Mit
Leichtigkeit
weiter-
kommen.
Kompetenz für Fach- und Führungskräfte
Zukunftsgestaltung für Unternehmen
Durch passgenaue Lösungen
und einzigartige Services erleich-
tert die Haufe Akademie die
Zukunftsgestaltung von Unter-
nehmen und die kontinuierliche
Kompetenzerweiterung von
Fach- und Führungskräften.
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09_2014
wirtschaft + weiterbildung
21
R
kurzer Zeit maximale Power. Seine ganze
Rede folgt einer erprobten Dramaturgie
– vom Einstieg über die Kernbotschaften
bis hin zur Handlungsaufforderung und
dem Ausstieg. Klassische Rhetorik bringt
niemanden als Speaker weiter. Scherer rät
seinen Zuhörern: Engagieren Sie einen
Auftrittscoach. Machen Sie einen Work-
shop bei einem Theaterregisseur. Besu-
chen Sie einen Schauspielkurs. Gehen Sie
zu einem Stimmtrainer. Lernen Sie Im-
provisationstheater oder nehmen Sie an
einem Tanzworkshop teil. Das alles stärkt
die Bühnenpräsenz.
Dass es keine Seltenheit ist, dass Spea-
ker wegen der Show und nicht wegen der
Inhalte gebucht werden, macht Scherer
am Beispiel der Gedächtnistrainer deut-
lich: Praktisch kein Mensch wendet die
in einem Vortrag zum Thema „Gedächt-
nistraining“ vorgestellten Techniken an
seinem Arbeitsplatz dauerhaft an. Aber
Gedächtnisexperten sind bekannt für
gute Shows und verblüffende Effekte.
Man lacht gerne gemeinsam bei ihren
Vorträgen, was die Stimmung schlagartig
verbessert und dem Betriebsklima guttut.
Umsetzbares Wissen ist dabei zweitran-
gig, so Scherer.
3 Keine enge
Spezialisierung
Wer sich spezialisiert, wird auf dem
Rednermarkt scheitern, behauptet Sche-
rer. Viele Unternehmen suchen jedes
Jahr neue Redner für ihre Außendienst-
tagungen. Die entsprechenden Redner
sollten ein Thema haben, das alle Außen-
dienstler interessiert. Eine zu enge Spezi-
alisierung ist für die meisten Veranstalter
deshalb nicht attraktiv.
Außerdem ist es laut Scherer nicht erfor-
derlich, dass ein Redner ein Thema mei-
det, nur weil es zu diesem Thema schon
einen erfahrenen Redner gibt. Die Unter-
nehmen brauchen ständig neue Redner.
Scherer weist darauf hin, dass es ihm
gelungen sei, eine 29-jährige Trainerin
für 6.000 Euro pro Auftritt als Referentin
zum Thema Körpersprache zu etablie-
ren – obwohl schon seit Langem Samy
Molcho dieses Thema besetzt hat. „Ich
glaube, dass in der Speaker-Branche ein
USP höchst gefährlich ist und keinen Sinn
macht“, so Scherer.
4 Die Brücken zum Trainer-
dasein abbrechen
Der Schritt vom Trainer zum Profi-
Speaker muss laut Scherer schlagartig
erfolgen. Erforderlich ist ein radikaler
Schnitt, weil kein Veranstalter jemanden
bucht, der sich zwischen der Existenz als
Trainer und der als Speaker noch nicht
entschieden hat. Scherer rät zum Cape-
Canaveral-Prinzip: Alle verfügbaren
Ressourcen mobilisieren und dann die
Rakete aufsteigen lassen. „Verhalten Sie
sich wie ein erfolgreicher Speaker, ehe
Sie es tatsächlich sind und gehen Sie auf
Distanz zu Ihren heutigen Trainerkolle-
gen“, fordert er. Diese Umstellung kostet
natürlich Geld. Man braucht zum Beispiel
eine eigene Homepage als Speaker. Auf
der dürfen dann die Worte „Trainer“ und
„Coach“ nicht mehr vorkommen, da sie
für ein niedriges Honorar-Niveau stehen.
Trainer leiden tendenziell darunter, dass
ihre Arbeit nicht genügend gewürdigt
wird und sie selten das Honorar bekom-
men, das ihrem Können entspricht. Sche-
rer ging geschickt auf diese Defizite und
die damit verbundenen Wünsche ein und
bot mit dem Rednerberuf einen einfach
scheinenden Ausweg an. Er wurde mit
viel Beifall belohnt. Sein Buch „Der Weg
zum Topspeaker“ (Gabal, 2014) war am
Büchertisch schnell vergriffen und seine
Redner-Ausbildungen dürften zum Ver-
kaufsschlager der Saison werden.
Nur wenige Teilnehmer machten unter
der Hand kritische Anmerkungen. Einige
störten sich daran, dass Kongressredner,
die Scherer liebevoll-ironisch „Kasperl“
nannte, nur für Entertainment und gute
Laune zuständig sein sollten. Dass Sche-
rer den Inhalt einer Rede (und die Biogra-
fie eines Redners als Kompetenzbeweis)
für quasi nebensächlich erklärte, verwun-
derte einige Zuhörer zusätzlich - zumal
Scherer selbst an anderer Stelle schon
gezeigt hat, dass er anspruchsvollen Con-
tent zu schätzen weiß und selbst auch lie-
fern kann. Gestört hat einige zudem der
ständig auftauchende, protzige Hinweis,
das Mindesthonorar für Speaker läge bei
4.000 Euro pro Auftritt. Der Preisverfall
(Gastkommentar S. 20) habe schließlich
längst auch den Rednermarkt erreicht.
Martin Pichler