema und die entspre-
chende Zielgruppe, der ideale Kunde, festgelegt sind,
braucht der Speaker ein gutes, umfangreiches Kommuni-
Investitionen.
Unser Interviewpartner Siegfried Haider hat aufgrund seiner Marktbeobachtungen
zusammengestellt, was ein Trainer investieren sollte, wenn er ernsthaft ins Speaker-Business
einsteigen will. Die hohe Gesamtinvestition von mindestens 55.000 Euro verteilt sich auf drei
Jahre und relativiert sich dadurch, dass das Mindesthonorar eines gut aufgestellten Speakers
bei 4.000 Euro pro Auftritt liegt. Haider sieht folgende Investitionsblöcke:
kationskonzept. Um das umzusetzen, sollte ein Marketing-
Budget und ein Budget für die Pressearbeit in Höhe von
zusammen 30.000 bis 50.000 Euro zur Verfügung stehen,
das auch externe Unterstützung beinhaltet. Das Budget
wird innerhalb von zwei Jahren ausgegeben, um Bekannt-
heit und Expertenposition des Redners zu steigern.
3
Bessere Bühnenpräsenz.
Jeder Anfänger, der als Speaker im Geschäft bleiben will,
muss in die kontinuierliche Verbesserung seiner Bühnen-
präsenz investieren. Anfänger, die zu den Top-Speakern
aufschließen wollen, sollten damit rechnen, 20.000 bis
30.000 Euro dafür auszugeben, dass ihnen ein Bühnen-
profi in den ersten drei Jahren beibringt, wie man sich auf
der Bühne bewegt und wie man seinen Vortrag dramatur-
gisch optimiert.
Zusätzliches Geld könnte erforderlich werden, wenn der
betreffende Speaker sein eigenes Buchprojekt startet
oder auf eigene Kosten Hörbücher und Vortragsvideos
produziert. Außerdem sollte ein Speaker seinen Zuhörern
die Möglichkeit bieten, sich parallel zum Vortrag mit mobi-
len Endgeräten spezielle Zusatzinformationen von seiner
Homepage zu holen.