training und coaching
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wirtschaft + weiterbildung
07/08_2014
Bücher wie Bianca Fuhrmanns „Projekt-
Voodoo“ oder Peter Taylors „Projektma-
nagement für Faulenzer“ setzen wie das
Buch „Projekt-Safari“ auf Metaphern, die
das Wissen transportieren. Die „Projekt-
Safari“ als Handbuch ignoriert die typi-
sche Herangehensweise an das Thema,
die fast von der kompletten Fachliteratur
bedient wird. Es degradiert den Projekt-
leiter nicht zum Verwalter von Plänen,
Tabellen und Checklisten, sondern weckt
den Abenteurer in ihm.
Alle Projekte sind per Definition neuartig,
oft einmalig. Sie konfrontieren uns mit
täglich neuen Herausforderungen – kurz:
jedes Projekt ist ein außergewöhnliches
Abenteuer. Und wer will nicht gerne in
einem Atemzug genannt werden mit
Kolumbus, Indiana Jones und anderen
Abenteurern? Auch knallharte Inhalte wie
Pläne, Tabellen und Checklisten lassen
sich wirkungsvoll verpacken. Man muss
nur der Metapher treu bleiben. Wenn die
Teilnehmer ihre Projekte als Abenteuer
begreifen, dann lauern überall Gefahren,
doch bei Erfolg winken natürlich Ruhm
und Ehre.
Wer will da nicht auf Projekt-Safari
gehen? Ein dazu passendes Seminar muss
entsprechend zeigen, wie man sich auf
die abenteuerliche Reise durchs Projekt
vorbereitet, wie man Hürden überwindet
und nie das Ziel aus dem Blick verliert.
Werkzeuge, Methoden und Vorgehens-
weisen kommen als Field Guides, Orien-
tierungskarten und Survival-Tipps daher.
Der Teilnehmer versteht sie nicht als lästi-
gen Overhead, sondern als wirkungsvolle
Vorsorge gegen allerlei Gefahren. Wichtig
dabei: Ob IT-Dienstleister, Anwaltskanzlei
oder gar Erzbistümer – Projektmanage-
ment hat so viele Facetten, dass man sich
mit den realen Hintergründen seiner Teil-
nehmer beschäftigen muss: Welche Ge-
fahren lauern in deren Projekten? Wofür
will ich die Teilnehmer sensibilisieren?
Mit diesen Fragen beginnt die Inszenie-
rung des Themas.
Der Trainer und Autor Michael Moesslang
liefert mit seinem Bestseller „So würde
Hitchcock präsentieren“ interessante
Impulse. Auch wenn es dem Präsenta-
tionsprofi in seinem Buch vordergrün-
dig um die Dramaturgie von Business-
Vorträgen geht, kann man sich auch als
Trainer vieles vom Meister der Spannung
abschauen. Schließlich können auch Se-
minare zu unvergesslichen Erlebnissen
werden. Der Trainer muss es nur span-
nend inszenieren – spannend wie ein
Hitchcock-Film. Eine gelungene Inszenie-
rung der Metapher besteht dabei aus fünf
Schritten:
R
Fünf Fragen für eine gute Inszenierung
1
Was sollen die Teilnehmer aus dem Seminar
mitnehmen?
Was sollen die einzelnen Mitarbeiter nach dem Seminar
im Arbeitsalltag tun beziehungsweise umsetzen? Welche
Erkenntnisse sollen sie haben? Was sollen sie anwenden?
Wie sollen sie dabei vorgehen? Hier sind Notizen nötig,
damit sich diese Aspekte später auch überprüfen lassen.
2
Was ist das Highlight, auf das im Seminar
hingearbeitet wird?
Existiert ein Highlight in der Hinterhand, auf das im Semi-
nar hingearbeitet wird? Oder geht es um etwas, das zwar
einige schon kennen, das aber trotzdem wichtig ist? Zuerst
empfiehlt es sich, die Höhepunkte festzulegen. Sie sind
entscheidend für die Inszenierung des gesamten Semi-
nars.
3
Was ist das Problem? Was ist die Gefahr?
In welcher schwierigen Lage stecken die Teilnehmer? Wel-
che Gefahr droht ihnen? Was ist also überhaupt der Grund,
warum sie sich mit dem Thema befassen? Die drohende
Gefahr muss so präzise herausgearbeitet werden, dass
der Teilnehmer sich von Anfang an unbedingt dagegen
Hintergrund.
Das Wichtigste für eine erfolgreiche Inszenierung einer Metapher ist eine
spannende Dramaturgie. Fünf Fragenbereiche helfen dabei, in jedem Themenblock des Seminars
die richtigen Akzente zu setzen:
wappnen will. Das ist vergleichbar mit einer Versicherung.
Auch die kauft nur, wer Angst vor einem Schaden hat. Die
Gefahr besteht in einem potenziellen Schaden. War-Sto-
ries können da helfen.
4
Wie die Gefahr erlebbar machen?
Wie führt man den Teilnehmern die drohenden Schwierig-
keiten vor Augen? Auf welche Übungen kann man zurück-
greifen? Wie entstehen „Grenzerfahrungen“? Mit welchen
Elementen zeigt man den Teilnehmern ihre Grenzen auf?
Wie wird zuvor ermittelte Gefahr erlebbar gemacht? Die
Beantwortung dieser Fragen erfordert viel Nachdenken und
Phantasie.
5
Wie werden Teilnehmer zu Helden?
Welche Impulse sollen gegeben werden? Mit welchen
Werkzeugen, Instrumenten und Methoden können die
Teilnehmer sich gegen die drohenden Gefahren wappnen?
Welche Übungsszenarien eignen sich, dass die Teilnehmer
sich ausprobieren und ein Erfolgserlebnis haben können?
Und wenn der Lerntransfer schwierig werden könnte: Wie
können die Teilnehmer ermutigt werden? Welche Anekdo-
ten aus dem Arbeitsalltag sind besonders einprägsam?