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wirtschaft + weiterbildung
09_2014
Neulich beim Checken der Mails: „Erleben Sie
fünf Veranstaltungen und 34 Vorträge von Spit-
zenreferenten zum unschlagbaren Vorzugspreis
von nur 719 Euro.“ Mehrere Großevents binnen
Monatsfrist vom Wühltisch für knapp 20 Euro je
Vortrag! Freikarten, Kombitickets, Sonderrabatte
– damit machen wir uns billig. Wir senden das
falsche Signal an unsere Geschäftspartner, dass
Klasse zum Preis von Masse zu bekommen ist.
Ohnehin kämpfen wir im Speaker-Business mit
rückläufigen Veranstaltungszahlen. Immer mehr
Jahresauftaktevents und Kundenveranstaltungen
werden gestrichen. Externe Redner sterben den
Rotstift-Tod und werden durch interne Referenten
ersetzt. Immer mehr Trainer drängen auf die Bühne
und fachen den Wettbewerb im B2B-Markt weiter
an. Honorarzugeständnisse von bis zu 50 Prozent
sind keine Seltenheit. Klar, es wird ein Ausgleich
verhandelt, meist in Form von Marketingleistungen.
Gutes Videomaterial ist auch was wert. Oder eine
gute Werbung im Newsletter oder auf der Einla-
dungskarte.
Trotzdem kommt beim Kunden an: Selbst Topleute
sind schon für die Hälfte zu haben. Und in diesem
Bewusstsein steigt der Einkäufer in den Verhand-
lungsring mit dem nächsten Referenten. Verbände,
Marketing- oder Wirtschaftsclubs zu angemes-
senen Honoraren? Fast unmöglich. Das Argument
der Veranstalter: „Der Saal ist voll, die Zielgruppe
klasse, ist ja auch nur eine Stunde Zeit für Sie,
und Anschlussgeschäfte kommen garantiert.“ Also
bitte „pro bono“ (neudeutsch: „für lau“). Auf die
Anschlussgeschäfte warten die meisten ewig …
Wir tun unseren Zuhörern, den Unternehmenskun-
den und uns selbst keinen Gefallen, wenn wir uns
mit schlechten Preisen die Grundlage für unser
Geschäft nehmen. Denn der Kunde kriegt immer
Topleistung, Schnäppchenpreis hin oder her. Den-
noch muss klar sein und bleiben: Gute Speaker
sind teuer. Um so gut zu sein, dass sie 5.000 Euro,
8.000 Euro oder noch mehr aufrufen dürfen, haben
sie viele Jahre hart gearbeitet, an jedem
Satz gefeilt, ihr Fachwissen erweitert,
in die eigene Weiterbildung investiert.
Tausende von Autobahnkilometern, Hun-
derte einsamer Hotelnächte und reichlich
Nackenschläge liegen hinter ihnen. All
das hat sie so gut werden lassen, wie sie heute
sind. Und dieses Standing kostet seinen Preis.
Gute Redner sind diesen Preis wert!
Wir haben mit der GSA für das Speaker-Business
im deutschsprachigen Raum das Bewusstsein
geschärft. Wir haben mit der GSA-University eine
weltweit einmalige und umfassende Redneraus-
bildung geschaffen. Wir konnten die Steinbeis-
Hochschule vom University-Konzept überzeugen
und uns so auch in Sachen Qualität absichern. Wir
unterwerfen uns einem „Code of Ethics“, um unser
Verantwortungsbewusstsein zu zeigen. Wir stehen
für Seriosität, Professionalität und Qualität – und
das dürfen wir nicht aufs Spiel setzen.
Dumpingpreise sind der falsche Weg – sowohl bei
offenen Veranstaltungen als auch bei Inhouse-
Events. Um Mitarbeiter und Menschen mit unserer
Arbeit zu inspirieren, zu bewegen, braucht es Qua-
lität. Und die kostet Zeit und Geld. Zwei Güter, die
noch knapper werden, wenn wir selbst die Preis-
schraube weiter lockern und sich der Veranstal-
tungsstrudel immer schneller dreht. Damit unseren
Kunden ihre Weiterbildung weiterhin etwas wert ist,
brauchen wir ein gesundes Selbstbewusstsein, sta-
bile Honorare und deutlich mehr Zusammenhalt.
Gastkommentar
Honorar statt
Hungerlohn
Andreas Buhr
Seriosität, Professionalität und
Qualität – das dürfen wir nicht aufs
Spiel setzen.
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„
titelthema
Andreas Buhr ist Gründer und Vorstand der Buhr & Team Akademie für Führung und Vertrieb, Düsseldorf, die auf Führungs- und Vertriebstrainings spezialisiert ist
hat zahlreiche Bücher wie „Die Umsatz-Maschine“ und „Vertrieb geht heute anders“ geschrieben. Zur Zeit ist Buhr Präsident der
German Speakers Association e.V., München.